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Fischer: «Wir sind schnell und trickreich»

Vor einem Jahr verpasste die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft den Weltmeistertitel ganz knapp. Nun gilt es, diese Leistung in der Slowakei zu bestätigen. Ein Scheitern in der Vorrunde wäre eine herbe Enttäuschung.

Agentur
sda
Donnerstag, 09. Mai 2019, 07:13 Uhr Eishockey

2013 in Stockholm hatten die Schweizer ebenfalls WM-Silber geholt. Im Jahr darauf in Minsk starteten sie mit drei Niederlagen ins Turnier und belegten lediglich Platz 10. In Bratislava wird sich zeigen, ob das Team von Trainer Patrick Fischer den nächsten Schritt im Prozess vollzieht, ob es mit dem erhöhten Druck umzugehen vermag. Schliesslich ist der Fokus nach vorne gerichtet, wollen sich die in der Weltrangliste im 7. Rang platzierten Schweizer von den dahinter klassierten Mannschaften absetzen.

Die besten sechs Länder zeichnet die Konstanz aus: Seit 1992, seitdem die A-Gruppe aus mindestens zwölf Mannschaften (aktuell 16) besteht, gab es bloss fünf Weltmeisterschaften, in denen eine Top-6-Nation ausserhalb der ersten acht Plätze rangiert war - die USA 1998 (12.), 2003 (13.) und 2010 (13.) sowie Russland 2000 (11.) und 2004 (10.). Insofern ist für die Schweizer die Qualifikation für die Viertelfinals quasi ein Muss. Ausserdem hätten sie damit das Ticket für die Olympischen Winterspielen 2022 gelöst. Die ersten acht Teams der Weltrangliste nach der WM in der Slowakei sind in Peking sicher dabei. Diesbezüglich ist die Ausgangslage jedoch ohnehin gut, da der Vorsprung auf die neuntklassierten Norweger beruhigende 320 Punkte beträgt.

Die Erwartungserhaltung in der Schweiz ist gross. Der nach dem Turnier scheidende Nationalteam-Direktor von Swiss Ice Hockey, Raeto Raffainer, spürt eine enorme Euphorie rund um das Nationalteam. In Gesprächen mit Fans hört er immer wieder: «Sehen wir uns in der Finalrunde.» Da merke er, dass diese plötzlich eine Selbstverständlichkeit sein solle. Sie seien sich jedoch bewusst, wie schwierig die WM werde. «Nur schon die Viertelfinals zu erreichen ist alles andere als ein Selbstläufer», betonte Raffainer.

Dem ist zwar nicht zu widersprechen. Allerdings sind die Fortschritte unter Fischer offensichtlich. Die Schweizer verfügen mittlerweile über die Fähigkeit, gegen auf dem Papier schwächere Equipen zu dominieren und auch mit Top-Mannschaften spielerisch mitzuhalten. Das hat damit zu tun, dass die Breite an valablen Spielern grösser geworden ist, was die Nicht-Nomination von Denis Hollenstein unterstreicht. Der Stürmer der ZSC Lions war in den letzten Jahren eine feste Grösse im Nationalteam. Jetzt ist er dem letzten Cut zum Opfer gefallen.

Fünf Neulinge

Von den letztjährigen WM-Silbermedaillengewinnern nominierte Fischer 14 auch für Bratislava. Dazu könnten noch die NHL-Akteure Dean Kukan und Sven Andrighetto kommen. Kukan ist mit den Columbus Blue Jackets in den Playoffs ausgeschieden, Andrighettos Colorado Avalanche bestritt in der Nacht auf Donnerstag das entscheidende siebte Spiel in der Viertelfinal-Serie gegen die San Jose Sharks. Bei den Kaliforniern ist Timo Meier tätig, der Powerflügel ist allerdings kein Thema für die WM, da er vor der Unterschrift eines äusserst lukrativen Vertrages steht. Neben den Arrivierten setzt Fischer auf fünf WM-Neulinge, unter ihnen auf den 18-jährigen Verteidiger Janis Moser und den 19-jährigen Center Philipp Kuraschew.

«Wir sind sicher nicht die grösste Mannschaft, aber schnell und trickreich», sagte Fischer. «Ich bin sehr zufrieden. Wir verfügen über drei Top-Goalies, die Verteidiger haben die Fähigkeit, einen guten ersten Pass zu schlagen, was für uns wichtig ist, und vorne haben wir viele Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Die fehlenden Kilos müssen wir mit Schlauheit und Geschicklichkeit wettmachen.»

Erster Gegner ist am Samstag Italien. Somit treffen die Schweizer zum fünften Mal hintereinander zum Auftakt auf einen der beiden Aufsteiger. In den letzten vier Jahren gelang es ihnen nie, die volle Punktzahl zu holen - 2015 gegen Österreich (3:4 n.P.) und 2016 gegen Kasachstan (2:3 n.P.) setzte es gar Niederlagen ab. Die Schweizer sind also gewarnt. Danach bekommen sie es mit Lettland (Sonntag), Österreich (Dienstag) und Norwegen (Mittwoch) zu tun, also mit tiefer eingestuften Teams. Der Start wird also von enormer Wichtigkeit sein.

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