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Das ist Del Curtos grösste Baustelle

Der HC Davos befindet sich in in einer leistungsmässigen Krise. Die Statistiken von Swiss Ice Hockey zeigen, wo die Probleme liegen.

Tobias
Kreis
Mittwoch, 10. Oktober 2018, 07:07 Uhr Eishockey
HCD-Trainer Arno Del Curto hat mit dem HC Davos noch eine Menge Arbeit vor sich.
COLLAGE SO

Drei Siege aus acht Partien. Der Saisonstart des HC Davos war schlecht, keine Frage. Die Punkteausbeute alleine gibt aber wenig Anlass, ein so negatives Bild zu zeichnen, wie es aktuell teilweise getan wird.

Nur: Grund für die kritischen Stimmen ist nicht vordergründig der 10. Tabellenrang nach 8 von 50 Qualifikationsspielen, sondern das Auftreten des Teams. Wer zu den offiziell 4368 Zuschauern zählte, die am Samstag dem verlorenen Heimspiel gegen den EHC Biel (3:7) beiwohnten, konnte keinen Gefallen am Spiel der Gastgeber finden. Von der ersten Minute an kamen die Seeländer zu guten Abschlussmöglichkeiten. Nie hatte man das Gefühl, die Bündner könnten das Spiel gewinnen.

Wer nun Anders Lindbäck, der mit einer Fangquote von 89.59 Prozent deutlich unter dem Ligadurchschnitt (92.17%) liegt, als Inbegriff des Misserfolgs ausmacht, tut dem Schweden unrecht. Denn je näher vor dem Tor ein Schuss abgegeben wird, desto weniger Einfluss hat der Goalie auf den Output, sprich, ob der Puck im Netz zappelt oder nicht. Und gerade in dieser Hinsicht eröffnet sich nach den ersten acht Saisonspielen ein für den HCD wenig schmeichelhaftes Bild.

Schussdichte defensiv

GRAFIK MICHA HOFER/DATEN SIHF.CH

Das Bild zeigt, dass der HC Davos mehr Schüsse aus der Zone unmittelbar vor dem Tor zulässt als von der blauen Linie. Kommen die Schüsse aus der Nähe der blauen Linie, ist Goalie Lindbäck kaum zu bezwingen.

Wer schon etwas weiter runtergescrollt ist, wird es bereits festgestellt haben: Bei eigenen Offensiv-Aktionen schafft es der Schweizer Rekordmeister derzeit nicht, die Abschlüsse in Tornähe abzugeben – dort, wo die Chance am höchsten ist, dass der Schuss erfolgreich ist.

Schussdichte offensiv

GRAFIK MICHA HOFER/DATEN SIHF.CH

Erstaunlich ist, dass der HCD selbst im Powerplay mehr Schüsse aus der Nähe der blauen Linie abgeben muss als im Slot. Wer die Schussdichte-Grafik der Special Teams anschaut, findet kaum Unterschiede zu oben abgebildeten Daten bei nummerischer Gleichzahl.

Schussdichten in Powerplay (links) und Penalty Killing (rechts)

GRAFIK MICHA HOFER/DATEN SIHF.CH

Interessant in puncto HCD-Powerplay ist der Fakt, dass es mit einer Erfolgsquote von 21.74 Prozent das bislang erfolgreichste der Liga ist. Alle fünf Powerplay-Treffer fielen indes nach Schussabgabe von deutlich näher vor dem Tor als von der Zone der häufigsten Schussabgabe.

Mit 75.86 Prozent erfolgreichem Unterzahlspiel halten die Bündner derweil deutlich unter Liga-Durchschnitt (85.19 Prozent). Nur Lausanne ist in Unterzahl noch weniger effizient als der HCD.

Qualität x Quantität = Niederlage

Die Schussdichte-Grafiken sagen lediglich etwas über die Qualität einer Torchance aus. Darüber hinaus attestieren die Statistiker dem HCD mit durchschnittlich 28.5 eigenen Schüssen gegenüber 33.62 zugelassenen Schüssen auch quantitativ eine klar negative Bilanz. Potenziert mit der aufgezeigten Diskrepanz bei der Qualität der Chancen lassen sich die teilweise hohen Niederlagen der Bündner relativ gut nachvollziehen.

Will der HC Davos in absehbarer Zeit zurück in die Erfolgsspur finden, wird er nicht umhin kommen, entweder das Missverhältnis in der Qualität oder der Quantität der Chancen auszuräumen. Am besten beide. Klar ist: Den Spielern und Trainer Arno Del Curto wird die Arbeit in den kommenden Wochen nicht ausgehen.

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