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Die Abwechslung beglückt Bergläufer – und fordert sie

Das Besondere des «Schtolle Run» von Linthal nach Braunwald und zurück, hat sich herumgesprochen. Die Zahl der Teilnehmenden an diesem Samstag hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Südostschweiz
08.09.22 - 16:37 Uhr
Sport

von Jörg Greb

Als neue Trouvaille im Laufkalender wurde vor einem Jahr der «Schtolle Run» in Linthal gehandelt. Zu Recht, und der Grund ist einleuchtend: Etwas Vergleichbares gibt es kaum. Wie der Name sagt, führt ein prägender Teil der Strecke durch einen 600 Meter langen, 3 Meter breiten und 2,5 Meter hohen Wasser-Druckstollen entlang der über 100-jährigen Wasserleitung den Berg hoch. 1576 Treppenstufen sind dabei zu bewältigen. Das Stollen-Abenteuer beginnt nach wenigen Laufminuten. Und weil keine Lichtquelle vorhanden ist, ist eine Stirnlampe obligatorisch. Zusätzlich prägend: Es ist nass, kühl, eng und steil. 300 Höhenmeter gilt es unter Boden zu bewältigen. Von «einem einzigartigen Laufgefühl», schwärmten letztes Jahr nach der Premiere Läuferinnen wie Läufer. Und verbunden waren damit garantiert hohe Pulswerte, brennende Oberschenkel und intensives Atmen.

Grosse Namen und neue Sieger

Zur Attraktivität des «Schtolle Run» mit seinen 8 Kilometern und den je 550 Meter Steigung und Gefälle trägt die Streckenführung nach dem «Wiederauftauchen aus dem Schtolle» bei. Über abwechslungsreiche Trails geht es zuerst weiter hoch bis auf knapp 1200 Meter Höhe. Dann coupiert und bald über den steilen Wanderweg hinunter. Dieser Abschnitt fordert ebenfalls, nur ganz anders: andere Muskelpartien und die Konzentration mit dem achtsamen Aufsetzen des Fusses bei jedem Schritt. Ist die Talebene in Durnagel erreicht, heisst es nochmals umstellen: nun auf zügiges, praktisch, Ebenauslaufen entlang der Linth zurück zum Ausgangspunkt in Linthal.

Auffallend ist beim Studium der diesjährigen Startliste, wie viele der Premieren-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sich erneut angemeldet haben. Und auch Klasse kündigt sich wieder an. Zwar müssen die beiden letztjährigen Sieger – das Niederurner Paar Janis Gächter und Paula Gross – wegen anderweitiger Verpflichtungen verzichten. Dennoch ist für Spannung gesorgt. Mohammad Alizada Noor ist bei den Männern als Favorit herauszuheben. Der letztjährige Zweite aus Filzbach freut sich ganz speziell auf sein Rennen. Mit einem Lachen sagt er: «Wenn Janis nicht dabei ist, habe ich eine grössere Chance auf einen Platz ganz oben auf dem Podest.»

Fragen zum Hinunterlaufen

Den Erwartungsdruck dämpft Noor jedoch. Bei der Glarner Berggeiss am vorletzten Freitag musste er aufgrund einer starken Erkältung verzichten. Seine ursprüngliche Planung mit dem Ticino Marathon Anfang Oktober hat er wegen dem Trainingsrückstand begraben. Noor sagt: «Meine Form ist nicht wie gewünscht.» Dies auch darum, weil er bei seiner Lehre als Hauswart gefordert ist. Der «Schtolle Run» soll Mohammad Noor nun Anhaltspunkte liefern, wo er steht. Ob er den Zeitvergleich mit dem letzten Jahr allerdings 1:1 heranziehen wird, lässt er offen. Vielmehr sagt er: «Mir bereitet die Wetterprognose Kopfzerbrechen.»

«Bei nassem Boden wird das schnelle Hinunterlaufen zur echten Prüfung.»

Mohammad Alizada Noor, Lanstreckenläufer aus Filzbach

Der angesagte Regen veranlasst ihn dazu. «Bei nassem Boden wird das schnelle Hinunterlaufen zur echten Prüfung», so Noor. Auf das Suchen der Balance zwischen Forcieren und kontrolliertem Risiko wird es ankommen. Rutschen und Ausgleiten will Noor vermeiden. Letztes Jahr bei Topwetter spielte diese Komponente eine weniger zentrale Rolle. Auch bei den Frauen hegt die letztjährige Zweite die Absicht, es ganz nach oben auf dem Siegerpodest zu schaffen: die Zürcherin Fiammetta Troxler.

Verdoppelung der Meldezahl

Voller Freude blickt Initiator und Organisator Alexander Keller Richtung Wettkampftag. «Offenbar hinterliess die Erstaustragung gute Erinnerungen», sagt er. Der Anteil der erneut Antretenden ist beachtlich. Und hinzugekommen sind viele, die sich erstmals an «den Abenteuerlauf» wagen – sei es in der Kategorie Running oder Walking. So kann Keller hervorstreichen: «Wir freuen uns über eine Verdoppelung des Teilnehmerfeldes.» Waren es letztes Jahr 70 Klassierte, die sich an die anspruchsvolle Aufgabe wagten, sind es Stand Mittwoch 158. Bis diesen Freitagabend, 20 Uhr, besteht die Möglichkeit für Kurzentschlossene, sich noch anzumelden. Um der Enge des Stollens und der Trail-Wege gerecht zu werden, erfolgt der Start in sechs überschaubaren Blöcken von rund 30 Läuferinnen oder Läufern.

Aus verblüffend grosser Distanz reisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Das Besondere in Kombination mit dem familiären Rahmen zieht. Und als besonders attraktiv hat sich auch die «Schtolle-Run-Party» im Anschluss ans Rennen herumgesprochen, mit Siegerehrung, kulinarischem und musikalischem Angebot. In diesem Jahr spielt die Glarner Bluesrockband Blue Velvet auf.

 

«Stolle Run», Samstag, 10. September. Weitere Infos unter www.coco.swiss/de/berglauf

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