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«Chreis4» besucht Davos

Der Golf Club «Chreis4» ist unter den Schweizer Golfenden hoch im Kurs. Seine aus dem üblichen Rahmen fallenden Turniere, wie das kürzlich auf der «Matta» abgehaltene, bewegen so manch einen oder manch eine, diesem Club ergänzend beizutreten.

Davoser
Zeitung
06.09.22 - 16:39 Uhr
Sport
Miro Waldvogel golft trotz eines körperlichen Handicaps.
Miro Waldvogel golft trotz eines körperlichen Handicaps.
zVg/Michael Kindermann

In einer Welt, in der das «Normale» allgegenwärtig ist, erscheint das «Anormale» mitunter als spannende Alternative. Mit 72 Akteuren war das Kontingent hinsichtlich eines Kanonenstarts gefüllt. Exakt um 13 Uhr wurde auf allen Tees abgeschlagen. Einmal mehr bescherte der Davoser Sommer beste Wetterbedingungen, die sich gar über das Turnier hinaus behaupten sollten, sodass dem Apéro auf der Terrasse des Restaurants Bräma kein himmlisches Ungemach in die Quere kam.

«Don’t be to sane, play hard, loaf easily»

So lautet das Motto im «Chreis4» und will sagen: Sei nicht zu vernünftig, spiele hart, bleibe trotzdem leichtfüssig. Tönt schon schräg, oder? Es scheint, dass es sich hierbei exakt um jenes Elexier handelt, das den üblichen Golfrahmen sprengt und letztlich Anreiz schafft, mal hinter diese anders gelagerte Golfkulisse zu blicken. Die freundschaftliche Stimmung in den Flights sorgte für augenscheinliche Lockerheit und auffallend viel Gelächter: Allerorten waren Rufe der ausgelassenen Freude zu vernehmen, und dank der Spielform «Scramble» (das Team schlägt jeweils von der besten Ball-Lage ab) stand hervorragenden Resul­taten trotzdem nichts im Weg.

Runde des Lebens

Das Davoser Team mit Michael Illi, Stephan Koeferli, Nataliya Wasescha und Esther Heldstab spielte gemäss eigener Aussage «die Runde ihres Lebens». Sie lochten nach 18 Löchern acht Schläge unter Par ein, nach Abzug ihrer Vorgabe erreichten sie gar 46 Nettopunkte. Was für eine Leistung! Der höchstdotierte Preis bei diesem Turnier, so will es die Tradition, erhält nicht das Siegerteam, sondern dasjenige, das auf dem vierten Platz landet – all die vor- oder nachfolgenden Plätze interessieren hier niemanden, geht es um die clubinterne Ehrung. Mit 50 Punkten netto erreichte diesen angestrebten vierten Rang das Team mit Tobias Gut, Beat und Stephanie Ehrensberger sowie Astrid Gut.

Wenn Sport hilft

Wissentlich oder unwissentlich starteten alle Teams für einen ehrenbaren Zweck. Für jeden erspielten Birdie erhielt Miro Waldvogel 44 Franken Sponsoring. Miro ist körperlich eingeschränkt, und Golfen ist seine Passion. Erfreulicherweise kommt er mit seinem körperlichen Handicap (Zelebralparese) golferisch bestens zurecht. Er spielt den Ball mit einem Arm: «Sport ist mein Leben und Golf definitiv im erweiterten Sinne ein Sport für Einarmige. Wenn ich den Ball sauber treffe, kann ich genauso gut spielen wie jeder andere.» Was für ein Kämpferherz!

55 Birdies für Miro

Nun, diese auf dem Platz generierte Unterstützung hilft ihm, Trainerstunden zu nehmen und zu Turnieren zu reisen. Die 55 gespielten Birdies nahm er dankend an – das Siegerteam steuerte mit 9 Birdies viel dazu bei. Da niemand die Putting Competition auf der Terrasse vom Bräma gewann, wurde der Preis, eine Dreiliter-Flasche Rotwein, für Miro versteigert. Der erste Bieter ging dabei so hoch hinaus, dass es keine Nachbieter mehr gab und so für Miro ein schöner Batzen für seine sportlichen Vorhaben zustande kam.

After-Golf-Party

Wer hart spielt und trotzdem seine Leichtfüssigkeit behält, der oder die bleibt frisch und offen für das Danach. Es handelt sich bei dieser Spezies kaum um Kinder der Traurigkeit. Nach dem Hauptgang des Dinners war es soweit: Nahezu alle Teilnehmenden sprangen bei den ersten Tönen des Kulturministers des «Chreis4» – was hier so viel wie DJ bedeutet – auf die Tanzfläche. Erst nach einer herrlich beschwingten Zeit, Mitternacht hinter sich lassend, schien die Luft mehr oder weniger raus zu sein – ein paar Tausend zusätz­liche Schritte zur Golfrunde gab es hier definitiv zusätzlich auf der Tanzfläche.

Auszug aus der Rangliste

Netto: 1. Michael Illi, Stephan Keoferli, Nataliya Wasescha und Esther Heldstab, 46; 2. Roger Frei, Kurt Haug, Patricia Edelmann und Angela Meier, 49; 3. Bruno Schuler, Joel Strasser, Matthias Fellner und Andreas Walther 49; 4. Tobias Gut, Beat Ehrensberger, Astrid Gut und Stephanie Ehrensberger, 50.

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