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Aita Gasparin auf den Spuren ihrer Schwestern

Während die Leistungsträger des Schweizer Biathlon-Teams am ersten WM-Wochenende in Nove Mesto (Tschechien) nicht zu überzeugen wussten, betrat eine Zukunftshoffnung zum ersten Mal die grosse Bühne. Im Alter von exakt 19 Jahren gab die Bündnerin Aita Gasparin ihr WM-Debüt.

Südostschweiz
Mittwoch, 13. Februar 2013, 17:00 Uhr
Die Bündner Biathletin Aita Gasparin.

Biathlon. – Die Jüngste der drei Gasparin-Schwestern wurde von ihrer WM-Selektion überrascht. Zuerst war ihr von den Verantwortlichen noch gesagt worden, dass sie nicht nach Tschechien fahren würde, doch am Sonntag vor den Titelkämpfen bekam sie den Anruf, dass ihr der vierte und letzte Platz im Frauen-Team zugesprochen wurde.

Dank guten Leistungen an den Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften in Obertilliach (Österreich) wurde Aita Gasparin der 21-jährigen Irene Cadurisch vorgezogen, die wegen einer erst kürzlich abgeschlossenen Ausbildung zur Grenzwächterin einen zu grossen Trainingsrückstand aufgewiesen hatte.

«Es war kein optimales Rennen»

Zu ihrem ersten Einsatz an Elite-Weltmeisterschaften kam Aita Gasparin am vergangenen Samstag, an ihrem 19. Geburtstag. Als zweitjüngste Athletin startete sie im Sprintrennen, das mit einer äusserst anspruchsvollen Streckenführung nicht auf sie zugeschnitten war. Nach je einem Fehler im Liegend- und im Stehendschiessen erreichte sie den 94. Platz unter 113 klassierten Athletinnen. Damit war sie nicht zufrieden: «Es war kein optimales Rennen.»

Sie ist sich aber bewusst, dass es für sie in diesem Rennen primär darum ging, Erfahrungen zu sammeln. Ihre Hauptaufgabe folgt am Freitag mit dem Einsatz im Staffelrennen. Der Verband hofft, dass die Frauen mit einer soliden Leistung den Top-20-Platz in der Nationenwertung halten können, damit die Schweiz an den Olympischen Winterspielen in Sotschi letztlich vier Startplätze statt nur einen beanspruchen könnte. «Ich werde in der Staffel alles geben für das Team und für das Land», sagt Aita Gasparin. Neben der ebenfalls erst 19-jährigen Patricia Jost besteht das Quartett aus Aitas älteren Schwestern Selina (28) und Elisa Gasparin (21).

Familie und Wohlbefinden

Für die Jüngste ist das eine spezielle Situation: «Zum einen will ich es besonders gut machen, wenn die Schwestern dabei sind. Aber anderseits weiss ich auch, dass sie mich trösten würden, falls es nicht so gut laufen würde.» Dass die Gasparins zu dritt im Weltcup unterwegs sind, das hatte es vor dieser Saison noch nicht gegeben. Zusammen quasi als Familie in einem Hotelzimmer zu leben, sei ungemein gut für das Wohlbefinden, meint Aita, die als Einzige noch bei den Eltern in Pontresina lebt.

Obwohl diese die Weltmeisterschaften zuhause vor dem Fernseher verfolgen, gefällt es der jüngsten Tochter gut in Nove Mesto. Die Stimmung in der Vysocina Arena, die während der Sprintrennen von 21 000 Zuschauern besucht wurde, habe sie beeindruckt. Ebenso, dass sie im Stadion und auf den Strassen erkannt wurde und bereits Autogramme verteilen durfte. «Das ist schon speziell», sagte die Engadinerin. Einen Nachteil hat die ehrenvolle WM-Teilnahme für sie: «Seit dem 26. Dezember war ich nur zwei Mal 40 Stunden zuhause. Eigentlich hatte ich mich schon darauf gefreut, zwei Wochen mit meinen Freunden verbringen zu können.»

Doch seit sie sich dem Biathlonsport verschrieben hat, bleibt ihr nur wenig Freizeit – erst recht, weil sie parallel zum Sport in Samedan das Gymnasium besucht. Dort hat man viel Verständnis für ihre Tätigkeit und erlaubt ihr, die letzten zwei Schuljahre auf drei Jahre (bis Sommer 2014) zu verteilen. Obwohl die älteren Schwestern es ihr vorgemacht hätten, sei ihr Entscheid für den Biathlon nicht von Anfang an festgestanden. In jüngeren Jahren hatte Aita auch Langlauf und Geräteturnen betrieben – und nebenher noch Klavier gespielt.

Entscheid musste her

Wegen ihrer Vielseitigkeit sei sie an einen Punkt gekommen, an dem sie sich von sich aus auf eine Betätigung beschränken und spezialisieren wollte. Da halfen Selina und Elisa etwas nach, indem sie Aita auf die Firmung ein Gewehr schenkten. Biathlon zog sie dann von Anfang an in den Bann: «Mich fasziniert das Spiel der Gegensätze Laufen und Schiessen. Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit treffen auf Konzentration und totale Ruhe.» Auch wenn sie ihre Zukunft nach der Matura noch nicht konkret geplant hat, würde es sie reizen, es wie die Schwestern als Profi-Biathletin zu versuchen.

Der Aufbau soll aber behutsam fortgeführt werden. Auch wenn sie gute Grundlagen besitzt, dauert es seine Zeit, bis die Lauf- und die Schiessfähigkeiten ausgereift sind. Darum wird Aita in den kommenden zwei Saisons altersgemäss bei den Juniorinnen eingesetzt. Trotz der Rückkehr Cadurischs sind aber gerade in der Staffel weitere Auftritte im Weltcup möglich. «Wir werden sie aber auf keinen Fall verheizen», sagt Nationaltrainer Steffen Hauswald. (drd)

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