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Graubünden wollte nicht, jetzt sind noch Stockholm und Mailand im Rennen

Stockholm/Are oder Mailand/Cortina? Das Internationale Olympische Komitee entscheidet am Montag in Lausanne, wo die Olympischen Winterspiele 2026 ausgetragen werden. Auch die Schweiz und Graubünden hatten einmal eine Kandidatur ins Auge gefasst.

Südostschweiz
Montag, 24. Juni 2019, 06:00 Uhr Olympische Winterspiele 2026
IOC-Präsident Thomas Bach posiert in Lausanne mit Angehörigen der schwedischen Delegation
IOC-Präsident Thomas Bach posiert in Lausanne mit Angehörigen der schwedischen Delegation
KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Am Schluss waren es nur noch zwei. Die Zahl von einst sieben möglichen Bewerbern für die Austragung der XXV. Olympischen Winterspiele schrumpfte in den vergangenen Monaten kontinuierlich, so dass den gut 80 stimmberechtigten IOC-Mitgliedern am Montag nur noch zwei Kandidaturen zur Auswahl stehen: Stockholm, der Gastgeber der Sommerspiele 1912 und der Reit-Wettkämpfe 1956, mit dem Skiressort Are sowie Mailand mit Cortina d'Ampezzo.

Auch Swiss Olympic hatte eine Kandidatur ins Auge gefasst. Sion sollte für die Endausmarchung ins Rennen gehen, nachdem eine Bündner Bewerbung wie schon für die Winterspiele 2022 an einer kantonalen Volksabstimmung gescheitert war. Doch auch das Projekt Sion 2026, zu dem auch die Kantone Freiburg, Bern, Waadt und Graubünden gehörten, wurde an der Urne verworfen. Knapp 54 Prozent der Walliser Stimmbevölkerung lehnten vor gut einem Jahr einen Kredit von 100 Millionen Franken ab.

Die Schweizer Olympia-Befürworter dürften am Montag mit Wehmut nach Lausanne schauen, wenn IOC-Präsident Thomas Bach kurz nach 18.00 Uhr den Sieger der Wahl bekanntgeben wird. Ein hiesiges Projekt hätte durchaus Chancen gehabt, um nach 1928 und 1948 (jeweils in St. Moritz) zum dritten Mal Olympische Spiele in die Schweiz zu holen. Dank der Austragung der Youth Olympic Games im Januar 2020 in Lausanne ist die olympische Bewegung immerhin noch nicht ganz erloschen.

Abkehr vom Gigantismus

Dank der Einführung der Agenda 2020 wurde von Seite des IOC dem Gigantismus vergangener Winterspiele Einhalt geboten, die finanziellen Risiken und die ökologische Belastung für mögliche Gastgeber sind dank dieser gesunken, die Durchführung Olympischer Spiele dadurch erleichtert worden. Die Winterspiele 2018 in Pyeongchang erwirtschafteten entgegen den ursprünglichen Erwartungen sogar einen Gewinn von 430 Millionen Dollar.

Das Umdenken im IOC fand gezwungenermassen statt, scheiterten doch immer wieder Kandidaturen an der fehlenden Unterstützung durch Bevölkerung und Politik. Sowohl Österreich mit Graz und Schladming als auch Sapporo, der Ausrichter der Spiele 1972, zogen ihre Bewerbung für 2026 zurück, auch Calgary, die Olympiastadt von 1988, verzichtete auf eine neuerliche Bewerbung, nachdem sich die Bevölkerung dagegen ausgesprochen hatte. Erzurum in der Osttürkei wurde vom IOC von der Liste gestrichen.

So blieben wie vor vier Jahren, als neben Peking nur die kasachische Stadt Almaty zur Wahl stand, mit Stockholm und Mailand zwei Städte übrig. «Es sind zwei Bewerber aus klassischen europäischen Wintersportländern, die eine Rückkehr zu den Wurzeln bedeuten», sagte der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach vor der am Montag beginnenden 134. IOC-Session. «Man kann ruhig schlafen, es wird einen guten Ausrichter für 2026 geben.»

Vor allem das schwedische Projekt setzt auf Nachhaltigkeit, von den erforderlichen zwölf Sportstätten existieren bereits neun. Die Bob-, Schlittel- und Skeleton-Wettbewerbe würden im lettischen Sigulda stattfinden, damit eine vorhandene Infrastruktur benützt werden könnte. Das Budget des Projekts beträgt nur 1,2 Milliarden Euro, laut den jüngsten Umfragen soll auch die Befürwortung in der Bevölkerung zugenommen haben. Prominente Botschafter sind Premierminister Stefan Löfven, Kronprinzessin Victoria und der ehemalige Eishockeyspieler Peter Forsberg.

Für die italienische Bewerbung, die im Evaluationsbericht des IOC favorisiert wird, geht neben dem italienischen Premierminister Giuseppe Conte auch das ehemalige Ski-Ass Alberto Tomba ins Rennen. Auch für Spiele in Mailand wäre die nötigte Infrastruktur bereits grösstenteils vorhanden, das Budget ist mit 1,4 Milliarden Euro nur unwesentlich höher. Zudem wird die Kandidatur von der grossen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Für Italien wären es nach den Winterspielen 1956 in Cortina und 2006 in Turin sowie den Sommerspielen 1960 in Rom die vierten Olympischen Spiele.

CS-CEO Tidjane Thiam steht zur Wahl als IOC-Member

Die drei Tage dauernde 134. IOC-Session behandelt neben der Vergabe der Winterspiele 2026 auch noch weitere Traktanden. Am Mittwoch geht die Wahl der neuen IOC-Mitglieder über die Bühne. Unter den zehn zur Wahl stehenden Kandidaten befindet sich auch Tidjane Thiam, seit Juli 2015 CEO der Schweizer Grossbank Credit Suisse.

Der 56-Jährige aus der Elfenbeinküste befindet sich in illustrer Runde. Ebenfalls zur Wahl stehen Erik Thohir, der Präsident des Nationalen Olympische Komitees Indonesiens, Besitzer der Philadelphia 76ers und bis 2018 Vorsitzender von Inter Mailand, sowie Laura Chinchilla, die ehemalige Staatspräsidentin von Costa Rica. Alle Kandidaten mussten sich einem Integritätscheck unterziehen. (sda/so)

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