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Wer folgt auf Paul Schnider?

Luca Tavasci, Vroni Forrer und Reto Keller stehen als Bündner Behindertensportler des Jahres zur Wahl. Eine Jury entscheidet, wer am 8. Juni an der sechsten Bündner Sportnacht im GKB-Auditorium geehrt wird.

Jürg
Sigel
Samstag, 02. Juni 2018, 04:30 Uhr Bündner Sportnacht 2018
Rey Keller, Luca Tavasci und Vroni Forrer stehen als Bündner Behindertensportler des Jahres zur Wahl.
COLLAGE SO

Zum fünften Mal wird an der Bündner Sportnacht auch der Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet. Die Skirennfahrerin Bigna Schmidt war 2014 die erste Siegerin. Es folgten Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler Jeremy Jenal, Madlaina Gaudenz (Schwimmen/Langlauf) und vor zwölf Monaten der Pistolenschütze Paul Schnider. Philipp Ruckstuhl, Geschäftsführer von Procap Grischun, freut sich, auch in diesem Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Als grösste Behindertenorganisation mit rund 3000 Mitgliedern ist dieser Event für Procap Grischun wichtig. Der Behindertensportpreis wird erneut von einer Jury vergeben. Dieser gehören Reto Crameri (Präsident Procap Grischun), Silvano Beltrametti (Ex-Skirennfahrer), Luana Bergamin (Plussport), Nadja Maurer («Südostschweiz») und Remo Dolf (Ex-Nachwuchs-Skirennfahrer) an. Das Gremium wird entscheiden, welcher der drei nominierten Kandidaten als Bündner Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet wird. Luca Tavasci aus Samedan ist bereits zum dritten Mal nominiert. Vroni Forrer und Reto Keller haben es zum ersten Mal auf die Nominationsliste geschafft.

Luca Tavasci aus Samedan hat 2010 begonnen, Mountainbike zu fahren. Danach ging es Schlag auf Schlag. Tavasci fährt nach wie vor auf dem Bike, er joggt, doch vor allem widmet er sich dem Langlaufsport. Im Trainingsstützpunkt Engadin-Nordic tätigte er schnell Fortschritte – zuerst in der Skatingtechnik, später auch in der klassischen Technik. 2016 wurde Tavasci von Plusport aufgenommen. Wettkampfmässig bestreitet der 24-Jährige internationale Wettkämpfe des IPC (International Paralympic Committee). Im vergangenen Winter resultierten im Weltcup die Ränge 16, 22 und 23. Höhepunkt für Tavasci, dessen Behinderung eine Aplasie (Nichtausbildung eines Organes) seiner linken Hand ist, waren in Pyeongchang die Paralympic Winter Games. Sein Bestresultat in Südkorea gelang dem Engadiner im Sprint KL mit Platz 11. Ferner klassierte er sich in den Rängen 14 (20 km) und 16 (10 km). Diese Leistungen sind allein deshalb bemerkenswert, weil Tavasci vor sechs Jahren an Lymphdrüsen-Krebs erkrankte. Tavasci gewann den Kampf. Seit 2017, fünf Jahre nach Schluss der Chemotherapie, gilt er als geheilt.

Vroni Forrers Sportart ist seit neun Jahren Rollstuhlcurling, und die 35-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Sie war Mitglied im Schweizer Nachwuchskader und durfte sich an Schweizer Meisterschaften schon über Gold, Silber sowie Bronze freuen. Vor zwei Jahren baute Forrer, die Mitglied beim Rollstuhlclub Chur und beim Curlingklub Flims ist, schliesslich ein neues Curlingteam auf, das unter dem Namen Flims/RC Chur bereits an zwei Schweizer Meisterschaften teilgenommen hat. Einen Titel holte die Equipe mit Skip Forrer bisher nicht. «Wir mischen erfolgreich im Mittelfeld mit», beschreibt Forrer die aktuelle Situation. Dort will sie sich allerdings nicht ewig aufhalten. Es ist ihr grösstes Ziel, mit Flims/Chur einmal die nationale Meisterschaft zu gewinnen. Im vergangenen Winter, an den Heim-Schweizer-Meisterschaften, verpassten Forrer und Co. als Vierte einen Podestplatz nur knapp. Mit nach wie vor intensivem Training – zweimal wöchentlich – sollen in Zukunft weitere gute Plätze erreicht werden. Das Team solle wachsen, sagt die in Trimmis wohnhafte Forrer, die wie alle im Team Paraplegikerin (querschnittgelähmt) ist.

Rey (Reto) Keller aus Valendas wanderte 1988 nach Kanada aus. 2006 kehrte er zurück in die Schweiz, und einiges hatte sich für den am 20. Juni 63 Jahre alt werdenden Keller verändert. 1986 hatte er sich nach einem Sturz am Berg eine Knie- und Venenverletzung zugezogen. Danach lebte er während 15 Jahren mit künstlichen Venen. 2003 folgte die Oberschenkel-Amputation. Die Zeit zwischen 2007 und 2011 (Knieverletzung mit Infekt nach einem Unfall, etliche Operationen) bezeichnet Keller als seine «härteste Zeit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen». Das hinderte den passionierten Bergsteiger aber nicht daran, grosse sportliche Leistungen zu erbringen. Mit einer selbst konstruierten Prothese erkletterte Keller nur ein Jahr nach der Amputation den Chaina Men Peak (Kanada). Heute führt Keller Sommer- und Wintertouren durch. Er ist Organisationsberater, Coach und Bergführer, nahm 2017 an der Grönland-Expedition teil. Bergsteigen, Langlauf- und Skitouren, Langlaufunterricht für Körperbehinderte – müde wird Keller nie. Seine positive Einstellung an andere Menschen weiterzugeben, liegt ihm am Herzen.

Alles Weitere zur Bündner Sportnacht 2018 unter suedostschweiz.ch/sportnacht

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