×

Funktionäre aus Leidenschaft

An der siebten Bündner Sportnacht wird am 8. Juni der Preis für den Funktionär beziehungsweise den Trainer des Jahres verliehen. Nominiert sind Luana Bergamin, Carl Frischknecht und Ruedi Niederer.

René
Weber
Samstag, 19. Mai 2018, 04:30 Uhr Bündner Sportnacht 2018
Von links: Ruedi Niederer, Luana Bergamin und Carl Frischknecht
YANIK BÜRKLI/THEO GSTÖHL

Am Freitag, 8. Juni versammelt sich die Bündner Sportszene im GKB-Auditorium in Chur, um den Nachfolger von Schwinger Armon Orlik als Bündner Sportler des Jahres zu feiern. Unabhängig, welcher der acht nominierten Kandidaten den Siegercheck erhalten wird, Luana Bergamin, Carl Frischknecht und Ruedi Niederer werden dem Gewinner am Galaabend der Bündner Sportfamilie persönlich gratulieren. Eigentlich müsste sich die Festgemeinde auch bei den drei für den Preis des Funktionärs/Trainers Jahres bedanken. Dieser wird von einer Jury vergeben, der Remo Cavegn (Präsident Bündner Verband für Sport) vorsteht und der neben Cavegn Stefan Caprez (Bündner Verband für Sport), René Weber (Leiter Sport «Südostschweiz»), Andrea Stadler (Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement), Thierry Jeanneret (Graubünden Sport) und Natalie Brägger (Migros Kulturprozent) angehören. Sie entscheiden, wer den vom Migros Kulturprozent alimentierten Preis erhalten und als Nachfolger des Klostersers Hans Markutt geehrt wird. Die drei Nominierten im Kurzporträt:

Luana Bergamin aus der Lenzerheide zählt seit Jahren zur ersten Funktionärsriege im Schweizer Behindertensport. Zum dritten Mal nach Sotschi 2014 und Rio de Janeiro 2016 orchestrierte sie im vergangenen März als Chef de Mission einen Schweizer Trip an die Paralympics. Und die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang wurden nicht zuletzt durch den Dreifach-Goldgewinn des Westschweizer Skirennfahrers Théo Gmür zum vollen Erfolg für die Schweizer Delegation. Bergamin stiess einst eher per Zufall zum Behindertensport. Während ihrer Studienzeit in Bern wurde ein Guide gesucht für blinde Skirennfahrer. Sie interessierte sich für ein ihr komplett unbekanntes, neues sportliches Betätigungsfeld. Bergamin fuhr dabei voraus und warnte ihren Partner vor etwaigen Problemstellen auf der Piste. Eine gleichermassen anspruchsvolle wie reizvolle Aufgabe für die Sportlehrerin und frühere alpine Skirennfahrerin, die in jungen Jahren beim Skiclub Lenzerheide als Nachwuchstalent gehandelt wurde. 2007 reichte es immerhin zum Start an der Universiade. Die grosse Karriere schaffte die Absolventin des Sportgymnasiums Davos indes nicht als Aktive, sondern später wie erwähnt auf Führungsebene. Chef de Mission ist dabei nur eine Aufgabe von Bergamin. Als Bereichsleiterin Sport und Entwicklung ist sie beruflich für den Schweizer Behindertensportverband Plusport im Einsatz. Bergamin setzt sich dabei vehement für eine vermehrte Beachtung des Behindertensports in der Schweiz ein. Und nichts spricht dagegen, dass sie das auch weiterhin mit vollem Engagement in verschiedensten Funktionen tun wird.

Carl Frischknecht ist seit Jahren einer der prägnanten Persönlichkeiten im Bündner Schützenwesen. Der 60-jährige Tomilser hat sich als Multifunktionär in Graubünden in den letzten Jahren einen glänzenden Namen gemacht. Gekrönt wurde die langjährige Laufbahn vor einem Jahr mit der Wahl zum Präsidenten des Bündner Schiesssportverbandes (BSV). Frischknecht hatte dieses Amt indes nicht gesucht. Der selbstständige Architekt HTL war von der Findungskommission jedoch früh als Favorit ausgemacht worden. Frischknecht beendete damit eine zweijährige Vakanz an der BSV-Spitze. Nach der Demission von Vorgänger Marcel Suter 2015 hatte Walter Burkhardt die rund 4900 Bündner Schützen interimistisch geführt. Frischknecht ist wie erwähnt ein Multifunktionär. Er war von 2002 bis 2010 im Vorstand des BSV. Und als Mitglied der Technischen Kommission 300 Meter Gewehr im Schweizerischen Schiesssportverband wirbelte er von 2014 bis 2017 auch auf nationaler Ebene. 2012 stand Frischknecht zudem als OK-Präsident des Kantonalfestes in Mittelbünden im Einsatz. Was macht für ihn die Faszination des Schiesssports aus? «Bei uns tritt der 15-Jährige gegen den 80-Jährigen zum Wettkampf an. Und danach werden die Geschehnisse beim gemütlichen Zusammensein analysiert.» Mit der Schaffung einer Geschäftsstelle hinterliess er im BSV erste Spuren vermehrter Professionalität. Und nach wie vor ist Frischknecht vor allem auch ein begeisterter Gewehrschütze. Mit dem Heimverein Tomils realisierte er mehrere Podestplätze am Schweizer Gruppenfinal. Zugunsten seiner Funktionärslaufbahn muss er indes als Aktiver am Schiessstand schweren Herzens etwas kürzertreten.

Ruedi Niederer für Hannes Guler, schrieb am 20. Oktober 1997 die «Bündner Zeitung». Die Ära von Guler als Präsident des Rennvereins Maienfeld/Bad Ragaz und damit als OK-Präsident der Maienfelder Pferderennen war nach neun Jahren zu Ende. Die Zeit sei gekommen, einem neuen Mann mit neuen Ideen Platz zu machen, erklärte Guler. Mit Niederer präsentierte er gleichzeitig seinen Nachfolger, der 1998 erstmals die Geschicke des Traditionsanlasses leitete. 20 Jahre später ist der 67-jährige Maienfelder – nach einer Pause von 2008 bis 2014 – noch immer beziehungsweise wieder im Amt. Als er vor vier Jahren als OK-Präsident mit seiner Crew wieder übernahm, stand der Event vor dem Aus. Niederer wehrte sich dagegen, kämpfte. Mit Erfolg. Die Behauptung, ohne ihn würde es die Pferderennen nicht mehr geben, ist nicht verbürgt, wohl aber die Wahrheit.

Schöne Renntage mit packendem Pferderennsport und Abertausenden Zuschauern auf dem Rossriet fielen in den ersten Teil von Niederers Amtszeit. Rennabsagen und finanzielle Wirren musste er in den letzten Jahren bekämpfen. Alles das hat der ehemalige Versicherungsfachmann «überlebt». Niederer behielt in stürmischen Zeiten kühlen Kopf. Er arbeitete stets unverdrossen weiter – immer und zu jeder Zeit im Ehrenamt. Möglich ist das nur, weil er auf die volle Unterstützung seiner Frau Sandra zählen kann. Der Event, der für Herrschaft und sogar den gesamten Kanton von grosser wirtschaftlicher und touristischer Bedeutung ist, ist Niederers Kind. Dass er für die Wahl als Funktionär des Jahres nominiert ist, freut den Maienfelder ungemein: «Es gibt viele andere Funktionäre, die das auch verdient hätten. Mir bedeutet diese Nomination jedenfalls sehr viel, sie ist eine Ehre.»

Alles Weitere zur Bündner Sportnacht 2018 unter suedostschweiz.ch/sportnacht

Kommentar schreiben

Kommentar senden