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Nicht ganz so wie Robin Hood

Am Sonntag sind sie schon wieder Geschichte: die Olympischen Spiele in Rio. Wir begeben uns auf den letzten Selbsttest in einer speziellen Sportart. Heute: Bogenschiessen.

Südostschweiz
Freitag, 19. August 2016, 16:54 Uhr Olympiablog Tag 15

Von Hera Zimmermann

Eigentlich war die Idee ja simpel: Wir stellen im letzten Teil unserer Olympiaserie Bogenschiessen vor. Gut, dachte sich wohl unser Chef und gleiste für uns die Schützen aus Passugg auf. Wir – also Kameramann Manuel Rupp und ich – begaben uns am besagten Abend dorthin. Dummerweise regnete es, unser Instruktor meinte sofort: «So ist Schiessen unmöglich.» Okay, dann warten wir eben ein Weilchen. Währenddessen wollte ich mit dem Instruktor ein wenig über Olympia plaudern, da stellte er plötzlich fest: «Nein, das was wir Schiessen, ist gar nicht olympisch! Wir schiessen auf (Plastik-)Tiere, haben andere Bögen usw. Da seid ihr bei uns an der falschen Adresse.»

Nachdem der Instruktor dann noch meinte, mit seinem Bogen könne ich als Frau sowieso nicht schiessen, war der Misserfolg perfekt.

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Wenigstens Kameramann Manuel durfte einen Schuss probieren. Sieht bei ihm schon richtig professionell aus. Bild Hera Zimmermann

Tag 2 – neues Glück?

Endlich – wir sind bei den richtigen Schützen gelandet. Der Bogenschützen Club Chur wird mich ins olympische Bogenschiessen einweihen. Ob das gut geht? Schliesslich bin ich blutige Anfängerin. Wir treffen uns im Trainingszentrum in Bad Ragaz. Fünf Meter Distanz – sollte zu machen sein.

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Die Einschusslöcher sind dann nicht nur von mir! Die Pfeile hingegen schon. Screenshot

Direkt in den blauen Rahmen getroffen. Hui! Mein Instruktor, Präsident Roger Walzer, ist mit der ersten Leistung ganz zufrieden: «Man sieht beim Bogenschiessen relativ schnell erste Erfolge.» Wir erweitern die Distanz – aufs Dreifache! Mittlerweile merke ich ein Ziehen in den Armen. Was wie in den Robin-Hood-Filmen locker aussieht, ist bemerkenswert anstrengend. Die eine oder andere Schweissperle zeigt sich auf meiner Stirn.

Peilen, ziehen, loslassen – und Schuss auf die Tafel. Die Challenge hat geklappt, mein heutiges Ziel habe ich erreicht.

Beim Gedanken an den Abstand, mit welchem die Olympioniken schiessen, muss ich wirklich meinen Respekt aussprechen. Mit bis zu 90 Meter Distanz treffen sie in die Mitte der Tafel!

Nach meiner ersten Lektion im Bogenschiessen ziehe ich ein sehr positives Fazit: Es macht nämlich viel mehr Spass als gedacht. Ist dafür aber auch viel anstrengender als gedacht.

Im Olympiablog halten wir jeden Tag einen Aspekt zum olympischen Geschehen in Rio fest: Wir lassen ehemalige Teilnehmer aus der Südostschweiz zu Wort kommen, stellen Sportarten vor, die bei uns nicht so bekannt sind oder berichten über unseren persönlichen Bezug zu einzelnen Disziplinen. Bei uns gibt es täglich ein Stück Olympia der besonderen Art.

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