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Überraschende Titel für Noël Studer und Laura Stoeri

Noël Studer sorgte in Flims für eine der grössten Überraschungen in der jüngeren Schweizer Schachgeschichte. Der 19-jährige Berner holte als Startnummer 5 des Herren-Titelturniers den Schweizer-Meister-Titel, Topfavorit Yannick Pelletier musste sich mit Bronze zufrieden geben. Bei den Damen siegte unerwartet die als Nummer 4 gestartete Laura Stoeri.

Südostschweiz
Freitag, 15. Juli 2016, 20:30 Uhr Schweizer Schachmeisterschaften in Flims
Pierluigi Schaad (Chur) sorgte mit seinem 6. Rang im Hauptturnier II für das beste Bündner Resultat an den Schweizer Schachmeisterschaften in Flims. Pressebild

Von Markus Angst

Den Titel und gleichzeitig auch den Sieg im Herren-Titelturnier sicherte sich Noël Studer mit einem harterkämpften Schwarz-Erfolg nach 49 Zügen in der letzten Runde gegen Schlusslicht Alexandre Vuilleumier. Währenddessen musste der nach acht Runden mit Studer punktgleiche Yannick Pelletier gegen Sebastian Bogner nach 32 Zügen in ein Remis einwilligen. Bogner beendete das Turnier auf Rang 2. Wegen der noch fehlenden Niederlassungsbewilligung C war Bogner aber nicht titelberechtigt

Mit 19 Jahren und neun Monaten ist Noël Studer der jüngste Schweizer Meister seit 1969, als der Berner André Lombard im Alter von 18 Jahren und neun Monaten seinen ersten von insgesamt fünf Titeln holte. Um ein Haar wäre Studer bei seiner ersten Teilnahme in einem Herren-Titelturnier auch gleich noch Grossmeister geworden. Doch wegen der Niederlage in der vorletzten Runde gegen Roland Lötscher verpasste er seine dritte und letzte GM-Norm um einen halben Punkt – was er jedoch locker verschmerzte: «An einer Schweizer Meisterschaft will ich primär Schweizer Meister werden. Den Grossmeister-Titel kann ich später immer noch holen.»

Lötscher drehte auf, Déja-vu für Pelletier

Ebenso überraschend wie Noël Studers Sieg ist Roland Lötschers zweiter Rang einzustufen. Zwar deutete der 34-jährige Entlebucher, der lediglich die Nummer 7 der Startrangliste war, bereits bei seinem ersten Herren-Titelturnier in Bern vor zwei Jahren sein Potenzial an. In Flims startete er jedoch mit einem Punkt aus den ersten vier Runden (je zwei Remis und Niederlagen) bescheiden, ehe er mit 4,5 Punkten aus den restlichen fünf Runden mächtig aufdrehte.

Yannick Pelletier hingegen erlebte in Flims ein Déja-vu: Wie vor vier Jahren an gleicher Stätte verpasste er den Titel wegen einer Niederlage gegen den Aussenseiter Markus Klauser, der Achter wurde.

Das Hauptturnier I wurde einmal mehr eine Beute des topgesetzten französischen Christian Bauer. Bester Schweizer wurde Roland Ekström als Sechster, bester Bündner Dario Bischofberger als 37. Als überraschend beste Schweizerin holte Laura Stoeri den Damentitel vor der einen halben Punkt zurückliegenden Lena Georgescu und der einen ganzen Punkt Rückstand aufweisenden Favoritin Gundula Heinatz.

Beinahe wäre Laura Stoeri Doppelmeisterin geworden. Doch Patrik Grandadam gewann den Stichkampf um den Juniorentitel und wurde wie im Vorjahr U20-Meister. Junioren-Bronze ging an Fabian Bänziger. Der grosse Favorit Davide Arcuti musste mit Rang 4 Vorlieb nehmen.

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