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Ab heute bin ich Schülerin

Nach sieben Wochen Sommerferien geht der Ernst des Lebens für Bettina los: Die Siebenjährige kam heute in die Erste Klasse. Für «suedostschweiz.ch» gibt sie einen Einblick in ihren Tag.

Victoria
Sutter
21.08.17 - 20:14 Uhr
Leben & Freizeit

Sonntag, 20 Uhr: Der Schulthek ist gepackt, die Kleider sind rausgelegt, die Nervosität steigt immer mehr. Denn morgen geht es los: Endlich komme ich in die Schule! Ich freue mich schon lange darauf - vor allem aufs Lesen.
Ich weiss ja noch nicht wirklich, was mich erwartet. Aber es ist etwas Neues und meine Familie freut sich, dass ich nun in die Schule gehen werde. Also muss es ja toll sein, oder?
Aber einige Sachen weiss ich schon: Es wird Bücher haben und ich werde Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Am meisten freue ich mich aufs Lesen, bis jetzt schaue ich in meinen Büchern nur die Bilder an. Abends liest mir meistens Mama noch das Geschriebene vor. Auch aufs Malen freue ich mich: Wir müssen extra ein Hemd mitnehmen, dass dreckig werden kann, da wir mit Wasserfarben malen werden. Ich habe aber auch Farbstifte und Filzstifte in meinen Schulthek gepackt.
Meine Kleider für morgen sind auch schon parat, ich werde mein rosarotes Röckchen tragen mit meinen Lieblingsschuhen - den rosaroten Turnschuhen, die beim Gehen aufleuchten.

Nun muss ich langsam zu Bett, morgen um 8.45 Uhr muss ich in der Schule sein - ich bin so aufgeregt! Mama muss mich praktisch ins Bett zwingen...

Montag, 7.30 Uhr: Mama weckt mich. Mit einem Schlag bin ich hellwach - der Tag beginnt! Heute gehe ich zum ersten Mal in die Schule! Ich bin sehr nervös...aber offenbar sind Mama und meine grosse Schwester auch nervös, sie huschen die ganze Zeit um mich herum, schauen, dass ich mich anziehe, frühstücke und Zähne putze. Grossen Hunger habe ich aber nicht, ich habe so ein komisches Gefühl im Magen...ob ich wohl krank werde? Meine Schwester versichert mir, dass das nur die Aufregung und die Nervosität sind.

Damit ich weniger nervös bin, schenkt sie mir einen Glücksbringer. Es ist ein Frosch, mit einem Kleeblatt auf dem Bauch. Diesen hängen wir direkt an meinen Schulthek, damit ich ihn in der Schule immer bei mir habe.

Montag, 8.30 Uhr: Nun muss ich die Schuhe anziehen und los geht's! Ich könnte Hüpfen vor Freude! Was heisst ich könnte, ich mache es! Ich hüpfe durch die ganze Wohnung, ich hüpfe im Gang und im Lift, bis Mama meine Hand nimmt und mit mir zur Schule geht.
Ich habe einen kurzen Schulweg: Aus dem Haus raus, die Treppe runter, über den Fussgängerstreifen («Links luaga, rechts luaga, laufa!») und dann bin ich schon dort angekommen. Meine Schwester sagt mir, dass die Schule «Lachen» heisst. Also wenn die Schule so heisst, muss es ja was Tolles sein - oder?

In der Schule angekommen, sehe ich viele Kinder - da ist ja Gian und dort Kian und dort Andrea - schon renne ich zu ihnen hin und wir spielen Fangis. Dann rufen uns aber unsere Eltern zurück, wir machen Fotos.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Mama, Papa und meine Schwester auch nervös sind. Sie strahlen über das ganze Gesicht, so wie ich, nehmen mich immer wieder in den Arm und sagen mir, wie stolz und glücklich sie sind und dass alles gut wird. Ich muss mir keine Sorgen machen. Ok, aber ich möchte wieder mit meinen Freunden spielen!

Montag, 8.45 Uhr: Es klingelt, wir gehen durch die grosse Eingangstür, hoch in den ersten Stock, wo unsere Lehrerinnen auf uns warten. Wir müssen die Schuhe aus- und die Finken anziehen und dann im Schulzimmer Platz nehmen. Die Lehrerinnen stellen sich vor, Frau Casutt sagt, dass sie eine komische Stimme habe, weil sie erkältet sei. «Ich auch!» rufe ich. Alle lachen. Dann spielen wir ein Kennenlern-Spiel: Wir gehen durch das Schulzimmer und singen «Guata Morga, hallo mitenand. Guata Morga, schön simer alli do!» Danach bleiben wir stehen und fragen denjenigen neben uns, wie er heisst und stellen uns selber vor.
Danach sitzen wir in einen Kreis und können von unseren Ferien erzählen, bevor wir uns den Buchstaben widmen. Wir lernen, dass einzelne Buchstaben spezielle Mundformen haben, also offen und rund für ein «O», offen, rund und gespitzte Lippen für ein «U». Danach versuchen wir einige Wörter an der Tafel zu lesen.

Montag, 9.45 Uhr: Plötzlich ertönt eine laute Melodie. Es ist Pause. Wir können raus, unser Znüni essen und mit den Freunden spielen. Meine Familie fragt, wie es mir bis jetzt gefällt: «Schule ist cool, es ist viel besser als im Kindergarten!»
Leider müssen Mama, Papa, meine Schwester und alle anderen Familien jetzt gehen. Die Lehrerinnen wollen mit uns alleine sein.

Montag, 11.40 Uhr: Schon wieder klingelt es. Wir packen zusammen und gehen wieder in den Gang. Dort warten viele Eltern, allerdings nicht ganz so viele wie am Morgen. Ich schaue durch die Gesichter, bis ich Mama entdecke - sie strahlt und winkt mir zu. Ich ziehe meine Schuhe an und dann gehen wir nach Hause, Mittag essen. Nach dem Essen lege ich sofort mit meinen Hausaufgaben los. Wir müssen ein Bild für unseren Ordner zeichnen. Ich fange mit einer grossen Sonne an.

Anm. d. Red.: Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden in der Bildergalerie (siehe oben) nur Bilder verwendet, auf denen Bettina nicht erkennbar ist.

Was die Schule zu bieten hat...

...das weiss kaum ein Schüler, bevor er seinen ersten Schultag erlebt. Daher sind die meisten nervös und aufgeregt. Der 7-jährigen Bettina aus Chur ging es nicht anders. Das haben wir deutlich gemerkt, während wir sie durch ihre erste Schulerfahrung begleitet haben. Aufgeregt hüpfte sie umher und schwatze munter vor sich hin. Als das Mikrophon angeschaltet war, wurde sie ein wenig schüchtern, erzählte uns aber am Sonntagabend, dass sie sich vor allem aufs Lesen freue:

Am Montagmorgen war Bettina sichtlich nervös. Sie grinste aber trotzdem über beide Ohren und freute sich, dass es endlich losgeht. Sie habe gut geschlafen, auch wenn sie nicht von der Schule geträumt habe.

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Der Beitrag hat mir wirklich gut gefallen, er ist wirklich sehr liebevoll und nachvollziehbar geschrieben. Meine Kleine hat dieses Jahr auch ihr erstes Schuljahr. Sie ist schon jetzt ganz aufgeregt und kann es kaum erwarten. Wir haben schon seit Monaten den Schulthek Zuhause stehen. (Den hat sie sich ausgesucht https://www.koffer-schweiz.ch/de/schulrucksack-von-baggymax/schulrucksa… ) Sie läuft immer mit Schulthek im Haus rum und ist ganz stolz. Der erste Schultag ist für Kinder eben was ganz Besonderes 😊 !

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