Chancenloser Schurter in Paris: Trotz Defekt krönt sich der britische Topfavorit zum Olympiasieger
Am Ende hat Tom Pidcock die besten Nerven. Er setzt sich vor Silbermedaillengewinner Victor Koretzky und Bronzegewinner Alan Hatherly durch. Das Schweizer Duo geht leer aus.
Am Ende hat Tom Pidcock die besten Nerven. Er setzt sich vor Silbermedaillengewinner Victor Koretzky und Bronzegewinner Alan Hatherly durch. Das Schweizer Duo geht leer aus.
So lief das Rennen und so performte das Schweizer Duo:
Der Start ist in diesem technisch nicht so anspruchsvollen Mountainbike-Olympiarennen von Paris wichtig. Und dieser gelingt aus Schweizer Sicht. Schnell reihen sich Mathias Flückiger und Nino Schurter vorne ein und belegen früh schon die Ränge 4 und 5. Das Tempo ist von Beginn weg hoch. Alan Hatherly aus Südafrika führt das Rennen an. Zu Beginn nicht ganz vorne dabei: Goldfavorit Pidcock. Kurz darauf zeigt sich ein Bild, das man aus Schweizer Sicht gerne einrahmen würde: Flückiger führt das Rennen vor Schurter an.
Nach Runde 3 übernimmt aber Goldfavorit Pidcock das Tempodiktat. An seinem Hinterrad: Flückiger und Victor Koretzky. Und Schurter? Der Bündner muss ein wenig abreissen lassen. Aber nicht nur er hat Mühe, sondern auch alle anderen Fahrer mit Ausnahme des Franzosen Koretzky können nicht mithalten. Ist in Runde 3 bereits die Vorentscheidung um Gold und Silber gefallen?
Mitnichten. Diese Renngeschichte hat eine weitere Wendung bereit: Am Vorderrad fängt sich Pidcock einen Platten ein. Doch statt diesen sofort in der Technikzone flicken zu können, dauert das viel zu lange und der Brite muss doch einige Sekunden auf seine Mechaniker warten. Er verwirft die Hände und flucht. Ärgerlich für den Topfavoriten und Titelverteidiger.
Nach etwas mehr als der Hälfte zeigt sich ein klareres Rennbild. Während Koretzky alleine in Führung liegt, folgt Hatherly mit 13 Sekunden Rückstand auf Silberkurs. Danach taucht eine Sechsergruppe mit Flückiger und Pidcock auf, der sich nach seinem Platten wieder nach vorne gekämpft hat. Längstens aus dem Kampf um die Medaillen gefallen: Schurter. Der Bündner liegt nur noch auf Platz 9.
Vor der letzten Runde ist der grosse Zusammenschluss Tatsache. Pidcock und Hatherly schliessen zum führenden Franzosen auf. Weil der Italiener Luca Braidot bereits 15 Sekunden zurück liegt und Flückiger einige weitere Sekunden zurück auf Rang 5 folgt, ist klar: Der Brite, der Südafrikaner und der Franzose dürften am Ende auf dem Podest stehen. Doch wer macht sich zum Olympiasieger? In einem packenden Finale setzt sich Pidcock mit einem gewagten Manöver vor Koretzky durch. Dieses wird vom französischen Publikum nicht gut aufgenommen. Bei der Zieleinfahrt wird der nun zweifache Olympiasieger aus Grossbritannien gnadenlos ausgebuht. Hatherly aus Südafrika wird Dritter und holt Bronze. Die beiden Schweizer klassieren sich auf den Rängen 5 (Flückiger) und 9 (Schurter).
So war die Stimmung:
Unglaublich laut ist es am Streckenrand. Nochmals deutlich lauter als beim Rennen der Frauen vom Vortag. Nicht nur im Zielgelände, sondern vor allem auch in den Waldabschnitten, wo die Fans in mehreren Reihen unglaublich nahe an den Athleten dran sind. Zur guten Stimmung trägt auch bei, dass mit Koretzky ein Einheimischer das Rennen über weite Strecken anführt. Das tut den Athleten gut, die in dieser brütenden Hitze die laute Unterstützung gebrauchen können. Schurter hilft sich vor dem Rennen mit einer Kühlweste aus. Und auch andere Athleten kühlen den Kopf mit kaltem Wasser und den Oberkörper mit einem Eisbeutel.
Ebenfalls laut - aber aus negativer Sicht - ist es, als Sieger Pidcock über die Ziellinie fährt. Gnadenlos wird der Brite vom französischen Publikum ausgebuht. Grund dafür ist ein gewagtes Überholmanöver, das sich Pidcock gegen Lokalmatador Koretzky leistet.
Das fiel auf und gab zu reden:
Verpflegung muss geübt sein. Kurzzeitig streckt Schurter in der Verpflegungszone die Hand aus, bekommt aber den Bidon von seinem Betreuer nicht zu fassen und muss ohne Verpflegung in die nächste Runde. In den folgenden Runden klappts beim Schweizer Routinier besser. Dazu leistet er sich ein paar technische Fehler, die ihm sonst nicht passieren.
Bronzemedaillengewinner David Valero Serrano? Ja, da klingelt. was. An den Olympischen Spielen in Tokio schnappte der Spanier Schurter die Medaille weg und verwies den Bündner auf Rang 4. Dieses Mal wird Serrano kaum so weit vorne anzutreffen sein, vor allem auch weil er in Runde 3 kurzzeitig vom Rad absteigen muss.
Pidcock sieht wie ein sicherer Gold- oder zumindest Silbermedaillengewinner aus. Dann fängt er sich am Vorderrad einen Platten ein. Weil dies nahe bei der Technikzone geschieht, ist das nicht extrem schlimm. Doch das Malheur kostet deutlich mehr Zeit. Denn die britischen Mechaniker sind nicht bereit und Goldfavorit Pidcock muss warten. Trotzdem macht sich der Brite schliesslich zum zweifachen Olympiasieger.
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