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Strafrechtsprofessor hält Verwahrung für ungerecht

Strafrechtsprofessor Martino Mona fordert die Abschaffung der Verwahrung: Sie sei willkürlich und ungerecht gegenüber Verurteilten, die ihre eigentliche Strafe abgesessen hätten. «Man muss das gesamte Strafsystem grundlegend neu denken.»

Agentur
sda
15.10.22 - 02:16 Uhr
Blaulicht
Strafrechtsprofessor Martino Mona fordert die Abschaffung der Verwahrung: Sie sei willkürlich und ungerecht gegenüber Verurteilten, die ihre eigentliche Strafe abgesessen hätten. "Man muss das gesamte Strafsystem grundlegend neu denken." (Archivbild)
Strafrechtsprofessor Martino Mona fordert die Abschaffung der Verwahrung: Sie sei willkürlich und ungerecht gegenüber Verurteilten, die ihre eigentliche Strafe abgesessen hätten. "Man muss das gesamte Strafsystem grundlegend neu denken." (Archivbild)
KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Das Massnahmenregime in der Schweiz laufe «komplett aus dem Ruder», die Zahl der präventiv auf unbestimmte Zeit eingesperrten steige. «Die Verwahrung ist aber eine Reaktion auf die Tatsache, dass wir nicht hart genug strafen», sagte der Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Uni Bern im Interview mit den Tamedia-Zeitungen.

Hafturlaub etwa sollte es nicht mehr geben. «Die verdiente Strafe wird bis zum Schluss abgesessen», sagte der Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Uni Bern im Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Ginge es nach ihm, gäbe es bedingte Strafen nur noch im Bagatellbereich.

Gutachten «nichts als verkappte Hellseherei»

Die Mehrheit profitiere zwar von der Verwahrung - aber die «die tatsächlich in der Verwahrung sitzen, haben massivste Nachteile», da sie ohne Enddatum weggesperrt würden, so Mona. Diese Ungerechtigkeit werde nur akzeptiert, weil alle dächte, es werde sie nie treffen. Aber die Gutachten, die zur Beurteilung bei einer möglichen Verwahrung beigezogen werden, seien ungenau, zufällig und schlecht gemacht. «Nichts als verkappte Hellseherei», nennt Mona sie.

Er habe keine Bedenken, eine Täterschaft, der Verbrechen nachgewiesen worden sind, die Freiheit zu entziehen. Sicherheit könne durch eine angemessene Freiheitsstrafe geschaffen werden. «Aber alles, was darüber hinausgeht, basiert auf reiner Spekulation über vermeintliche zukünftige Delikte», so Mona. «Sicherheit ist weniger wichtig als Freiheit.» Vergehen durch Freigelassene müssten in Kauf genommen werden. «Das gehört zur Kriminalität, die es immer geben wird.»

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