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Angeklagte Männer in Moutier weisen Vorwürfe zurück

Im Prozess um mutmasslich unterdrückte Frauen im Berner Jura steht Aussage gegen Aussage. Die fünf angeklagten Männer vom Balkan haben die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor Gericht in Moutier zurückgewiesen.

Agentur
sda
09.11.22 - 17:24 Uhr
Polizeimeldungen
Die Angeklagten im Moutier-Prozess riskieren langjährige Freiheitsstrafen. (Symbolbild)
Die Angeklagten im Moutier-Prozess riskieren langjährige Freiheitsstrafen. (Symbolbild)
KEYSTONE/DPA/OLIVER BERG

Das Familienoberhaupt, ein 65-jähriger Mann, hatte bereits am Dienstag ausgesagt. Seine vier Söhne folgten am Mittwoch. Auch sie stellten die Ereignisse grundlegend anders dar als die vier Frauen, die zu Prozessbeginn ausgesagt hatten.

Den Männern wird zur Last gelegt, die vier Ehefrauen der Söhne jahrelang unter sklavenartigen Bedingungen gehalten zu haben. Die Frauen sollen von einer Schlepperbande in die Schweiz gebracht worden sein. Laut Anklageschrift wurden sie misshandelt und unterdrückt.

Vor Gericht gaben die Frauen an, sie hätten keinerlei Rechte gehabt. 2019 konnten sie fliehen. Dem Vater und seinen Söhnen werden unter anderem Menschenhandel, Zwangsheirat, Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen.

Die vier Söhne sind zwischen 26 und 38 Jahre alt. Sie sagten am Mittwoch in Abwesenheit der mutmasslichen Opfer aus. Einer der Männer warf den Frauen vor, sie hätten sich abgesprochen und beschlossen, alle dasselbe zu sagen.

«Frau und Mann sind gleich»

Vom Vorwurf, die Familie habe ihr Leben gemäss dem Kanun - einem mittelalterlichen Gewohnheitsrecht - organisiert, wollten sie nichts wissen. So etwas habe es nie gegeben, sagte einer der Söhne. «Die Frau und der Mann sind gleich, sie befinden sich auf der gleichen Ebene und haben dieselben Rechte.»

Er habe seine Frau geliebt, betonte ein anderer Sohn, der mittlerweile geschieden ist. Er habe wissen wollen, wohin sie gehe, damit er sich keine Sorgen machen müsse. Im Verlauf der Ehe habe es höchstens drei oder vier Streitereien gegeben.

Einer der Söhne sagte, er sei von seiner Frau geschlagen worden und habe sich nicht getraut, darüber zu sprechen. Er habe sich schwach gefühlt und geschämt. In der Nacht habe er schlecht geschlafen aus Angst, dass ihn seine Frau erwürgen könnte.

«Wollte nur das Beste»

Der Vater, der die jungen Frauen aus dem Balkan illegal in die Schweiz gebracht haben soll, hatte die Anschuldigungen bereits am Dienstag zurückgewiesen. Er habe stets nur das Beste für seine Schwiegertöchter gewollt und habe nie psychische oder physische Gewalt angewendet.

Die Klägerinnen hatten angegeben, sie seien zur Ehe und zu sexuellen Beziehungen gezwungen worden. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen die Männer während 15 Jahren für ein Klima des Terrors gesorgt haben. Das Urteil in dem Fall wird am 24. November erwartet.

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