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Mordfall Kuciak - Journalisten sind erschüttert über das Urteil

Die Vereinigung der Europajournalisten (AEJ) ist erschüttert darüber, dass der Unternehmer Marian Kocner, der als mutmasslicher Drahtzieher des Mordes am slowakischen Journalisten Jan Kuciak gilt, und die Mitangeklagte von einem Gericht freigesprochen worden sind.

Agentur
sda
Sonntag, 06. September 2020, 05:43 Uhr Bratislava
Ein Gericht in Bratislava hat den Unternehmer Marian Kocner vom Vorwurf freigesprochen, den Journalisten Jan Kuciak und seine Partnerin ermordet zu haben. Für den Europäischen Journalistenverband ist das Urteil unverständlich. (Archivbild)
Ein Gericht in Bratislava hat den Unternehmer Marian Kocner vom Vorwurf freigesprochen, den Journalisten Jan Kuciak und seine Partnerin ermordet zu haben. Für den Europäischen Journalistenverband ist das Urteil unverständlich. (Archivbild)
KEYSTONE/AP/Petr David Josek

«Wir müssen die Frage stellen, warum nicht mehr Beweise zusammengetragen wurden, und warum das Sonderpolizeiteam, das dieses schreckliche Verbrechen untersucht hat, vorzeitig aufgelöst wurde», erklärte die slowakische Sektion der Journalisten-Organisation. Es gebe gute Gründe für die Annahme, dass die Auftraggeber des Mordes ungeschoren davonkommen könnten.

Solange die Frage, wer Kuciak und seine Verlobte erschossen habe, nicht beantwortet sei, bleibe ein grosses Misstrauen gegenüber dem slowakischen Justizsystem. Die AEJ verwies darauf, dass in der Causa noch das Oberste Gericht ein abschliessendes Urteil sprechen müsse.

Der Mord an Kuciak hatte 2018 in der Slowakei landesweit für Erschütterung gesorgt und ein politisches Erdbeben ausgelöst. Die postume Veröffentlichung eines Artikels von Kuciak führte zu Massendemonstrationen gegen die Regierung in Bratislava und schliesslich zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico. Die Proteste ebneten zudem den Weg für die Wahl der Rechtsanwältin und Anti-Korruptions-Aktivistin Zuzana Caputova zur Präsidentin des Landes sowie von Igor Matovic zum Regierungschef.

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