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Früherer KZ-Wachmann zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein ehemaliger SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof ist in Deutschland zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Jugendstrafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig.

Agentur
sda
23.07.20 - 11:49 Uhr
Blaulicht
Ein 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof in einem Gerichtssaal in Hamburg. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Ein 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof in einem Gerichtssaal in Hamburg. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Keystone/dpa/Daniel Bockwoldt

Der Angeklagte hatte als SS-Mann von August 1944 bis April 1945 in dem Lager nahe Danzig (Gdansk) im heutigen Polen Dienst geleistet. Er war Posten auf einem Wachturm. Er sei ein «Rädchen der Mordmaschinerie» der Nationalsozialisten gewesen, befand die Anklage. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Der Prozess wurde nach Jugendstrafrecht geführt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit 1944 erst 17 Jahre alt war.

Eine Beteiligung an einem konkreten Verbrechen wurde dem Angeklagten nicht vorgeworfen. Er selbst hatte mehrfach erklärt, dass er als nicht frontdienstfähiger Wehrmachtssoldat nach Stutthof abkommandiert worden sei und dort ohne seine Zustimmung in die SS übernommen wurde. Er habe kein einziges Mal von seiner Waffe Gebrauch gemacht.

Bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit hatte die deutsche Justiz über Jahrzehnte nur diejenigen verfolgt, die zur Leitung der Konzentrationslager gehört oder selbst gemordet hatten oder durch besondere Grausamkeit aufgefallen waren, sogenannte Exzesstäter. Ein Wendepunkt war der Prozess gegen den früheren Wachmann John Demjanjuk, der 2011 wegen seiner Tätigkeit im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen verurteilt wurde. Heutzutage wird auch die allgemeine Dienstausübung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, juristisch geahndet.

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