×

Schütze vor Geheimdienst-Zentrale identifiziert - weiterer Toter

Nach den Schüssen nahe der Zentrale des russischen Inlandgeheimdienstes FSB am Donnerstagabend in Moskau ist der Täter identifiziert. Nach Angaben des staatlichen Ermittlungskomitees vom Freitag starb ein FSB-Mitarbeiter unmittelbar, ein zweiter später im Krankenhaus.

Agentur
sda
Freitag, 20. Dezember 2019, 17:49 Uhr Moskau
Sicherheitskräfte riegelten sofort nach den Schüssen die Geheimdienstzentrale in Moskau ab.
Sicherheitskräfte riegelten sofort nach den Schüssen die Geheimdienstzentrale in Moskau ab.
KEYSTONE/AP/AZ

Bei dem Angreifer handle es sich um einen 39 Jahre alten Mann aus dem Grossraum Moskau, teilte das staatliche Ermittlungskomitee weiter mit. Er habe am Tag zuvor das Feuer auf die Sicherheitsbeamten am FSB-Hauptgebäude am zentralen Lubjanka-Platz eröffnet.

Ein Mitarbeiter sei vor Ort gestorben. Ein weiterer sei schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben. Zudem gab es den Angaben zufolge fünf Verletzte, darunter ein Zivilist. Zu den Motiven wurde zunächst nichts bekannt gegeben.

Der Täter wurde unmittelbar nach dem Angriff getötet. Er soll die Tat alleine begangen haben. Mehrere Medien hatten jedoch zunächst von mindestens drei Angreifern berichtet.

Hobby-Schütze

Medienberichten zufolge soll der Mann in Podolsk rund 40 Kilometer südlich von Moskau gelebt haben. Er habe sich mit seiner Mutter eine Wohnung geteilt, hiess es. Der Mann soll demnach in seiner Freizeit Schiesssport betrieben und in einem Verein auch an Wettbewerben teilgenommen haben.

Mehrere Medien veröffentlichten im Onlinedienst Telegram ein Foto des getöteten Angreifers: ein korpulenter Mann mit Brille, kurzem Bart und einem schwarzen Sweatshirt mit Wolfsmotiv.

Die Boulevardzeitung «Komsomolskaja Prawda» und der Fernsehsender Ren-TV berichteten unter Berufung auf einen Ermittler, der mutmassliche Täter habe sieben Waffen legal besessen und an Schiesswettbewerben teilgenommen.

«Der Staat hatte Vertrauen in ihn»

Oleg Solowitsch, ein Ausbilder im Waffenclub des Mannes, sagte der «Komsomolskaja Prawda», dieser habe die Waffen rechtmässig besessen, sei aber ein schlechter Schütze gewesen und habe immer einen dunklen Kapuzenmantel getragen. «Man konnte normal mit ihm reden», sagte Solowitsch demnach. Seit fünf Jahren sei er ein zertifizierter Waffenbesitzer gewesen. «Das bedeutet, dass der Staat volles Vertrauen in ihn hatte.»

Das Boulevardblatt interviewte auch die Mutter des mutmasslichen Schützen. Diese sagte, ihr Sohn habe als Wachmann gearbeitet, vor kurzem aber aufgehört. In jüngster Zeit habe er «mit einigen Arabern telefoniert», sagte die Frau der Zeitung. Sie habe die auf Englisch geführte Unterhaltung aber nicht verstanden. Ein Nachbar sagte Ren-TV, Manjurow sei ein ruhiger, «guter Kerl» gewesen.

«Job verloren und seither gereizt»

Die Zeitung «Kommersant» berichtete unter Berufung auf Ermittler, Manjurow habe vor einigen Monaten seinen Job verloren. Seitdem habe er sich zurückgezogen und sei gereizt gewesen. Die Zeitung deutete an, Manjurow könnte den FSB angegriffen haben, weil er für Sicherheitsfirmen gearbeitet hatte, die von früheren Geheimdienstmitarbeitern betrieben wurden.

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin dankte dem FSB einen Tag nach der Attacke im Onlinedienst Twitter für dessen schnelles Eingreifen. Die fünf verletzten Opfer erhielten «jede notwendige medizinische Behandlung», schrieb Sobjanin.

Der Täter hatte in den frühen Abendstunden das Feuer eröffnet, als viele Menschen auf dem Heimweg von der Arbeit waren oder in Cafés sassen. Auf Videoaufnahmen von Passanten war zu sehen, wie Menschen in Panik davonliefen. Zeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten in den Hinterzimmern von Cafés Zuflucht gesucht.

Der Vorfall ereignete sich einen Tag, bevor in Russland der jährliche Tag der Geheimdienste begangen wird, und wenige Stunden nach dem Ende der jährlichen Medienkonferenz von Präsident Wladimir Putin.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Auch dieser Vorfall macht wieder deutlich, das es keine Hundertprozentige Sicherheit gegen "plötzlich" radikalisierte Einzeltäter gibt, welche sich von jetzt auf nachher, von einem Schaf in ein Wolf verwandeln. Und gerade in Russland, wo der Inlandsgeheimdienst FSB seine Augen und Ohren "überall" hat, ist so etwas passiert. Aber auch dort arbeiten nur Menschen.