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Anklage fordert 7,5 Jahre Gefängnis für Hochseilartist Freddy Nock

Das Bezirksgericht Zofingen AG hat am Mittwoch die Anklage gegen den Hochseilartisten Freddy Nock verhandelt. Er ist wegen versuchter vorsätzlicher Tötung seiner Ehefrau angeklagt. Der Staatsanwalt will eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren, der Verteidiger Freispruch.

Agentur
sda
Mittwoch, 11. Dezember 2019, 14:16 Uhr Zofingen AG
Extremsportler und Hochseilartist Freddy Nock (rechts) steht seit dem Morgen vor dem Bezirksgericht Zofingen. Ihm wird versuchte vorsätzliche Tötung, mehrfache Gefährdung des Lebens und mehrfache versuchte Körperverletzung vorgeworfen.
Extremsportler und Hochseilartist Freddy Nock (rechts) steht seit dem Morgen vor dem Bezirksgericht Zofingen. Ihm wird versuchte vorsätzliche Tötung, mehrfache Gefährdung des Lebens und mehrfache versuchte Körperverletzung vorgeworfen.
Keystone/ENNIO LEANZA

Der 55-jährige Nock musste sich auch verantworten wegen des Vorwurfs der mehrfachen Gefährdung des Lebens und der mehrfachen versuchten Körperverletzung. Gemäss Anklageschrift soll Nock seiner Frau ein Kissen so lange aufs Gesicht gedrückt haben, bis sich diese tot stellte. Als er dies bemerkt habe, solle er der Frau mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm weiter vor, seine Frau im gemeinsamen Haus im Treppenhaus über das Geländer gehoben und gedroht zu haben, sie fallen zu lassen. Auch soll er die heute 44-jährige Frau an der Schulter gepackt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. Einmal soll er der Frau die Nase gebrochen haben. Zu den Attacken kam es gemäss Staatsanwaltschaft in den Jahren 2008, 2013 und 2014.

«Leben zur Hölle gemacht»

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Es sei wiederholt zu massiver Gewalt gekommen. Der Angeklagte habe allen «das Leben zur Hölle» gemacht, sagte er. Der Angeklagte zeige keinerlei Reue oder Einsicht. Der Staatsanwaltschaft forderte auch eine Sicherheitshaft.

Die häusliche Gewalt laufe immer nach dem gleichen Muster ab. Die Opfer suchten die Schuld bei sich selber und versuchten, die Gewalt zu verhindern. Im konkreten Fall sei der Angeklagte ein Prominenter.

In der Öffentlichkeit gelte er als erfolgreicher Artist. Nock versuche, von sich in den Medien ein anderes Bild zu zeichnen. Die Anklage basiere auf den glaubwürdigen Aussagen des Opfers. Die Aussagen seien schlüssig.

Verteidigung will Freispruch

Der Verteidiger forderte für Nock Freisprüche von allen Anklagepunkten. Er zerpflückte die Anklageschrift. Die Sachverhalte seien nicht belegt. Der Tötungsvorsatz sei eine Erfindung der Staatsanwaltschaft. Nock habe der Frau nie ins Gesicht geschlagen.

Es sei jedoch richtig, dass die Streitigkeiten jeweils hässlich ausgetragen worden seien. Es sei auch zu Tätlichkeiten gekommen. Das werde nicht bestritten. Die Frau sei aggressiv und streitsüchtig geworden, wenn sie zu viel getrunken habe. Sie habe ihren Mann auch mit einer Küchenkelle geschlagen. Der Verteidiger sprach von einer «toxischen Beziehung» und von «einer wilden Ehe».

Die Frau sei wegen ihrer Alkoholprobleme wiederholt die Treppe heruntergefallen. Die Frau habe immer wieder neue Beschuldigungen erhoben. Es gehe auch um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. Die Frau führe ein Machtspiel und versuche jeweils, ihre Position in diesem Rechtsstreit mit neuen Anschuldigungen gegen Nock zu verbessern.

Der Verteidiger kritisierte, dass sich die Staatsanwaltschaft mit der Anklage sehr viel Zeit gelassen habe. Er forderte für seinen Mandanten eine Entschädigung von 37«000 Franken und eine Genugtuung von 11»000 Franken für 55 Tage Untersuchungshaft.

Nock: «Möchte keine Aussage machen»

Bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin verweigerte der angeklagte Nock die Aussage. Auch auf konkrete Fragen der Gerichtspräsidentin zu den Vorfällen war immer nur eine Antwort zu hören: «Da möchte ich auch keine Aussage machen», gab er wiederholt zu Protokoll. Im Schlusswort sagte er: «Es war nicht schön, was da gelaufen ist.»

Die Frau wurde an der Verhandlung als Auskunftsperson befragt, während der Angeklagte in einem Nebenraum alles per Video mitverfolgte. «Er wollte Macht über mich», sagte sie. Sie schilderte die erste Gewaltattacke. Ihr Mann habe sie mehrfach gewürgt, bis sie keine Luft mehr erhalten habe.

Sie habe Angst gehabt. Die Frau weinte bei der Befragung. Die Probleme hätten 2008 begonnen. Er sei immer wieder aggressiv geworden. Mit der Zeit habe sie verbal zurückgegeben.

Mit dem Kissen, das er ihr ins Gesicht gedrückt habe, habe er sie erdrücken wollen. «Ich hatte Angst, dass ich sterbe.» Sie habe ihn nie geschlagen. Sie räumte ein, dass sie ihren Mann auch verbal provoziert habe. «Ich habe weitergemacht, als ob nichts gewesen wäre», erzählte die Frau.

«Mann über alles geliebt»

Sie wäre von sich aus niemals zur Polizei gegangen. «Ich habe all die Jahre alles geschluckt und verdrängt. Ich habe den Mann über alles geliebt.» Sie habe mit niemandem reden können. Sie zog aus dem Haus aus, ging dann später vorübergehend wieder zurück. «Ich hatte die Hoffnung, dass es wieder gut wird.»

Sie erzählte ihre Erlebnisse der Polizei, die von Nock zur gemeinsamen Wohnung bestellt worden war. Er gab an, die Frau habe ihn angegriffen.

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