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Warten auf Weltende - Wiener lebt jahrelang mit Gruppe in Keller

Total isoliert von der Aussenwelt haben ein 58-Jähriger und sechs junge Leute gut neun Jahre lang im Keller eines Bauernhofes in den Niederlanden gehaust. Bei dem Mann, der festgenommen wurde, handelt es sich Behörden zufolge um einen Österreicher.

Agentur
sda
Dienstag, 15. Oktober 2019, 23:23 Uhr Amsterdam/Wien
Auf diesem Bauernhof im Osten der Niederlande lebten der Mann und die sechs Jugendlichen während neun Jahren in einem Keller.
Auf diesem Bauernhof im Osten der Niederlande lebten der Mann und die sechs Jugendlichen während neun Jahren in einem Keller.
KEYSTONE/EPA ANP/WILBERT BIJZITTER

Er sei nicht der Vater der jungen Leute, die heute zwischen 18 und 25 Jahre alt sind. Die Polizei entdeckte die Gruppe auf einem abgelegenen Bauernhof. Die Menschen würden nun versorgt, teilte die Polizei am Dienstag in der östlich gelegenen Provinz Drenthe mit.

Beim Festgenommenen handelt es sich um einen gebürtigen Wiener. Der Sprecher des österreichischen Aussenministeriums in Wien bestätigte am Dienstagabend entsprechende Berichte niederländischer Medien unter Berufung auf die örtlichen Behörden.

Die Gruppe «lebte in sehr provisorischen Räumen», sagte der Bürgermeister Roger de Groot. Er nannte keine Details der Wohnung. «So etwas habe ich noch nie erlebt.»

Warum die Menschen dort so isoliert wohnten, ist unbekannt. Sie sollen auf «das Ende der Zeiten» gewartet haben, berichteten niederländische Medien. Die Ermittler wollten diese Darstellung zunächst nicht bestätigen. Es gebe noch sehr viele offene Fragen, sagte der Bürgermeister. Es ist nicht bekannt, in welchem Verhältnis der Mann zu den Kindern steht.

Wirt alarmiert Polizei

Der Wirt der Dorfkneipe in Ruinerwold, rund 50 Kilometer von der Grenze nach Deutschland entfernt, hatte die Polizei am Montag alarmiert. Bei ihm war ein fremder junger Mann im Lokal aufgetaucht. Er war total verwirrt, wie der Wirt dem Fernsehsender RTV Drenthe sagte. «Er sagte, dass er weggelaufen war und Hilfe brauchte.» Der 25-Jährige habe auch geschildert, dass er neun Jahre lang nicht draussen gewesen sei. Daraufhin rief der Gastwirt die Polizei.

Über die genauen Lebensumstände und den Gesundheitszustand der Gruppe wollte die Polizei vorerst keine Angaben machen. Die Untersuchungen seien noch in vollem Gange. «Alle Szenarien sind noch offen», sagte eine Sprecherin. Der 58-Jährige sei festgenommen worden, «weil er nicht an unserer Untersuchung mitarbeitete».

Treppe hinter dem Schrank

Niederländische Medien berichteten, dass die Polizei hinter einem Schrank im Wohnzimmer eine Treppe entdeckt hatte, die in den Keller führte. Dort hätten der Mann und die jungen Leute gehaust.

Dorfbewohner sind schockiert. Sie sagten Reportern, dass sie bei dem Hof immer nur einen Mann gesehen hätten. Von einer Gruppe hätten sie nichts gewusst.

Der Hof liegt versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des Dorfes entfernt. Dazu gehören nach Aussagen von Reportern ein grosser Gemüsegarten und eine Ziege. Möglicherweise habe sich die Gruppe jahrelang selbst versorgt.

In Österreich weckt der Fall - wenn auch eigentlich anders gelagert - Erinnerungen an den Fall Josef Fritzl, der vor elf Jahren aufflog. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter in einen Keller im Bundesland Niederösterreich gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Er wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

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