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Falscher Polizist muss nicht zahlen

Das Kantonsgericht spricht einen Mann vom Vorwurf der Amtsanmassung frei – obwohl der Glarner während eines Streits gelogen hatte, er sei Polizist.

Ueli
Weber
Montag, 15. April 2019, 04:30 Uhr Freispruch
Das Gerichtshaus in Glarus.
ARCHIVBILD SASI SUBRAMANIAM

Ich kam deeskalierend auf das Areal», erzählte der Privatdetektiv den Richtern. Dann sei die Sache leider eskaliert. Ei-gentlich wollte er einen Streit zwischen einem Freund und dem Besitzer eines Essensstandes schlichten. Letzterer schuldete dem Freund 530 Franken, wollte ihm das Geld aber nicht bezahlen.

Im Verlauf des Streits behauptete der hinzugerufene Privatdetektiv, Polizist zu sein. Das gab er Ende letzten Jahres vor Gericht zu. Er habe dem Mann im Essensstand aber nicht weiter gedroht, so der Beschuldigte.

Der Besitzer des Essensstandes bezahlte einen Teil seiner Schulden, zeigte den falschen Polizisten jedoch später an. Dieser habe ihm gedroht, sein Geschäft kaputtzumachen, wenn er nicht zahle, sagte er.

Nebenkläger will 50'000 Franken vom falschen Polizisten

Die Glarner Staatsanwaltschaft verurteilte den Privatdetektiv darauf per Strafbefehl zu 1500 Franken Busse und einer bedingten Geldstrafe von 4500 Franken. Der Vorwurf: Amtsanmassung und Nötigung. Er habe sich als Polizist ausgegeben, um für seinen Freund die Schulden einzutreiben.

Der ehemalige Privatdetektiv legte gegen seine Verurteilung Einspruch ein. Vor Gericht verteidigte sich der Mann: Die Behauptung sei ihm in der Hitze des Gefechts rausgerutscht. Sein Verteidiger argumentierte: «Mit der Aussage, jemand sei von der Polizei, wird noch keine Amtsgewalt angemasst.» Der Besitzer des Essensstandes sah das anders. Als Nebenkläger forderte er 25 000 Franken Schadenersatz und 25 000 Franken Genugtuung.

Das Kantonsgericht hat den falschen Polizisten freigesprochen. Das geht aus dem unbegründeten Urteilsdispositiv hervor, das kürzlich veröffentlicht wurde. Er bekommt aus der Gerichtskasse 3600 Franken Entschädigung. Das Urteil ist rechtskräftig.

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