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Uno: Sexuelle Ausbeutung grösstes Problem bei Menschenhandel

Die meisten Opfer von Menschenhandel werden nach Angaben der Vereinten Nationen sexuell ausgebeutet. 2016 wurden fast 60 Prozent der Opfer von Menschenhandel auf diese Weise ausgenutzt. Vor allem in Amerika, Europa und Südostasien dominiert diese Form der Ausbeutung.

Agentur
sda
Sonntag, 06. Januar 2019, 01:02 Uhr Wien
Ein Beispiel von Menschenhandel aus Guyana: Kriminelle Banden zwingen Kinder und junge Männer zur Arbeit in einer Goldmine. (Archivbild)
Ein Beispiel von Menschenhandel aus Guyana: Kriminelle Banden zwingen Kinder und junge Männer zur Arbeit in einer Goldmine. (Archivbild)
KEYSTONE/AP Interpol/NICOLA VIGILANTI

Wie aus einem Bericht des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung in Wien hervorgeht, werden 34 Prozent der Opfer zur Arbeit gezwungen. Vor allem in grossen Teilen Afrikas und im Mittleren Osten ist dies die bestimmende Ausbeutungsform.

Zahlreiche Opfer werden nach dem Bericht zudem oft gezwungen, zu betteln oder sich Organe entnehmen zu lassen. Das Uno-Büro geht davon aus, dass zwei Prozent der Opfer auf verschiedene Weisen, also mehrfach, ausgebeutet werden.

Besonders viele der Opfer sind Frauen (49 Prozent) und Mädchen(23 Prozent). Die grosse Mehrheit von ihnen wird sexuell ausgebeutet: 83 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Mädchen. Verschleppte Männer werden zu 82 Prozent als Zwangsarbeiter eingesetzt.

Deutlicher Anstieg

Insgesamt sind laut dem Bericht 2016 rund 25'000 Opfer von Menschenhandel entdeckt und gemeldet worden - deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Die Uno weist aber darauf hin, dass der Anstieg auch durch eine bessere Verfolgung von Menschenhandel in manchen Regionen der Welt zustande kommt. Der Vergleich von Daten aus 45 Ländern, die seit 2007 systematisch ihre Fallzahlen veröffentlichen, zeigt einen Anstieg um 39 Prozent seit 2011.

Die internationale Gemeinschaft müsse das Problem daher verstärkt in den Blick nehmen und Kapazitäten und Kooperationen schaffen, um Menschenhandel in Konfliktgebieten und in allen Gesellschaften zu bekämpfen, schreibt der Chef des Uno-Drogenberichts, Juri Fedotow, im Vorwort des Berichts. Fedotow verwies zudem auf erste Fortschritte in den vergangenen Jahren. «Nahezu jedes Land hat jetzt eine Gesetzgebung, die Menschenhandel kriminalisiert.»

Dennoch geht aus dem Bericht deutlich hervor, dass in einigen Regionen noch viele Täter straffrei davonkommen. So sehen die Autoren beispielsweise in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara noch grossen Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung von inzwischen eingeführten Gesetzen zum Kampf gegen Menschenhandel.

Dutzende Opfer in der Schweiz

In der Schweiz werden jedes Jahr gemäss dem Eidgenössischen Justiz und Polizeidepartement (EJPD) über 250 Opfer von Menschenhandel entdeckt. Die Behörden gehen jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus.

Demgegenüber wurden 2017 125 Straftaten wegen Menschenhandels erfasst. Hinzu kamen 156 Fälle von Förderung der Prostitution. Im selben Jahr kam es in beiden Kategorien jeweils gerade mal zu fünf Verurteilungen.

In der Schweiz sind es dem Bund zufolge in der Regel oft Einzelpersonen, die mit Menschen handeln. Aber auch kriminelle Netzwerke mit Verbindungen zu familiären oder ethnischen Gruppen kommen vor.

Moderne Sklaverei

Als Menschenhandel gilt nach dem Uno-Menschenhandelsprotokoll «die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen (...) zum Zweck der Ausbeutung». Dies geschehe meist durch «Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit».

Es handle sich dabei um nichts weniger als moderne Sklaverei, heisst es auf der Webseite des Schweizer Bundesamts für Polizei. Menschen würden unter Zwang in der Prostitution, als Arbeitskraft oder in der Bettelei ausgebeutet. Die Opfer lebten in Armut und Not, hätten keine Ausbildung und keine Arbeit. Sie träumten von einer Zukunft in der Schweiz. Für die Menschenhändler sei es ein Leichtes, diesen Menschen falsche Versprechungen zu machen.

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