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Vorbildliche Aufklärungsquote

Die Straftaten haben abgenommen. Die Aufklärungsquote der Polizei ist hoch. Dies zeigt die aktuelle Kriminalstatistik für den Kanton Graubünden. Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt.

Pierina
Hassler
27.03.18 - 04:30 Uhr
Blaulicht
Besserung in den Regionen: Kripo-Chef Gianfranco Albertini präsentiert die polizeiliche Kriminalstatistik 2017.
Besserung in den Regionen: Kripo-Chef Gianfranco Albertini präsentiert die polizeiliche Kriminalstatistik 2017.
YANIK BÜRKLI

Gianfranco Albertini, Chef der Kriminalpolizei Graubünden, präsentierte gestern die jährliche Kriminalstatistik. «Im Jahre 2017 sind im Kanton Graubünden insgesamt 8541 Straftaten erfasst worden», sagt er. Den grössten Teil würden die Straftaten gegen das Strafgesetzbuch ausmachen, nämlich 6287. «Im Jahre 2016 waren es noch 6870 Straf-taten», so Albertini. 379 mehr als letztes Jahr.

Weniger Gewalttaten

Zugenommen haben hingegen die schweren Gewaltstraftaten. Gegenüber 2016 um sechs Fälle. «2017 waren es 42 schwere Gewaltstraftaten, ein Jahr zuvor 36 Fälle», erklärt Albertini. Diese Fälle würde zwei Tötungsdelikte, 27 schwere Körperverletzungen und 13 Vergewaltigungen betreffen. «Die schweren Gewaltstraftaten sind zu 100 Prozent aufgeklärt worden.»

Gewalttaten sind hingegen 2017 weniger geworden: 2016 waren es total 458 Fälle. Die Kriminalstatistik 2017 listet 412 Fälle, zehn Prozent weniger, auf. Gewalttaten sind laut Gesetz beispielsweise einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten, Raufhandel, Angriff und Raub. Allerdings gehört auch Zwangsheirat, sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung in diese Kategorie.

«Die schweren Gewaltstraftaten sind zu 100 Prozent aufgeklärt worden.»

In der Kategorie sexuelle Nötigung nach Artikel 189 wurden 2017 zehn Fälle registriert. Ein Jahr zuvor waren es sieben Fälle. Die Polizei hat sowohl 2016 wie auch 2017 alle diese Straftaten aufgeklärt. Gesamthaft liegt die Aufklärungsquote in der aktuellen Statistik bei Gewalttaten bei 92 Prozent.

Mehr Trickdiebstähle

Interessant auch die aktuelle Statistik bei den Diebstählen ohne Fahrzeugdiebstahl. Total passierten letztes Jahr 1861 Diebstähle. Ein Jahr zuvor waren es noch 2054. Das ist ein Minus von neun Prozent. «Noch im Jahre 2009 gab es im Kanton rund 2000 Diebstähle», sagt Albertini. «Davon waren rund 600 Einbruchdiebstähle.»

Die meisten Diebstähle, nämlich 669, sind unspezifiziert. Dann folgen mit 415 die Einbruchsdiebstähle. An dritter Stelle mit 321 kommen die Einschleichdiebstähle. Gefolgt von 210 Ladendiebstähle. 120 Taschendiebstähle. 56 Diebstähle aus oder ab einem Fahrzeug. 44 Fahrzeugeinbrüche. 14 Trickdiebstähle und zu guter Letzt noch zwölf Entreissdiebstähle – übrigens vier Mal mehr als im Jahre 2016.

Die Kriminalstatistik gibt auch Aufschluss, wo in Graubünden die meisten Straftaten passieren (siehe Grafik). Der Raum Chur weist klar die meisten Fälle auf. Allerdings wohnen in dieser Gegend auch rund 39 000 Menschen. Betrachtet man die Statistik seit 2012, geht die Zahl der Straftaten aber stetig zurück. Waren es 2012 im Raume Chur noch 2969 Straftaten, sind es 2017 noch deren 1936. Im Vergleich zu 2016 mit 2298 Fällen bedeutet dies ein Rückgang von 16 Prozent.

Im Jahre 2012 wurden im Rheintal insgesamt 1947 Straftaten begangen. Letztes Jahr waren es 1619. Ähnliche Rückgänge fanden auch in den Regionen Davos, Engadin und der Surselva statt. Ausgeprägter sieht die Statistik im Misox aus. 2012 wurden im Bündner Südtal über 500 Straftaten verübt. Ein Jahr später waren es 473 Straftaten. Im Jahre 2014 dann noch 418. Die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik führt sogar nur noch 181 Straftaten in der Mesolcina auf. Der Vergleich zu 2016 zeigt: Der Rückgang beträgt beträchtliche 26 Prozent.

Etwas abgenommen hat gegenüber der Kriminalstatistik 2016 die häusliche Gewalt. Waren es dazumal 259 Fälle, zeigt die aktuelle Statistik noch 238 Fälle. In 61 Fällen ging es um Drohungen. In 56 Fällen um Tätlichkeiten laut Artikel 126. Und in 47 Fällen um einfache Körperverletzung.

Eine ähnliche Statistik zum Thema häusliche Gewalt kam letzte Woche von der Opferhilfe Graubünden (Ausgabe vom 21. März). Von insgesamt 522 Personen, die die Opferhilfe im Jahre 2017 beraten hat, erlebten über 40 Prozent oder 208 Personen, häusliche Gewalt.

181 Straftaten sind im Misox laut der Kriminalstatistik 2017 verübt worden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 26 Prozent.

Die Differenz zur Kriminalstatistik 2017 hat damit zu tun, dass dort nur Fälle erwähnt werden, die auch zur Anzeige gebracht wurden.

Marihuana und andere Drogen

Ein grosses Thema waren auch die Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz. Insgesamt passierten 2017 in diesem Zusammenhang 1495 Straftaten. Ein Jahr zuvor waren es deren 1334. In beiden Jahren lag die Aufklärungsquote bei fast 100 Prozent.

Der Raum Chur nimmt auch hier mit aktuell 550 Straftaten die Spitzenposition ein. 2016 waren es 454 Fälle. Das Engadin folgt mit aktuell 282 Fällen. 2016 waren es 255 Fälle. Im Raume Davos waren es im Jahre 2016 noch 185 Fälle. Aktuell sind es 211 Fälle. In der Surselva wurden die Fälle deutlich weniger. Von 96 Fällen im 2016 sanken die Delikte im 2017 auf 72 Fälle – eine Abnahme von 25 Prozent.

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