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Papst äussert Sorge über Zustand der Demokratie

Papst Franziskus hat sich besorgt über den Zustand der Demokratie in vielen Ländern geäussert. «Seien wir ehrlich: In der heutigen Welt erfreut sich die Demokratie keiner guten Gesundheit», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag bei einer Veranstaltung in der norditalienischen Stadt Triest. Zugleich rief er dazu auf, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen, also beispielsweise zur Wahl zu gehen. Wörtlich sagte der Papst: «Gleichgültigkeit ist ein Krebsgeschwür der Demokratie.» Ausdrücklich warnte er vor einer «Verlockung des Populismus».

Agentur
sda
07.07.24 - 16:08 Uhr
Politik
Papst Franziskus leitet eine Messe auf dem monumentalen Platz «Piazza dell'Unita' d'Italia». Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press/dpa
Papst Franziskus leitet eine Messe auf dem monumentalen Platz «Piazza dell'Unita' d'Italia». Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press/dpa
Keystone/IPA via ZUMA Press/Vatican Media

Franziskus äusserte sich zum Abschluss einer einwöchigen Veranstaltungsreihe, in der sich die katholische Kirche insbesondere mit sozialen Fragen beschäftigt hatte. Vor den etwa 1.200 Teilnehmern sagte er: «Jeder muss sich als Teil eines Gemeinschaftsprojekts fühlen. Niemand darf sich nutzlos fühlen.» Hinter der Distanzierung von sozialer Wirklichkeit stecke oft Gleichgültigkeit. Der Papst ging nicht im Detail darauf ein, auf welche Länder sich seine Kritik am Zustand der Demokratie bezieht.

Franziskus zeigte sich auch besorgt über die zurückgehende Wahlbeteiligung in vielen Staaten. «Demokratie verlangt, dass Bedingungen geschaffen werden, so dass jeder sich ausdrücken kann.» Ausdrücklich appellierte er an die Mitglieder der katholischen Kirche, auch in der Politik Verantwortung zu übernehmen. «Wir können uns nicht mit einem privaten Glauben zufriedengeben», sagte er. «Das bedeutet insbesondere Mut, in der öffentlichen Debatte Vorschläge für Gerechtigkeit und Frieden zu machen.»

Der 87 Jahre alte Pontifex, dem die Gesundheit zu schaffen macht, war seit bald einem Jahr nicht mehr zu einer längeren Auslandsreise unterwegs. In den vergangenen Wochen besuchte er jedoch verschiedene Städte in Italien, darunter Venedig, Verona und jetzt Triest. Zudem nahm Franziskus - der auch Staatsoberhaupt des Vatikans ist - Mitte Juni am Gipfel der Gruppe sieben grosser demokratischer Industrienationen (G7) in Süditalien teil.

Im September will er für zwölf Tage nach Südostasien und in die Pazifikregion reisen, seine längste Auslandsreise bislang. Stationen sind Indonesien, Papua-Neuguinea, Osttimor und Singapur. Kurz danach steht eine Reise nach Luxemburg und Belgien auf dem Programm.

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