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Waffenruhe im Gaza-Konflikt hält vorerst

Im erneut eskalierten Konflikt zwischen Israel und der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad deutet sich dank einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe vorerst Entspannung an. Trotz gegenseitiger Angriffe mehr als eine Stunde nach Inkrafttreten am Samstag um 22.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) beruhigten sich die Kämpfe, die fünf Tage lang anhielten, am frühen Sonntagmorgen. Auf beiden Seiten der Grenze kehrte wieder schrittweise Normalität ein.

Agentur
sda
14.05.23 - 15:35 Uhr
Politik
Palästinensische Bürger begutachten die Schäden in ihren Häusern nach dem israelischen Bombenangriff auf das Haus der Familie Abu Obeid in der Stadt Deir Al-Balah, im Zentrum des Gazastreifens. Foto: Samar Abu Elouf/ZUMA Press Wire/dpa
Palästinensische Bürger begutachten die Schäden in ihren Häusern nach dem israelischen Bombenangriff auf das Haus der Familie Abu Obeid in der Stadt Deir Al-Balah, im Zentrum des Gazastreifens. Foto: Samar Abu Elouf/ZUMA Press Wire/dpa
Keystone/ZUMA Press Wire/Samar Abu Elouf

Dschihad-Anführer Sijad al-Nachala erklärte die Kämpfe mit Israel nach Inkrafttreten der Waffenruhe am Abend für beendet. «Unser Volk hat standgehalten und wurde nicht zerschlagen», sagte Al-Nachala in einer Videobotschaft. «Wir haben ertragen, was wir ertragen haben, um unsere vereinte, starke und unerschütterliche Haltung zu bewahren.»

Israels Nationaler Sicherheitsberater Tzachi Hanegb warnte laut Mitteilung aus dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dass Israel sich im Fall weiterer Angriffe verteidigen werde. Ihm zufolge soll aber «Ruhe mit Ruhe» beantwortet werden.

Israel war seit Dienstag in einer grossangelegten Militäroffensive gegen den Dschihad im Gazastreifen vorgegangen. Nach Armeeangaben wurden mehr als 420 Stellungen angegriffen und mehrere hochrangige Mitglieder gezielt getötet. Der Dschihad gilt nach der Hamas als zweitstärkste militärische Kraft im Gazastreifen und strebt die Zerstörung Israels an. Die militanten Palästinenser feuerten in den vergangenen Tagen laut Militär mehr als 1400 Raketen und Mörsergranaten Richtung Israel, 1100 davon überquerten die Grenze.

Im Gazastreifen wurden 33 Menschen getötet, darunter 6 Kinder, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Es gebe 190 Verletzte. Auf israelischer Seite kamen eine Frau und ein palästinensischer Arbeiter aus dem Gazastreifen bei Raketeneinschlägen ums Leben. Laut Rettungssanitätern wurden mindestens 32 Menschen verletzt, weitere Dutzende wegen Angstzuständen behandelt.

Am Sonntag schien zeitweise wieder etwas Alltag einzukehren. Im Gazastreifen öffneten Geschäfte, die aus Sorge für Attacken über fünf Tage geschlossen waren. Die Anwohner des schmalen Küstenstreifens feierten die Waffenruhe oder holten Einkäufe der vergangenen Tage nach. Auch der Verkehr setzte wieder regulär ein.

Israel öffnete den Erez-Grenzübergang und den Warenübergang Kerem Schalom zum Gazastreifen. Der israelische Zivilschutz lockerte laut Medienberichten seine Regeln für Anwohner nahe der Grenze teilweise.

Ägypten hatte sich kurz nach Ausbruch der Gewalt am Dienstag und wie schon oft zuvor als Vermittler ins Spiel gebracht. Die Verhandlungen über eine Waffenruhe verliefen zunächst jedoch stockend.

Das Auswärtige Amt begrüsste die Waffenruhe in einer Mitteilung und rief zur Einhaltung auf. «Ziel muss ein dauerhafter Frieden zwischen Israelis und Palästinensern bleiben, der allen ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglicht.» Man trauere um die getöteten Zivilisten und sei in Gedanken bei den Verwundeten. Die Zivilbevölkerung müsse geschützt werden - nötig seien auch der humanitäre Zugang nach Gaza.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen unter sehr schlechten Bedingungen. Die Hamas riss in dem palästinensischen Gebiet 2007 gewaltsam die Macht an sich. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Küstengebiets, die von Ägypten mitgetragen wird.

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