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St. Luzibrücke: Zurück auf Feld eins

Die Linienführung der Schanfiggerstrasse als Teil der neuen Strecke Chur–Arosa muss noch einmal überprüft werden. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde von sechs Anwohnern gutgeheissen.

Südostschweiz
Dienstag, 04. März 2014, 14:00 Uhr
Das Bundesgericht in Lausanne hat sich mit der Linienführung der Schanfiggerstrasse beschäftigt.

Lausanne. – Die Stadt Chur soll vom Durchgangsverkehr von und nach Arosa entlastet werden. Zu diesem Zweck ist ein neuer Strassenabschnitt geplant, welcher die Julierstrasse beziehungsweise die Malixerstrasse mit der Schanfiggerstrasse verbindet. Dadurch soll eine direkte Verbindung zwischen dem Autobahnanschluss Chur Süd via Südumfahrung zur Schanfiggerstrasse geschaffen werden.

Im November 2010 genehmigte die Regierung das Auflageprojekt. Die geplante Querverbindung soll rund 250 Meter unterhalb des Araschger-Ranks mit einem T-Anschluss an die Julierstrasse anschliessen. Sie überquert sodann die Plessur und den südlichen Teil des Sandquartiers auf einer neuen, 465 Meter langen und maximal 135 Meter hohen Bogenbrücke in einer lang gezogenen S-Kurve. Etwa 100 Meter südöstlich des Känzeli soll dann die Querstrasse in die bestehende Schanfiggerstrasse einmünden.

Brücke über unbewohntes Gebiet?

Gegen die Projektgenehmigung erhoben mehrere Personen aus dem Sandquartier in Chur gemeinsam Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Dieses wies die Beschwerde nach eingehender Interessenabwägung ab. Sechs Personen gelangten dagegen ans Bundesgericht, welches die Beschwerde nun teilweise gutgeheissen hat («südostschweiz.ch» berichtete).

In ihrem Urteil kommen die Bundesrichter zum Ergebnis, dass die Bewohner des Sandquartiers durch die Plessurbrücke St. Luzi durch Schattenwurf beeinträchtigt werden und die Gefahr herabfallender Gegenstände besteht. Zu prüfen ist daher nach Meinung des Bundesgerichts, ob Varianten mit einer weiter talaufwärts- südöstlicher verlaufenden Hochbrücke über unbewohnte Gebiete für die Bewohnerinnen und Bewohner weniger Nachteile aufweisen.

Eingriff in die Landschaft

Im Ergebnis seiner detaillierten Ausführungen kommen die Richter in Lausanne zum Ergebnis, dass die von der Regierung favorisierte Bogenbrücke an der engsten Talstelle zwar eine besonders elegante und damit für das Ortsbild von Chur vorteilhafte Brückengestaltung ohne Brückenpfeiler im Talgrund ermöglicht. Dagegen hat diese Linienführung den Nachteil, über bewohntes Gebiet zu führen. Schattenwurf, die Gefahr herabfallender Gegenstände und Unfälle im Quartier Sand seien die Folge. Zudem führe diese Variante insbesondere auf der linken Talseite im Bereich St. Hilarien/Araschger-Park zu einem erheblichen Eingriff in die Landschaft. Sodann kämen Teile des Anschlussbauwerks in eine Rutschzone unterhalb des Araschger-Ranks zu liegen und es bestünde die Gefahr, dass die vorgesehenen Terrainveränderungen den Schieferrutsch reaktivieren könnten.

Alternativen zu wenig geprüft

«Unter diesen Umständen erscheint der Vorwurf der Beschwerdeführer berechtigt, dass andere Linienführungen, weiter talaufwärts, über unbewohntem Gebiet, nicht genügend geprüft worden sind», meint das Bundesgericht. Auch wenn die Brücke dadurch länger, höher und – aufgrund der Pfeiler im Talgrund – massiver würde, könne jedenfalls nicht von vorneherein ausgeschlossen werden, dass sich eine wirtschaftlich vertretbare und mit dem Ortsschutzbild vereinbare Lösung finden lasse, die natur- und landschaftsschonender, mit den Interessen der Anwohner des Quartiers Sand verträglicher und geologisch weniger riskant wäre, meint das Bundesgericht weiter.

Die Sache geht nun zur Ergänzung des Variantenvergleichs an die Bündner Regierung zurück. Der Kanton Graubünden muss den Beschwerdeführern für das Verfahren vor Bundesgericht eine Entschädigung in der Höhe von insgesamt 5000 Franken bezahlen.

Urteil 1C_648/2013 vom 4. Februar 2014.

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