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Regierung verteidigt Auftragsvergabe an Revisionsfirma

Die Glarner Regierung verteidigt ihren Entscheid, die Zürcher Firma KPMG AG als Revisionsstelle für das Kantonsspital ausgewählt zu haben. Die KPMG ist in Glarus nicht unbekannt: Die Kantonalbank geht zivilrechtlich gegen sie vor.

Südostschweiz
Dienstag, 26. April 2011, 17:21 Uhr
Sitz der Zürcher Firma KPMG AG.

Glarus. – Formell sei es ein «rein sachlicher Submissionsentscheid im Einladungsverfahren gewesen», das Mandat als Gründungsprüferin und ordentliche Revisionsstelle der Kantonsspital Glarus AG der Firma KPMG zu erteilten, informierte die Glarner Regierung heute. Von den eingegangen Offerten sei jene der weltweit tätigen KPMG das wirtschaftlich günstigste Angebot gewesen.

Nicht nur der Preis spielte laut Regierungsangaben eine Rolle. Bewertet worden sind auch das Branchenwissen, Referenzen über vergleichbare Mandate sowie Kenntnisse über den Betrieb des Kantonsspitals Glarus. Die KPMG hatte den Umwandlungsprozess des Kantonsspitals von einem Staatsbetrieb in eine Aktiengesellschaft begleitet.

Kein Verständnis im Parlament

Die regierungsrätliche Stellungnahme zum Vergabeentscheid an die KPMK ist provoziert worden von BDP-Landrat Martin Landolt. Landolt zeigte in einer Interpellation kein Verständnis für die Revisorenwahl.

Wie der Regierungsrat dazu komme, einem Unternehmen einen Prüfungsauftrag zu erteilen, dem mangelnde Sorgfalt vorgeworfen werde und gegen das eine Schadenersatzklage eingereicht worden sei, fragte er in seinem Vorstoss.

Sorgfaltspflichten verletzt

Die Firma ist involviert in das Debakel der Glarner Kantonalbank mit faulen Krediten. Die verfehlte Geschäftspolitik war 2008 offenkundig geworden, als die Bank nach Wertberichtigungen von knapp 97 Millionen Franken einen Verlust von rund 57 Millionen Franken ausweisen musste.

Die Bank ging danach in Absprache mit der Kantonsregierung zivilrechtlich gegen einen Teil der früheren Chefs und gegen die Revisionsstelle KPMG vor. Die Bank macht Schadenersatz geltend. Ein Rechtsgutachten ergab, dass Sorgfaltspflichten verletzt wurden. Die entsprechenden Verfahren sind noch im Gang. (sda)

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