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Rega beendet Zusammenarbeit mit Air-Glaciers

Der Streit um die «Lufthoheit» im Schweizer Rettungswesen hat das Berner Oberland erreicht. Dort warf die Air-Glaciers am Donnerstag der Rega vor, mit allen Mitteln um ihre Vormachtstellung zu kämpfen. Nun beendet die Rega die Zusammenarbeit mit Air-Glaciers.

Südostschweiz
Donnerstag, 25. Juli 2013, 19:13 Uhr
Um die Lufthoheit im Rettungswesen ist ein Streit im Gang (Symbol).

Bern. – Die Rettungsflugwacht gab am Donnerstagmittag bekannt, sie werde ab dem 19. August darauf verzichten, in Notfällen im Kanton Bern Helikopter der Air-Glaciers aufzubieten. Diese betreibt Stützpunkte in Lauterbrunnen und Saanen. Stattdessen solle die Sanitätsnotrufzentrale des Kantons Bern entscheiden, welche Helikopter zum Einsatz kommen.

Heute alarmiert diese Zentrale jeweils die Rega-Einsatzzentrale in Zürich, wenn es im Kanton Bern zu einem Unfall kommt, der den Einsatz eines Helikopters nötig macht. Die Rega entscheidet dann, ob sie selber fliegt oder aber ein Partnerunternehmen.

Wenn die Rega diese Verantwortung abgebe, entstehe eine «ganz neue Situation», sagte dazu Daniel Baumberger von der Sanitätspolizei Bern, welche die Berner Notrufzentrale betreibt. Sanitätspolizei, Kanton Bern, Rega und Air-Glaciers müssten sich nun zusammensetzen, um die Zukunft zu besprechen, sagt Baumberger auf Anfrage.

Der hohe Standard in der medizinischen Notfallbetreuung von Verunfallten werde durch die neue Lage nicht beeinträchtigt. Für die genannten Gespräche gebe es bereits einen Termin.

«Provokation» kontra «Polemik»

Air-Glaciers-Pilot Peter Balmer hatte am Vormittag am Rand einer Medienkonferenz in Lauterbrunnen der Rega vorgeworfen, sie habe mit Einsätzen in der Nähe der Air-Glaciers-Basis Lauterbrunnen «provoziert». Wenn die Rega eigene Helikopter einsetze statt vor Ort in Bereitschaft stehende Maschinen anzufordern, müssten Verunfallte unnötig lange warten und es entstünden Mehrkosten.

Zudem missachte die Rega den Willen des bernischen Kantonsparlaments, der sich 2012 für eine bessere Vernetzung der Luftrettung im Kanton ausgesprochen habe. Balmer ist auch Mediensprecher der Air-Glaciers-Basis Lauterbrunnen.

Für Rega-Mediensprecherin Ariane Güngerich ist das «Polemik». Der Einsatz von Helikoptern richte sich nicht nur nach der Geografie, sondern berücksichtige auch andere Faktoren, etwa das Verletzungsbild und die Ausrüstung der Fluggeräte.

Laut der Rega hat die Air-Glaciers gefordert, dass künftig die Sanitätsnotrufzentrale des Kantons Bern über den Einsatz der Helikopter entscheidet.

«Luftkampf» bisher im Kanton Aargau

Schlagzeilen gemacht hat der Kampf um Aufträge im Luftrettungsdienst bisher im Kanton Aargau: Dort machen sich seit diesem Frühling die Rettungsflugwacht und die Alpine Air Amublance (AAA), an welcher der TCS beteiligt ist, Rettungsflüge streitig. (sda)

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