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Professor Laesser: «Es ist fast wie bei der Alpeninitiative»

Nach der überraschenden Annahme der Zweitwohnungsinitiative geht es nun an die Umsetzung der komplexen Vorlage. Damit beschäftigt sich unter anderen auch Christian Laesser vom Forschungszentrum Tourismus und Verkehr der Universität St. Gallen. Die ersten Ergebnisse verrät er der «Südostschweiz» in einem Interview.

Südostschweiz
Freitag, 16. März 2012, 18:50 Uhr
Professor Doktor Christian Laesser.

Chur/St. Gallen. – «Eine mögliche Lösung wäre, dass der heutige Bestand an Zweitwohnungen sofern der Anteil über 20 Prozent liegt, nicht mehr überschritten werden darf, jedoch in irgendeiner Art und Weise handelbar gemacht würde. Dies würde ein starres, unveränderbares Konstrukt verhindern», erklärt Christian Laesser im Interview mit der «Südostschweiz».

Vorstellbar sei zum Beispiel, dass man den Wohnungen die als Zweitwohnungen dienen ein Zertifikat ausstelle. Ähnlich dem CO2-Emissions-Handel-Schema, sagt Laesser weiter. «So könnte zum Beispiel jemand, der eine Zweitwohnung in eine Erstwohnung umwandelt oder eine Zweitwohnung für eine Vermietung an Einheimische oder Gäste öffnet, seine Zweitwohnungszertifikate verkaufen beziehungsweise jemand, der eine Zweitwohnung schaffen wollte, ein solches Zertifikat kaufen und somit würde am Ende ein Marktpreis entstehen.»

Verständliche Annahme

Als Grund für die doch eher überraschende Annahme der Zweitwohnungsinitiative vor Wochenfrist sieht Laesser derweil unter anderem falsche Hoffnungen. «Die Hoffnung, das Problem der Zersiedlung der Landschaft zu lösen, was übrigens mit der Zweitwohnungsinitiative wenn überhaupt nur sehr fern zu tun hat, hat wohl viele Stimmbürger dazu bewogen, die Initiative anzunehmen», vermutet der Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement.

Das sei aber auch durchaus verständlich und es liege ihm fern, den Stimmbürgern zu sagen sie hätten den falschen Entscheid getroffen. «Es ist erklärbar, weshalb der Entscheid so gefallen ist. Jetzt geht es darum, gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden», resümiert Laesser. (fbr)

Zum Dossier «Zweitwohnungsinitiative» gehts hier.

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