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Isländer wählen «normale Bürger» für Verfassungskommission

Die Isländer haben am Samstag über die Zusammensetzung einer verfassungsgebenden Versammlung abgestimmt, in der ausschliesslich «normale Bürger» sitzen sollen. 522 Kandidaten aus allen Bevölkerungsgruppen konkurrierten um die höchstens 31 Sitze, die für die Versammlung vorgesehen sind.

Südostschweiz
Samstag, 27. November 2010, 23:46 Uhr
Ganz gewöhnliche Leute sollen Islands neue Verfassung auf die Beine stellen.

Reykjavik. – Unter den Kandidaten seien «Klempner, Seeleute und so weiter», sagte der Sprecher des Justizministeriums, Hjalti Zophoniasson. Kandidieren konnte demnach jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und von mindestens 30 Menschen unterstützt wird. Mitglieder politischer Parteien waren nicht unter den Kandidaten.

Zur Abstimmung waren 230'000 Isländer aufgerufen. Laut Zophoniasson zeichnete sich eine geringe Beteiligung von etwa 50 Prozent ab. Die Auszählung sollte am Sonntagmorgen beginnen, erst am Montagabend dürfte das Ergebnis bekanntgegeben werden.

Die Bürger-Kommission soll ab Februar zwei bis vier Monate lang einen Entwurf für eine komplett neue Verfassung ausarbeiten. Das Parlament hat bei der Verabschiedung das letzte Wort. Es gebe allerdings eine gewisse «moralische» Verpflichtung, den Vorschlag der Kommission anzunehmen, wie Zophoniasson sagte.

Nachdem die Finanzkrise von 2008 das einst wohlhabende Island in den Ruin getrieben hatte, ist die Bevölkerung des nordischen Inselstaates nicht gut auf die politische Klasse zu sprechen. Die isländische Verfassung stammt - bis auf wenige leichte Änderungen - aus dem Jahr 1944, als das Land von Dänemark unabhängig wurde. (sda)

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