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Gian Gilli: «Es braucht wieder die Denkweise der Pioniere»

Bereits die Abklärungen der Machbarkeit Olympischer Winterspiele in Graubünden hat einen Denkprozess ausgelöst. Gian Gilli ist überzeugt, dass dieser den ganzen Kanton weiterbringt, ob die Spiele stattfinden oder nicht.

Südostschweiz
23.02.12 - 18:00 Uhr

Chur. – Vielerorts wird intensiv am Dossier für eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele Graubünden 2022 gearbeitet. Auch ein Logo gibt es bereits. Im Interview mit dem «Bündner Tagblatt» erläutert Gian Gilli, operativer Leiter des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden, dass es sich bei Olympia um ein Generationenprojekt mit grossem Entwicklungspotenzial handelt.

Herr Gilli, die wohl grösste Hürde wird die Volksabstimmung in Graubünden sein. Glauben Sie tatsächlich, die Bevölkerung für ein Ja zu Olympia gewinnen zu können? Gian Gilli: Wer die Niederlage scheut, darf den Wettkampf nicht antreten. Wenn wir gute Argumente haben, werden die Bündner zusammenstehen. Man muss die Dimension dieser Veranstaltung richtig einordnen können. Das ist ein Grossanlass, der eine grosse Dynamik auslösen kann, die auch andere Denkmuster erfordert. Nicht nur was die Grösse anbelangt, sondern auch die Zeiträume. Es geht bei Olympischen Spielen nicht nur um ein halbes Jahr Auf- und Abbau und zwei Wochen Wettkämpfe. Das ist ein Generationenprojekt mit grossem Entwicklungspotenzial für unseren Lebensraum im Berggebiet und unsere Kultur.

Welche Zahlen werden bis zur Volksabstimmung vorliegen? Das weiss ich jetzt noch nicht. Wir werden aber nicht nur die Kandidaturkosten detailliert kennen, wir werden auch den Kostenrahmen der Spiele aufzeigen. Diese Zahlen werden in die Botschaften für die politischen Entscheide mit einfliessen, ebenso die Sicherheitskosten.

Dem Stimmvolk wird man wohl nur die Grundsatzfrage «Olympische Spiele Ja oder Nein» stellen. Man muss aber auch über Geld sprechen. Welche Zahlen stehen da im Raum? Man hört da ja unglaubliche Zahlen. Bei Sotschi spricht man von 24 Milliarden. Das sind aber nicht die Kosten für die Olympischen Spiele, sondern die getätigten Investitionen für den Aufbau einer kompletten Wintersportstation aus dem Nichts. Ich kann im Moment noch nicht von Zahlen für unsere Kandidatur sprechen, denn diese sind auch Teil der Machbarkeitsabklärungen und der Risikoanalyse, auch der finanziellen. Es geht darum aufzuzeigen, nach welchem Konzept welche Kosten entstehen, wer refinanziert das, wie viele Einnahmen sind möglich, wer ist der Risikoträger, was trägt der Bund, der Kanton, die Gemeinden? Wir werden das ganz transparent aufzeigen. Dann kann man entscheiden, will man das, oder will man das nicht.

Sprungschanzen in St. Moritz mögen ja noch Wahrzeichen- und Nachnutzungspotenzial haben, aber der Bedarf nach Eissportstadien ist in Graubünden doch sehr begrenzt … Wir denken da in drei Dimensionen. Eines sind die fixen Anlagen, bei denen auch die Nachnutzung und die Betriebskosten klar aufgezeigt werden müssen. Ein zweiter Teil sind kombinierte Anlagen fix und temporär. Eine solche könnte zum Beispiel die Eissporthalle in Samedan sein, die für die Olympischen Spiele mit temporären Tribünen eine Kapazität von 10 000 Zuschauern haben könnte und danach auf 2500 Plätze zurückgebaut wird. Dann gibt es temporäre Anlagen wie zum Beispiel die 120-Meter-Schanze, die nur für die Spiele zur Verfügung stehen würde und danach auf die für St. Moritz sinnvollen Dimensionen zurückgebaut würde. Es findet auch im Bereich der Provisorien bautechnisch eine enorme Entwicklung statt, denn auch diese kosten Geld. Auch in diesem Bereich könnte sich Graubünden aber sehr viel Know-how aneignen. (so)

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