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Der Kanton Glarus holt sich Hilfe aus dem Weltall

Die Schaufel war gestern: Der Kanton Glarus will mithilfe von Satelliten herausfinden, wo die fruchtbarsten Böden liegen. Das sei nicht unbedingt genauer als die bisher verwendete Methode – aber günstiger und schneller. 

Ueli
Weber
16.09.22 - 04:30 Uhr
Politik
Auge im All: Eine Ariane-5-Rakete der europäischen Raumfahrtagentur beim Start in Französisch Guyana – sie trägt einen Satelliten in den Orbit. Solche können helfen, die Fruchtbarkeit von Glarner Böden zu bestimmen. 
Auge im All: Eine Ariane-5-Rakete der europäischen Raumfahrtagentur beim Start in Französisch Guyana – sie trägt einen Satelliten in den Orbit. Solche können helfen, die Fruchtbarkeit von Glarner Böden zu bestimmen. 
Bild Keystone

Dass die Glarner ihr Vieh seit Jahrhunderten im Sommer auf die Alpen hochtreiben, hat seinen Grund: Fruchtbare Böden sind ein rares Gut in den engen Tälern des Glarnerlandes. Der Kanton Glarus möchte darum jetzt genauer herausfinden, wo diese Böden liegen. Dazu will er zusammen mit dem Kompetenzzentrum Boden des Bundes (Kobo) eine neue Methode zur Bodenkartierung erproben und weiterentwickeln. Diese setzt unter anderem auf Satellitenbilder, wie Marco Baltensweiler erklärt. Er ist Leiter der Abteilung Landwirtschaft des Kantons Glarus. Denn aus dem Weltall lässt sich manchmal schneller und grossflächiger bestimmen, wie denn nun ein Boden beschaffen ist, als wenn man direkt darauf steht. Satellitenbilder können sogar helfen, den Nährstoffgehalt der Humusschicht zu bestimmen. «Je dunkler zum Beispiel ein Boden erscheint, desto mehr Stickstoff befindet sich darin», sagt Baltensweiler. Ausgewertet werden die Bilder aus dem Weltall mithilfe von Computern. 

«Je dunkler ein Boden auf dem Satellitenbild erscheint, desto mehr Stickstoff befindet sich darin.»

Marco Baltensweiler, Leiter Abteilung Landwirtschaft

Bislang werden Böden noch grösstenteils in Handarbeit kartiert: Die Experten gehen aufs Feld und nehmen mit Schaufel oder Bagger Proben und untersuchen diese anschliessend. Die neue Methode, welche das Kobo und der Kanton nun anwenden wollen, kommt dagegen mit weniger körperlicher Arbeit aus. 

Sie setzt neben Satellitenbildern auch auf Computermodellierungen. Diese können aufgrund von Erfahrungswerten voraussagen, wie ein Boden im steilen Gelände oder entlang eines Flusses beschaffen sein dürfte. «Man wird aber immer noch ins Feld hinaus gehen müssen und kann nicht alles vom Büro aus machen», sagt Baltensweiler. Aber auch im Feld soll die Technik mithelfen: Ein ferngesteuertes Raupenfahrzeug übernimmt die Bohrungen und kann etwa den Säuregehalt des Bodens automatisch bestimmen. 

Probelauf für den ganzen Kanton

Der Regierungsrat beantragt dem Landrat nun einen Kredit von rund 340’000 Franken für die Untersuchung der ersten 400 Hektaren. Wie Baltensweiler erklärt, ist die neue Kartierungsmethode nicht unbedingt genauer als die alte. «Sie ist jedoch deutlich schneller und günstiger», sagt er. Das Pilotprojekt soll auch Hinweise liefern, wie teuer es würde, die Böden im ganzen Kanton zu kartieren. «Der Bund möchte alle landwirtschaftlichen Böden der Schweiz kartografieren, was aber sicherlich mehrere Jahrzehnte dauern wird», sagt Baltensweiler. Das Pilotprojekt in Glarus Süd solle auch für den Bund wertvolle Informationen liefern.

Das Pilotprojekt soll vorerst an vier Orten je 100 Hektaren Boden in Glarus Süd untersuchen. Darunter sind Flächen im Sernf- und Grosstal. Die Untersuchungen sollen sich nicht auf die Talböden beschränken, sagt Baltensweiler. So sei angedacht, auch in Braunwald oder in Richtung Weissenberge Böden mit der neuen Methode zu kartografieren. Denn mit dieser lässt sich auch steileres Gelände deutlich einfacher untersuchen als früher. Welche Gebiete untersucht werden, wird definitiv bestimmt, wenn das Kantonsparlament dem Kredit zustimmt. 

Hinter Mollis gibt es nur spärliche Daten

Die Böden des Kantons Glarus sind bislang nur teilweise kartografiert worden. Und alle noch nach der alten Methode. In den Jahren 2006 bis 2009 untersuchten Spezialisten vor allem Landwirtschaftsböden zwischen Bilten und Mollis. Damals erfassten sie sogenannte Fruchtfolgeflächen – die fruchtbarsten Böden, welche in grossen Krisen die Ernährung der Schweiz sicherstellen sollen und darum nicht überbaut werden dürfen. Weiter hinten im Tal werden die Daten aber spärlicher, wie Baltensweiler erklärt. 

Bodenkarten seien wichtige Grundlagen, wenn es zu Konflikten komme, wie Land am besten genutzt werde. Das neugewonnene Wissen soll bei Entscheiden helfen, wenn es etwa darum geht, ob ein Stück Boden für die Landwirtschaft genutzt werden soll oder unter Naturschutz gestellt werden soll. Es kann aber auch helfen, den Pachtzins festzulegen.

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um so wichtiger eben auch die multifunktionalen Rückhaltebecken....Seen !
Und keine neue Bodenversiegelung ! Autobahn A3 überdecken " Einhausen statt im Krum auf Wiesen bauen !

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