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US-Militär greift IS-Ableger an - neuer Anschlag in Kabul befürchtet

US-Militär greift IS-Ableger an - neuer Anschlag in Kabul befürchtet

Das US-Militär hat mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert.

Agentur
sda
28.08.21 - 16:57 Uhr
Politik
ARCHIV - Die USA haben mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert. Es ist nicht bekannt, mit welchem Typ Drohne der Luftschlag erfolgt ist. Foto: Massoud…
ARCHIV - Die USA haben mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert. Es ist nicht bekannt, mit welchem Typ Drohne der Luftschlag erfolgt ist. Foto: Massoud…
Keystone/MH/AP/Massoud Hossaini

Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangarhar habe «einem Planer» von Isis-K gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom am Freitagabend (Ortszeit) mit. «Ersten Anzeichen zufolge haben wir das Ziel getötet», sagte Sprecher Bill Urban. Gleichzeitig befürchten die USA einen weiteren Terroranschlag in Kabul. Die US-Botschaft veröffentlichte in der Nacht erneut eine Sicherheitswarnung und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen.

Centcom-Sprecher Urban sagte mit Blick auf den Luftangriff: «Wir wissen von keinen zivilen Opfern.» Weitere Einzelheiten gab das Zentralkommando nicht bekannt. Es war auch nicht klar, ob die angegriffene Person direkt in den blutigen Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt verwickelt war.

Als unbemannte Luftschläge bezeichnen die US-Streitkräfte in der Regel Angriffe mit ferngesteuerten Drohnen, die ihre Ziele unbemerkt aus grosser Höhe ins Visier nehmen können. Die USA hatten im Zuge des Abzugs ihrer Truppen aus Afghanistan immer wieder betont, dass sie auch ohne Soldaten am Boden die Fähigkeit hätten, Luftschläge aus der Ferne auszuüben.

US-Präsident Joe Biden hatte nach der blutigen Attacke von Kabul Rache geschworen. Bei dem Terrorangriff am Flughafen waren am Donnerstag Dutzende Menschen getötet worden - darunter 13 US-Soldaten. «Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen», hatte Biden kurz nach dem Anschlag gesagt. Am Freitag bekräftigte seine Sprecherin Jen Psaki die Entschlossenheit des Präsidenten: «Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben.» Sie reagierte damit auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle. Biden sei über entsprechende Pläne zu möglichen Angriffszielen informiert worden, sagte Psaki.

«Der Schlag gegen Isis-K ist der Beginn der Rache», schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger nach dem Angriff auf Twitter. «Glückwunsch an unser Militär und gute Entscheidung von Präsident Biden. Nichts wird unseren Verlust an Männern wettmachen, aber er darf nicht unbeantwortet bleiben.»

Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprechen von Isis statt vom IS - daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K.

Die Lage am Flughafen Kabul, wo die US-Luftwaffe ihre Evakuierungsflüge fortsetzt, bleibt unterdessen hochgefährlich. US-Bürger, die sich am Abbey-Gate, Ost-Gate, Nord-Gate oder New-Ministry-of-Interior-Gate aufhielten, «sollten das Gebiet sofort verlassen», appellierte die US-Botschaft. Stunden vor der Terrorattacke am Donnerstag hatte sie eine ähnliche Warnung veröffentlicht.

«Die Bedrohung ist akut, sie dauert an. Unsere Truppen sind immer noch in Gefahr», hatte Psaki am Freitag gesagt. Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam darüber informiert worden, «dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich ist». Die kommenden Tage werden nach Angaben des Weissen Hauses die gefährlichsten des Evakuierungseinsatzes sein. Biden hatte am Freitag dennoch betont, dass die USA weiter Menschen ausfliegen würden und es ein «lohnender Einsatz» sei.

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr hingegen endete bereits am Donnerstag - nach elf Tagen. Die ersten deutschen Soldaten der Mission landeten am Freitagabend auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Mit ihnen reisten unter anderem auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, nach Niedersachsen. Sie hatten die Soldaten im usbekischen Taschkent abgeholt. Auch die spanischen und französischen Streitkräfte haben ihre Evakuierungsmission inzwischen beendet.

Nach Angaben des Weissen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 110 000 Menschen aus Afghanistan aus. Zuletzt seien am Freitag binnen zwölf Stunden 4200 Menschen evakuiert worden. Die US-Regierung ging mit Stand Freitagnachmittag (Ortszeit) davon aus, dass sich noch rund 500 ausreisewillige US-Amerikaner in Afghanistan aufhalten. Man stehe in direktem Kontakt mit ihnen und hunderten weiteren Staatsbürgern, die sich noch nicht entschieden hätten, ob sie das Land verlassen wollen, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums.

Deutschland hofft darauf, dass im Land verbliebene Ortskräfte und andere Schutzsuchende künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können. Offenbar warten noch rund 300 Deutsche und mehr als 10 000 Afghanen auf Ausreise nach Deutschland. Der Kommandeur des deutschen Evakuierungseinsatzes in Afghanistan, Jens Arlt, wagte am Freitagabend allerdings keine Prognose, wann der Flughafen von Kabul wieder zivile Flugzeuge abfertigen kann. Der zivile Teil auf der Südseite des Flughafens sei zerstört, sagte der Brigadegeneral nach der Rückkehr nach Deutschland.

Die Taliban kontrollieren seit Mitte August Kabul - und damit auch das Gebiet rund um den Flughafen. An den Toren und im Inneren des Geländes haben allerdings US-Soldaten und deren Verbündete das Sagen. Diese sollen aber bis spätestens Dienstag kommender Woche abgezogen werden. Einige internationale Partner hatten die USA zu einer Verlängerung des Einsatzes aufgefordert, um noch mehr Zeit für die Evakuierungen zu haben. Der britische Premier Boris Johnson bedauerte am Freitag den Zeitpunkt des Abzuges aus Afghanistan. «Das Timing ist definitiv nicht das, was sich dieses Land ausgesucht hätte», sagte er.

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