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Lieber Zertifkatspflicht als Lockdown

Lieber Zertifkatspflicht als Lockdown

Der Bundesrat schlägt vor, das Covid-Zertifikat vermehrt einzusetzen. Regierungsrat Marcus Caduff begrüsst dies – als Notlösung.

Daria
Joos
26.08.21 - 04:30 Uhr
Politik
Geht doch: Wie bereits am Festival da Jazz in St. Moritz könnte der Vorweis des Covid-Zertifikats auch bald für Restaurantbesuche obligatorisch sein.
Bild Giancarlo Cattaneo / PRESSEBILD/GIANCARLO CATTANEO

von Daria Joos und Philipp Wyss

In Anbetracht der steigenden Coronafälle soll das Covid-Zertifkat neu auch in öffentlichen Innenräumen gelten. Das hat der Bundrat am Mittwoch mitgeteilt und schickt den Vorschlag nun in die Konsultation bei Sozialpartnern und den Kantonen. Für Regierungsrat Marcus Caduff kommt der Vorschlag der Landesregierung nicht überraschend. «Das hat sich abgezeichnet», sagte er am Mittwochnachmittag gegenüber Radio Südostschweiz. Ob der Kanton Graubünden die Ausweitung der Zertifikatspflicht unterstütze, müsse die Regierung erst noch besprechen. Caduff betonte aber: «Ich glaube, dass zuerst alle anderen Massnahmen ausgeschöpft werden müssen, bevor man wieder anfängt, die Wirtschaft einzuschränken.»

Der Volkswirtschaftsdirektor gab zu bedenken, dass eine Ausweitung der Zertifikatspflicht der Wirtschaft schaden könnte: «Der Umsatz wird zurücklaufen, obwohl man mit der Impfung Instrumente hätte, sich zu schützen.» Dass es deshalb eine gewisse Skepsis gebe, verstehe er, so Caduff. «Aber was es wirklich zu verhindern gilt, ist ein weiterer Lockdown.» Falls die Zertifikatspflicht ausgeweitet werden müsse, könne er sich dies vor allem in Spitälern und Altersheimen vorstellen. Er sagte aber auch: «Und wenn es als letzte Massnahme vor erneuten Schliessungen die Zertifikatspflicht braucht, dann müssen wir auch darüber nachdenken."

Impfen erste Priorität

Hohe Priorität für die Bündner Wirtschaft hat gemäss Caduff der Wintertourismus: «Mit den Möglichkeiten, die wir heute haben, ist es für mich keine Frage, dass die Skigebiete auch diesen Winter offen sind. Auch die Restaurants und Terrassen.» Dies auch, weil es im letzten Winter keine Coronaausbrüche in Skigebieten gegeben habe.

Caduff ist der Überzeugung: «Impfen sollte im Vordergrund stehen.» Seiner Meinung nach solle sich der Staat zurücknehmen, stattdessen sollten die einzelnen Bürgerinnen und Bürger Eigenverantwortung übernehmen. Deshalb müsse die Bevölkerung in erster Linie von den Vorteilen der Impfung überzeugt werden. Mit Blick auf die aktuellen Fallzahlen füget er an: «Wir wissen, dass der grösste Teil derjenigen, die einen schweren Verlauf haben und hospitalisiert werden müssen, Ungeimpfte sind.»

Zuspruch aus Gastronomie

Die neuen Massnahmen würden unter anderem die Gastronomie stark betreffen: Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden ist wie Regierungsrat Caduff der Meinung, dass die Erhöhung der Impfquote Priorität haben muss. «Man soll die Leute animieren, sich impfen zu lassen und in die Impfbusse investieren», sagte er. Dass die Bündner Regierung vieles unternehme, um die Impfbereitschaft zu erhöhen, sehe er positiv. Eine grosse Hilfe sei es auch, dass Schnelltests für Personen ohne Symptome künftig kostenpflichtig seien: «Dann sagen viele: ‘Gut, dann gehe ich mich auch impfen.’»

Caluori begrüsst, dass die Auslastung der Spitäler nun das Kriterium für politische Entscheide ist. «Die früheren Kriterien sind nicht zielführend gewesen.» Er hofft, dass die Spitäler nicht an ihre Grenzen kommen. Falls sich die Situation verschlechtere, hält er den Einsatz des Covid-Zertifikats in Restaurants für sinnvoll – «als letzte Konsequenz vor der Schliessung.»

Einheitslösung erfreut Peyer

Auch Regierungsrat Peter Peyer ist überzeugt: «Die vom Bundesrat am Mittwoch angekündigte Konsultation zur Ausweitung der Zertifikatspflicht macht Sinn.» Am Rande der Augustsession des Grossen Rates zeigte sich der Gesundheitsdirektor insbesondere erfreut über die angestrebte einheitliche Lösung unter benachbarten Kantonen. Die Verantwortlichen der Ostschweizer Kantone hätten sich bereits am vergangenen Montag an einer Telefonkonferenz ausgetauscht. Und am kommenden Freitag werden sie sich erneut abstimmen.

Wichtig ist es Peyer, dass nun zügig die «Instrumente bereit gemacht werden». Denn zwischen ansteigenden Zahlen, zusätzlichen Spitaleinweisungen und den positiven Auswirkungen von umgesetzten Massnahmen würden immer Tage oder gar einige Wochen vergehen, so Peyer.

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Am dieses Wochenende stattfindenden "sound of Glarus" wird von "Kindern" bis 16-jährig kein Zertifikat verlangt. Einfach mal ein bisschen die Definition von "Kinder" umkrempfeln. So, wie es einem gerade in den Kram passt.. Aber die Intensivbetten in Glarus sind ja noch leer. Na ja, freuen wir uns auf die Landsgemeinde, wo dann das Eine-eigene-Realität-Schaffen-Pendel sozusagen auf die Ungeimpften-feindliche Seite ausschlägt, indem diese "Gruppe", die sich ja als Verwahrer der Demokratie und, nach ihrem Dafürhalten, also Verfechter der Landsgemeinde ansieht, dann faktisch kein Stimmrecht mehr hat. "Glarus schafft eigene Realitäten", haben ja immer so originelle slogans.