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Deutlich weniger Wolfsangriffe auf Nutztiere in Graubünden

Die Anzahl Wolfsangriffe auf Nutztiere ist in Graubünden dieses Jahr stark zurückgegangen. Die Umweltorganisation Gruppe Wolf Schweiz führt das auf einen deutlich verbesserten Herdenschutz zurück.

Agentur
sda
08.07.21 - 15:11 Uhr
Politik
Herdenschutzhunde und elektrische Zäune hielten Wölfe in der Bündner Surselva oft von Angriffen auf Nutztiere ab. (Symbolbild)
Herdenschutzhunde und elektrische Zäune hielten Wölfe in der Bündner Surselva oft von Angriffen auf Nutztiere ab. (Symbolbild)
KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Graubünden sechs Wolfsangriffe verzeichnet bei denen Nutztiere - ausnahmslos Schafe - gerissen wurden. Das teilte die Gruppe Wolf Schweiz am Donnerstag mit. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch etwa 15 Wolfsangriffe gewesen.

Fand 2020 die Mehrheit der Angriffe in der Surselva statt, war das in den letzten sechs Monaten nur noch bei der Hälfte der Fall. In der Region um den Vorderrhein lebt der Grossteil der Bündner Wölfe.

Die Gruppe Wolf Schweiz verweist darauf, dass die tödlichen Wolfsangriffe zurückgingen, obwohl die Wolfspopulation weiter wuchs. «Der markante Rückgang an Rissen ist der Verdienst der grossen Bemühungen der Tierhalter beim Herdenschutz», schrieb die Organisation.

Ein deutlich häufigerer Einsatz von Herdenschutzhunden und viel mehr wolfsabweisende Zäune hätten in der Surselva zum Erfolg geführt. Die Zahl der mit Herdenschutzhunden geschützten Schaf- und Ziegenherden habe sich im Vergleich zum Vorjahr etwa um die Hälfte erhöht. Zudem würden deutlich mehr Schutzzäune verwendet.

«Der Herdenschutz mit geeigneten Hunden und Zäunen kann Risse nachweislich deutlich reduzieren», lautet das Fazit der Wolfschützer. Von diesen Erfahrungen aus der Surselva könnten auch andere Regionen profitieren. Die Ausbreitung des Wolfes in weitere Gebiete halte an.

Anzahl Risse weniger stark zurückgegangen

Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei, dem auch die Wildhut angehört, bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die von der Gruppe Wolf Schweiz genannten Zahlen zu den Wolfsangriffen im Wesentlichen.

Nicht gleich stark wie die Anzahl Angriffe sei aber die Zahl gerissener Tiere zurückgegangen, erklärte Marc Hosig, Kommunikationsverantwortlicher des Amtes. Auch hier sei der Rückgang zwar deutlich, bewege sich aber nicht im Rahmen der Abnahme der Angriffe. Der Grund dafür sind Attacken mit jeweils einer grösseren Anzahl gerissener Schafe in diesem Jahr.

Worauf der der Rückgang der Angriffe zurückzuführen ist, sei nicht ganz klar, betonte Hosig. Nebst dem Herdenschutz spielten auch andere Faktoren eine Rolle, etwa das Wetter oder das Angebot an Wildtieren.

Erst am Dienstag hatte der Verein Schutz der ländlichen Räume vor Grossraubtieren in einem Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga konträre Aussagen gemacht. Der Verein klagte über «stark ansteigende tödliche Angriffe auf geschützte Schafherden» im Kanton Graubünden und weiteren Kantonen. Die Lage in den betroffenen Gebieten drohe vollends ausser Kontrolle zu geraten, hiess es.

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Jeder Berufsmann oder jede Berufsfrau braucht zur Ausübung ihres Berufes geeignetes Werkzeug. Im Fall Herdenschutz sind es ausgebildete Hunde. Man hat über Jahre hinweg versäumt, dass der Herdenschutz mit Hunden ausgebaut wurde. Die verantwortlichen Behörden welche in der Politik und gleichzeitig in der Jägerschaft zu finden sind, haben die Anzeichen einer Rückkehr des Wolfs seit 20 Jahren ignoriert und damit gerechnet, dass sich das "Problem" mit dem Gewehr lösen lässt. Das Problem ist nie das Tier, es ist viel mehr der Mensch welcher von sich aus entscheidet was von Nutzen ist und was nicht. Dabei wird der eigene Nutzen in den Vordergrund gestellt ohne zu bedenken was ein Raubtier für eine wichtige Funktion in der Natur zu erfüllen hat. Ist es nicht paradox, dass der beste Schutz für Herden, der Hund, von dem Tier abstammt welches von vielen als Übel und Bestie bezeichnet wird? In den Abruzzen funktioniert Herdenschutz seit Jahrzehnten, dort hat man realisiert was notwendig ist um eine Herde zu schützen damit sich Raubtiere dort ihre Beute holen wo sie es auch tun sollten. Eine ungenügend geschützte Herde ist in den Augen eines Wolfs wie ein Selbstbedienungsbuffet. In der freien Natur flieht ein Beutetier vor ihm, hier bleibt es stehen und schaut zu, wie sein Nachbar gerissen wird. Der Wolf kann genauso wenig etwas dafür wie es das Schaf kann. Der Wolf hat ein Tötungsreflex welcher in seiner Natur verankert ist, dieser Reflex ist von Natur aus gegeben, in seinen Genen. Das Schaf ist vom Menschen als Nutztier gezüchtet worden. Es kennt heute keinen Grund um vor einem Raubtier fliehen zu müssen. Seine Vorfahren wären geflohen. Das gefährlichste Raubtier ist und bleibt der Mensch. Er teilt Tiere in Nutztiere und Schädlinge ein und ist sich nicht bewusst, dass die Natur selber bestimmt was zu tun ist um ein intaktes System aufrecht zu erhalten. Natur bedeutet Freiheit für alle wilden Lebewesen und sollte nicht als Kuschelzoo degradiert werden.

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