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BLS wegen Covid-19-Pandemie und Subventionsaffäre mit Verlust

BLS wegen Covid-19-Pandemie und Subventionsaffäre mit Verlust

Die Covid-19-Pandemie und die Subventionsaffäre haben das Bahnunternehmen BLS 2020 in die roten Zahlen katapultiert. Der Verlust beläuft sich auf 50,8 Millionen Franken. Allein der um 25 Prozent eingebrochene Personenverkehr trug 49 Millionen Franken dazu bei.

Agentur
sda
vor 3 Monaten in
Politik
Die BLS fuhr 2020 in die roten Zahlen: Ihr Kursschiff "Stadt Thun" bei der Eröffnung der Saison am Karfreitag in Neuhaus bei Interlaken.
Die BLS fuhr 2020 in die roten Zahlen: Ihr Kursschiff "Stadt Thun" bei der Eröffnung der Saison am Karfreitag in Neuhaus bei Interlaken.
KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

2020 waren mit den Zügen, Bussen und Schiffen der BLS noch 50,6 Millionen Passagiere unterwegs, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Entsprechend sanken die Billetteinnahmen um 44,1 Millionen Franken. Die anderen Geschäftsfelder - Infrastruktur, Güterverkehr und Immobilien - waren von der Pandemie weniger betroffen.

BLS zahlt 49 Millionen zurück

Neben der Pandemie belastete die Aufarbeitung der Affäre um die zu viel bezogenen Subventionen das Unternehmen. Die zu hohen Abgeltungen von 39,9 Millionen Franken aus den Jahren 2012 bis 2018 stellte die BLS bereits in der Jahresrechnung 2019 zurück. Mit Bund und Kantonen erreichte die BLS eine Einigung über die Rückzahlung von 49 Millionen Franken mit Zinsen und Vorsteuerkürzungen.

Im weiteren klärte die BLS verschiedene Probleme bei den Abgeltungen, welche die Eidgenössische Finanzkontrolle bemängelt hatte. So nahm sie für Mieten, Kosten für Lokomotiven und Bahnersatzleistungen in der Jahresrechnung 2020 Rückstellungen und Korrekturen vor. Bei den Offerten im subventionierten Regionalverkehr passte die Bahn ihre Abläufe an.

Im Effizienzsteigerungsprogramm sparte die BLS 13,3 Millionen Franken ein und löste Reserven von 18,1 Millionen Franken auf. Die Auflösung der Reserven entspricht einer Forderung des Bundesamts für Verkehr.

Damit bleibt im subventionierten Regionalverkehr 2020 ein Verlust von 10,8 Millionen Franken. Dafür beantragt die BLS beim Bund eine Unterstützung von 9,7 Millionen Franken. Für die Verluste in Schifffahrt und Autoverlad am Simplon von zusammen 5,5 Millionen reichte die BLS Hilfsgesuche in der Höhe von 3,3 Millionen Franken ein. Die Verluste aus dem Autoverlad am Lötschberg und dem Fernverkehr trägt die Bahn selbst.

Die BLS gab einen weiteren buchhalterischen Fehler bekannt: Sie hat am Autoverlad Umsätze aus Mehrfahrtenkarten seit 2013 nicht korrekt verbucht und die Ergebnisse zu hoch ausgewiesen. Dieser Fehler wirkte sich aber nicht auf Abgeltungen aus, da der Autoverlad nicht abgeltungsberechtigt ist. Das Ganze wird in der Jahresrechnung 2020 mit einer Buchung von 3,2 Millionen Franken korrigiert.

Zufrieden mit Einstieg in Fernverkehr

An einer Medienkonferenz in Bern sagte Verwaltungsratspräsident Ueli Dietiker, das Unternehmen sei sich bewusst, dass die BLS Fehler gemacht und enttäuscht habe. «Wir wollen die Vergangenheit aufarbeiten und Fehler nicht wiederholen.» Dafür brauche es einen Wandel im Unternehmen, der Zeit benötige.

Unternehmenschef Dirk Stahl sagte, die BLS sei zufrieden mit dem Einstieg in den Fernverkehr. Der BLS-Fernverkehrsbetrieb führe zu Synergien mit dem Regionalverkehr und das reduziere die Abgeltungen. Seit Dezember 2019 betreibt die BLS die Interregio-Linie Bern-Biel und seit Dezember 2020 weitere Fernverkehrslinien.

Mit der bernischen Gesundheitsdirektion steht die BLS im Kontakt wegen einer Impfkampagne fürs Personal. Stahl sagte auf Nachfrage, es gehe nicht darum, das BLS-Personal bevorzugt zu behandeln; weitere Angaben wurden nicht gemacht.

Gewerkschaften: Personal soll nicht leiden

Die Gewerkschaft Transfair begrüsste am Freitag in einer Mitteilung, dass die BLS Verantwortung übernehme und den Verlust nicht durch Sparmassnahmen beim Personal decken wolle. Auch der Personalverband SEV schreibt, die durch fehlerhaftes Management verursachten Rückzahlungen für zu viel bezogenen Abgeltungen dürften nicht das Personal belasten.

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