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Peyer und Caduff: «Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft»

Peyer und Caduff: «Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft»

Am Dienstagnachmittag hat die Regierung kurzfristig zu einer Pressekonferenz geladen. Dort gab sie die Verlängerung der aktuellen kantonalen Coronamassnahmen bis am 22. Dezember bekannt. Und appellierte an die Eigenverantwortung.

Südostschweiz
vor 2 Monaten in
Politik
Die Regierungsräte Peter Peyer (links) und Marcus Caduff besprechen sich vor der Pressekonferenz.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Im Interview mit TV Südostschweiz erklärten Marcus Caduff, Leiter des Departements für Volkswirtschaft und Soziales, sowie Peter Peyer, Leiter des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, die Hintergründe für die Verlängerung der aktuellen Massnahmen. Wir haben die wichtigsten Antworten für Euch festgehalten.

Marcus Caduff

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Die Regierung hat die Massnahmen, die bis am kommenden Freitag geplant gewesen waren, um vier Tage verlängert. Weshalb?

Marcus Caduff: Seit letztem Freitag sind die Fallzahlen gesunken, die Indikatoren zeigen in die richtige Richtung. Hätten wir die Massnahmen wie geplant ab Samstag gelockert, hätten die Restaurants wegen der schweizweiten Regelungen nur bis um 19 Uhr geöffnet bleiben können. Wir fragten uns, ob wir es nicht schafften, die Situation noch stärker zu verbessern, damit ab dem 23. Dezember eine Öffnung bis um 23 Uhr möglich ist.

Schweizweit steigen die Fallzahlen an. Wie optimistisch sind Sie, dass die Fallzahlen in Graubünden in den kommenden Tagen sinken?

Ich denke, hier können wir auf die Erfahrungen der Westschweiz und des Kantons Wallis aufbauen: Dort konnten die Fallzahlen innerhalb von 20 Tagen nach Beschluss strengerer Massnahmen deutlich gesenkt werden. Ich bin optimistisch, dass wir mit der Verlängerung der Massnahmen die Fallzahlen unter den Schweizer Durchschnitt bringen können – und so den Restaurants die Bewilligung erteilen dürfen, dass sie bis 23 Uhr geöffnet bleiben dürfen.

Wie reagierte die Bündner Gastrobranche auf diese Massnahmenverlängerung?

Die Begeisterung hält sich verständlicherweise in Grenzen. Der Tenor lautet aber: «Ja, es ist ein Versuch wert.» Natürlich im Wissen, dass es keine Garantie für das Erreichen des Ziels bis am 22. Dezember gibt.

Wie reagierten die Gastronomiebetriebe in den Skigebieten?

Sie signalisierten, dass sie diesen Entscheid mittragen können, wenn auch mit wenig Begeisterung. Die Frage nach einer Entschädigung trat auf – berechtigterweise, wie ich finde.

Können die Skigebiete nach dem 22. Dezember überhaupt geöffnet bleiben?

Stand heute könnten wir die Bewilligungen erteilen. Allerdings müssen wir die Lage von Tag zu Tag neu beurteilen. Sobald sich zeigen sollte, dass sich die Situation zuspitzt, müssen wir das Gespräch mit den Betroffenen suchen und eine Lösung finden.

Was sagt der Kanton Graubünden zu dem neuen dreistufigen System, das der Bund vorschlägt und den Kantonen zur Begutachtung gegeben hat?

Wir sind der Meinung, dass der Bund jetzt nichts überstürzen soll. Es ist bekannt, dass es etwa drei Wochen dauert, bis neue Massnahmen greifen. Und die neusten Massnahmen hat der Bund ja erst am 11. Dezember beschlossen. Jetzt sollte man den Mut haben, die neuen Massnahmen wirken zu lassen und zu beobachten, ob sie in die richtige Richtung führen.

Peter Peyer

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Beim Massentest vom vergangenen Wochenende konnten Personen isoliert werden, die ohne Symptome infiziert waren. So gelang es, weitere Ansteckungen zu vermeiden. Wie optimistisch blicken Sie auf die nächsten Tage und Wochen?

Mit dem Massentest konnten wir 150 Personen ausmachen, die infiziert, aber ohne Symptome waren. Das schlägt sich kurzfristig negativ auf die Fallzahlen aus, grundsätzlich sind wir aber zuversichtlich, dass sich die Situation bessert. Dennoch müssen wir aufmerksam bleiben und die Situation täglich neu beurteilen. Denn wir wissen, dass die Kapazität in den Spitälern beschränkt ist.

Sie haben andere Kantone angefragt, ob diese in Graubünden verunfallte Wintersportler aufnehmen könnten. Was hat es mit dieser Abschiebung auf sich?

Um Abschiebung geht es nicht, es geht um Planung. Die Spitäler laufen schweizweit an ihrer Belastungsgrenze, aushelfen kann man sich gegenseitig nicht, wie unser Gespräch gezeigt hat. Sollten unsere Spitäler an ihre Kapazitätsgrenze stossen, müssen wir zu strengeren Massnahmen greifen.

Was nicht alle wissen: Das Problem in den Spitälern ist nicht die technische Ausrüstung – wir könnten noch viele Apparaturen aufstellen – sondern das medizinische Personal, das irgendwann überlastet ist. Zudem dürfen unsere Spitäler nie ganz ausgelastet sein. Sonst haben wir für schwere Krankheitsfälle wie Herzinfarkte oder auch für Opfer von Verkehrsunfällen keinen Platz mehr.

Was kann der Kanton nun unternehmen?

Wir alle können etwas unternehmen: Hände waschen, Abstand halten, Kontakte reduzieren, Maske tragen. Zudem müssen wir uns mit Vernunft draussen bewegen, also nicht abseits der Piste fahren und auch nicht betrunken schlitteln gehen. Schlimmstenfalls müssten wir sonst die Skigebiete doch noch schliessen. (sz)

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Wie kann Regierungsrat Peyer von Zuversicht reden, wenn gleichzeitig von Seite der KSD (Andreas Stettbacher, koordinierter Sanitätsdienst) gemeldet wird dass Graubünden keine Intensivbetten mehr zur Verfügung hat (Blick 16.12.20 um 10.46).

Oscar Rederer

Der Kanton St. Gallen schliesst die Skigebiete voraussichtlich am 22.12., dh, über die Feiertage noch mehr Tagestouristen in GR. Der Bundesrat hat bereits am 14.12. mitgeteilt dass die getroffenen Massnahmen nicht reichen. Die GR-Spitäler haben auch schon signalisiert dass sie die zu erwartenden Pflegefälle nicht gewährleisten können. Einfach die Skigebiete offen halten und der Rega den schwarzen Peter zuschieben, wohin sie mit den Patienten hin sollen, wird dazu führen dass der Bund dem Zirkus ein Ende bereitet. Ich will auch keine geschlossenen Skigebiete, aber dann schränkt wenigstens den Zulauf ein. Nur Skifahrer mit Jahresabos, Hotelgäste und Einheimische.

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