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Lieber Tunnel statt zwei Radstreifen

Der Kanton möchte die Strasse zwischen Silvaplana und Sils verbreitern und um zwei Radstreifen ergänzen. Gegen das Projekt regt sich aber Widerstand.

Fadrina
Hofmann
Donnerstag, 01. Oktober 2020, 04:30 Uhr Zwischen Silvaplana und Sils
Masanserstrasse Velostreifen Velo fahren Roland Arpagaus
Es regt sich Widerstand um zwei solche Radstreifen.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Die stark befahrene Kantonsstrasse zwischen Silvaplana und Sils ist nicht nur eng und kurvig, sondern auch in einem schlechten Zustand. Das Tiefbauamt Graubünden hatte deshalb ein Auflageprojekt erarbeitet, das bis Mitte Monat zur öffentlichen Mitwirkung auflag.

Das Projekt sieht eine Verbreiterung der Strasse von heute 5 bis 6 auf 9,9 Meter vor. Mit eingeplant sind dabei auch Radstreifen auf jeder Seite. Und genau diese Radstreifen sorgen für Kritik.

Laut Recherchen der «Engadiner Post» überzeugt das Auflageprojekt auch die Standortgemeinden Sils und Silvaplana sowie Engadin St. Moritz Tourismus AG nicht. Die Radstreifen würden nicht mehr Sicherheit bringen, im Gegenteil. Die breiteren Fahrbahnen würden vielmehr höhere Geschwindigkeiten beim motorisierten Verkehr begünstigen, auch beim Schwerverkehr, monieren die Kritiker.

Engadiner bevorzugen Tunnel

Die Standortgemeinden üben aber nicht nur Kritik, sie haben auch Alternativlösungen zum Auflageprojekt des Tiefbauamts erarbeitet. Ein Vorschlag ist eine Verlegung des gesamten Strassenabschnittes in einen Tunnel. Ein solcher würde rund 200 Millionen Franken kosten. Die bestehende Strasse könnte im Sommer für den Langsamverkehr und im Winter für Langläufer und Fussgänger genutzt werden. Variante 2 ist ein Radweg neben, oberhalb oder unterhalb der Fahrbahn. Und die dritte Option wäre, das Nordufer dem motorisierten Verkehr zu überlassen. Der gesamte Langsamverkehr könnte auf der gegenüberliegenden Seite am Südufer geführt werden.

In einer von der «Engadiner Post» lancierten Umfrage zeigt sich ganz klar, dass die Bevölkerung des Oberengadins die Tunnelvariante bevorzugt. Das Auflageprojekt des Kantons hingegen findet nur wenig Zustimmung bei der Leserschaft. Die Realisierung eines Strassenprojekts zwischen Sils und Silvaplana ist auf jeden Fall eine Herausforderung, denn das Projektperimeter befindet sich in der Oberengadiner Seenlandschaft, also in einem national geschützten Gebiet aus dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.

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