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Ein Entscheid mit Misstönen

Die Bündner Regierung stellt die reformierte Kirche St. Johann in Schiers unter Schutz. Trotz dieses Entscheids hält der Bündner Heimatschutz die Haltung des Kantons «für einen Witz». Das Hickhack um eine altehrwürdige Orgel – von der Ouvertüre bis zum Schlussakkord.

Bernhard
Aebersold
Freitag, 12. Juni 2020, 04:30 Uhr Kirche in Schiers
Die Pläne der Kirchgemeinde sehen vor, die 1928 erbaute Orgel zu ersetzen. Dieses Vorhaben stösst auf Widerstand.
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Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Schiers möchte ihre im 16. Jahrhundert erbaute Kirche renovieren. Das Ziel: Die Kirche soll für die Bevölkerung vielseitiger genutzt werden können. Denn aufgrund der 1928 gebauten Innenraumausstattung mit einer Orgel, kann die Kirche nicht beheizt werden. 

Die Orgel spaltet die Gemüter

Die Projektierungen um Kirchgemeindepräsidentin Ruth Flury schritten voran und in der Kirchgemeinde fand das Vorhaben, das eine neue Orgel vorsah, eine Mehrheit. Die Kirche könnte dadurch beheizt werden. 

Das geplante Vorhaben rief den Bündner Heimatschutz auf den Plan. Denn die 1928 errichtete Innenausstattung wurde vom St. Moritzer Architekten Nicolaus Hartmann geplant. «Das Heimatstil-Interieur ist in dieser Kirche derart gut erhalten, wie man es ansonsten in einer evangelischen Kirche nur noch selten sieht» sagt Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz.

Der Bündner Heimatschutz stellte einen Antrag beim Kanton, woraufhin der Kanton in Gutachten erstellte, das der Kirche die Bedeutung eines «Bauwerks mit regionalem Rang» attestierte – Interieur inklusive. Der Heimatschutz ging aber noch ein Schritt weiter und beantragte beim Kanton Graubünden, die Kirche unter Schutz zu stellen. Einer möglichen Renovierung wäre so ein Riegel geschoben worden.

Nutzungsinteressen überwiegen

Der Kanton hat nun entschieden und die Kirche unter Schutz gestellt – allerdings nur die Kirche, ohne Innenraumausstattung. Damit gewichtet der Kanton die Nutzungsinteressen höher als das Interesse an der Erhaltung der Innenraumausstattung.

«Bei einer Unterschutzstellung dieser Innenraumausstattung könnte die Evangelische Kirchgemeinde Schiers die Kirche nicht wie geplant renovieren und eine zeitgemässe Nutzung der Kirchenräumlichkeiten wäre nicht möglich», begründet die Regierung den Entscheid in einer Mitteilung.

Des einen Leid ist des...

Ludmila Seifert vom Bündner Heimatschutz zeigt sich ob dem Entscheid der Bündner Regierung enttäuscht. «Aus heimatschützerischer Sicht ist der Entscheid des Kantons eine Bankrotterklärung». Anders sieht die Gemütslage bei der Kirchgemeinde aus. Ruth Flury freut sich, dass der Umbau nun endlich geplant werden kann. «Noch vor den Sommerferien wollen wir mit der Projektgruppe und dem Architekten ein erstes Mal zusammensitzen», sagt sie gegenüber Radio Südostschweiz. 

Wann mit der Renovierung begonnen werden kann, ist derzeit noch unklar. Der Umbau wird rund zwei Millionen Franken kosten.

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