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Der Baukonzern Kibag wehrt sich gegen den Kanton Graubünden

Die Bündner Niederlassung des Baukonzerns Kibag soll jahrelang Teil des Bündner Baukartells gewesen sein und hunderte Aufträge unter der Hand vergeben haben. Nun wehrt sich die Kibag und wirft dem Bündner Regierungsrat Ablasshandel vor.

Bernhard
Aebersold
Donnerstag, 11. Juni 2020, 18:32 Uhr Bündner Baukartell
Tiefbau Strassenbau
Mit der Kibag bricht der erste Baukonzern im Zuge des Bündner Baukartells sein Schweigen.
PHILIPP BAER / ARCHIV / PHILIPP BAER

Ueli Widmer ist Geschäftsführer des Baukonzerns Kibag mit Sitz in Zürich. Seine Kibag-Niederlassung im Kanton Graubünden soll Teil des Bündner Baukartells gewesen sein. Das Kartell hat Aufträge im Umfang von 190 Millionen Franken unter beteiligten Bauunternehmungen aufgeteilt. Bei Ausschreibungen war bereits im Vornherein klar, welche Unternehmung das günstigste Angebot unterbreiten würde.

Das Kartell flog auf und die Wettbewerbskommission (Weko) sprach im September 2019 Bussen aus. Gestützt auf diesen Entscheid wurde auch der Kanton Graubünden aktiv und bat die Baukonzerne zur Kasse – grösstenteils mit Erfolg. Bis im März dieses Jahres konnte der Kanton mit allen betroffenen Baufirmen eine Vergleichvereinbarung erzielen – alle, bis auf zwei.

Schweigen gebrochen

Die Chefs der betroffenen Baukonzerne äusserten sich während der jahrelangen Untersuchungen nie zum Bündner Baukartell. Damit ist nun aber Schluss. Gegenüber SRF packt Ueli Widmer von der Kibag aus. «Wir haben nichts falsch gemacht und bei keinen Absprachen mitgemacht. Es gibt dafür keine Beweise. Wir fühlen uns ungerecht behandelt», sagt Widmer.

Gegen die Busse der Weko wehrt sich die Kibag vor dem Bundesverwaltungsgericht und nun wirft Widmer auch dem Kanton Graubünden vor, ihn unter Druck zu setzen. «Der Kanton hat verlangt, dass wir ein Schuldeingeständnis unterschreiben und mit ihm über Schadensersatzzahlungen diskutieren – obwohl wir nicht rechtskräftig verurteilt sind», sagt Widmer. «Wir haben die Druckversuche durchaus als solche empfunden. Wir haben es als Ablasshandel verstanden», ergänzt Widmer gegenüber SRF.

Gestützt auf den Weko-Entscheid hat der Kanton Graubünden die Kibag für vier Jahre bei allen öffentlichen Bauvergaben in Graubünden gesperrt.

Regierungsrat Cavigelli äussert sich nicht

Der zuständige Bündner Baudirektor, Regierungsrat Mario Cavigelli, äussert sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, sagt er gegenüber SRF. (bae)

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