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Regierung trifft sich mit Landwirten aus der Region Surselva

Der Wolf sorgt in der Surselva für Gesprächsstoff und Aufsehen. Deshalb haben sich die Regierungsräte Mario Cavigelli und Marcus Caduff mit betroffenen Landwirtinnen und Landwirten sowie mit Vertretern des Bündner Bauernverbands, des Bündner Schafzuchtverbands und des Vereins Mutterkuh Schweiz zu einem Austausch getroffen.

Südostschweiz
Dienstag, 09. Juni 2020, 12:20 Uhr Wegen Wolf
Wolf
Ein Wolf in der oberen Surselva.
AMT FÜR JAGD UND FISCHEREI GRAUBÜNDEN

Von den Herausforderungen im Umgang mit den Grossraubtieren sei die Landwirtschaft in besonderem Mass betroffen, schreibt die Standeskanzlei Graubünden in einer Mitteilung. Die Regierung habe Verständnis für die Sorgen und Erwartungen, welche die Landwirtschaft diesbezüglich habe und an die Gesellschaft und die Politik herantrage. Sie nehme die Bedürfnisse und Forderungen sehr ernst.

Stärkeres Abwehrverhalten von Rindern bei Wolfspräsenz

Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse in der Surselva, aber auch im ganzen Kanton, sei zu erkennen, dass das Verhalten einzelner Wölfe und einzelner Rudel im Kanton zu Konflikten führen könne, heisst es in der Regierungsmitteilung weiter. In jüngster Zeit hätten Bauern beobachtet, dass Rindviehherden wegen der Wolfspräsenz in ihrem Verhalten gestört würden und vereinzelt auch Ziel von Übergriffen werden könnten, teilt der Kanton Graubünden mit.

Bisher habe es im Kanton selten Übergriffe von Wölfen auf Rinder gegeben, hält die Regierung fest. Aufgrund der bisherigen und der von den Fachleuten erwarteten weiteren Entwicklung der Wolfspopulationen würden die am Austausch beteiligten Fachleute des Kantons und die Vertreter der Landwirtschaft weiterhin nicht ausschliessen, dass unter besonderen Umständen auch Tiere der Rindergattung, insbesondere Jungtiere, vom Wolf gerissen und genutzt werden könnten und sich die Situation in absehbarer Zeit im gesamten Kantonsgebiet verschärfen könnte.

Regelmässiger Austausch nötig

Neben den negativen Folgen für die Landwirtinnen und Landwirte, wie sie beim Umgang zum Schutz und bei Rissen von Kleinvieh einschlägig bekannt sind, stellt das durch die Wolfspräsenz ausgelöste Abwehrverhalten von Rindern gemäss Regierung ein zusätzliches, neuartiges Problem dar. Das Verhalten von aufgescheuchten oder wegen der Nähe von Grossraubtieren beunruhigten Mutter- und Milchkühen sei bis anhin noch nicht vertieft thematisiert worden, heisst es. Insbesondere würden Erkenntnisse darüber fehlen, inwiefern sich damit ein Potenzial zur Gefährdung von Personen, die mit den Tieren arbeiten, und von Menschen, die sich in die Nähe der Herden begeben, auftue.

Aus diesen Gründen hätten sich die für Grossraubtiere und Herdenschutz zuständigen Regierungsräte Cavigelli und Caduff sowie Mitarbeitende des Plantahofs und des Amts für Jagd und Fischerei mit Rindviehhaltern aus der Surselva, dem Bündner Bauernverband sowie Vertretern des Bündner Schafzuchtverbands und des Vereins Mutterkuh Schweiz zu einem Gespräch getroffen. Dabei sei die neue Situation besprochen worden, zudem wurden die Möglichkeiten zur Schadenabwehr und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit erörtert. Solche Treffen sollen künftig regelmässig abgehalten werden, teilt die Regierung mit.

Engagement des Kantons in Bundesbern

Die Möglichkeiten des Kantons, die Landwirtschaft bei ihren Herausforderungen und Sorgen zielgerichtet zu unterstützen, seien jedoch begrenzt, betont die Regierung. Die Regulierung der Wolfspopulationen sei bundesrechtlich klar geregelt und könne nur in diesem Rahmen erfolgen. Die Regierung hat sich deshalb auf Bundesebene in den letzten Jahren immer wieder für eine Anpassung dieser Regelungen eingesetzt.

Abklärungen beim Bund aufgegleist

Mit Regulierungsmassnahmen allein sei den Erwartungen von Landwirtschaft und Tier- und Naturschutz nicht gerecht zu werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Es seien Herdenschutzmassnahmen zu ergreifen, wie das Zäunen und der Einsatz von Herdenschutzhunden. Diese würden einen gewissen Schutz bei Kleinvieh wie etwa Schafen bieten. Beim Rindvieh seien sie aber wenig wirkungsvoll, nicht nur wegen der schwierigen Integration der Schutzhunde in die Herde, sondern, weil es in erster Linie nicht um den Schutz der Nutztiere gehe, sondern vielmehr darum, zu verhindern, dass die Rindviehherde Wolfswitterung aufnehme. Die daraus folgende Verhaltensveränderung einzelner Rinder oder der ganzen Herde stelle ein neues Gefährdungspotenzial für Menschen dar, so die Regierung.

Angesichts der neuen Situation ist laut dem Kanton eine Aufarbeitung der bestehenden Grundlagen an die Hand zu nehmen. Die Regierung habe deshalb den Bund aufgefordert, das Potenzial zur Gefährdung von Menschen wegen des Abwehrverhaltens beim Rindvieh in Gebieten mit Wolfspräsenz zu analysieren und Massnahmen zu erarbeiten. Entsprechend sei ein Projekt «Mutterkuh und Grossraubtiere» aufgegleist worden. Die Projektgruppe habe die Arbeit vor Kurzem aufgenommen. (mma)

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Nur, weil Menschen wie du vernünftig denken können, ist Vernunft nicht, zu denken, der Mensch stünde über den Tieren. Über der Natur. Leider haben wir entw. Gehirne u. Hände u. erheben uns und wollen dies, das. Leider. Zum Nachteil für Land, Tier, Pflanze, (Aufzählung recht lange).
Bin für den Wolf u. den Rückzug der Zweibeiner.

Mal ehrlich!
Was gibt es hier noch abzuklären?
Jedem vernünftig denkende Mensch ist klar, dass ALLE Wideransiedlungsprojekte unverzüglich abgebrochen bzw. beendet werden müssen. Alle aufgelisteten Schutzmassnahmen wären nicht notwendig bzw. sind vollkommen überflüssig. Das entstandene Gefährdungspotenzial für Menschen und Nutztiere durch das dulden von Raubtieren in unserm Lebensraum, ist einzig und allein den ausser Kontrolle geratenen Raubtierfreunden zu verdanken. So lange sich nur ein einziges Raubtier in unserm Lebensraum befindet, werden wir keine Ruhe haben.
Das Argument bezüglich Artenvielfalt, kann für unsern Lebensraum nicht gelten.
Wenn wir nichts dagegen unternehmen, werden verschiedene Organisationen ihr Ziel erreichen.
Aus unserem ländlichen Lebensraum einen entvölkerten Naturpark zu machen, in dem nur noch Wolf, Bär, Luchs und andere nicht heimische Wildtiere ein Zuhause haben.
In diesem Sinne mein Appell.
Die Bergebiete so wie wir sie kennen und gerne haben, dürfen nicht sterben.

Von einer neuen Situation kann ja wohl nicht die Rede sein: In der Schweiz und auch in anderen Ländern leben schon seit Jahren Wolfsrudel in der Nähe von oder sogar auf Kuhalpen – ohne dass die Kühe ihr Verhalten gegenüber Menschen verändert hätten. Sinnvoller wäre es wohl, Wanderwege nicht durch Mutterkuhherden zu leiten – unabhängig vom Wolf.

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