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Für Andreas Züllig gibt es einen reduzierten Sommer

Drei Bundesräte und Vertreter aus der Tourismusbranche haben sich am Sonntag in Bern zu einem Gipfel getroffen. Sie diskutierten über Anliegen und mögliche Lockerungen der Corona-Massnahmen. Radio Südostschweiz hat mit Andreas Züllig, Präsident von Hotellerie Suisse, gesprochen.

Südostschweiz
Montag, 27. April 2020, 11:48 Uhr Krisengipfel
Andreas Züllig (Mitte), Brigitta M. Gadient, Präsidentin Schweiz Tourismus (links), Leonie Liesch, Präsidentin des Verbandes Schweizer Tourismusmanager (zweite von rechts) und Janine Bunte, CEO Schweizer Jugendherbergen.
KEYSTONE

Herr Züllig, am Sonntag hat sich die Tourismusbranche mit dem Bund zu einem Gipfel getroffen. Von Seiten des Bundesrates zeigt man sich zufrieden. Sind Sie als Präsident von Hotellerie Suisse auch zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Es ist ein ausserordentliches Zeichen, dass Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, Guy Parmelin und Alain Berset sich zwei Stunden Zeit genommen und unsere Herausforderungen und Wünsche angehört haben. Auf der anderen Seite konnte der Bundesrat uns seine Vorgehensweise und Überlegungen erläutern.

Für die Tourismusbranche wird eine Lockerungsstrategie gefordert. Ist der Fahrplan jetzt klarer?

Ja, wir sind uns bewusst, dass wir nicht alles auf einmal öffnen können, weil das zu viele Leute auf einmal anziehen würde. Wir müssen in Etappen und mit Augenmass vorgehen, damit wir nicht zu grosse Menschenansammlungen haben. Das ist in unserer Verantwortung. Wir bekommen nun die Chance, langsam hochzufahren. Wenn wir zu schnell vorgehen droht ein Rückfall. Wenn wir im Juli oder August wieder zurückfahren müssten, wäre das viel schlimmer.

«Im Hotel haben wir damit ab Mai wieder ein gutes Angebot.»

Wie sehen die Pläne jetzt konkret aus?

Die Hotellerie war ja nie geschlossen, sie darf wie bis anhin weiter betrieben werden. Neu hinzugekommen sind nun die Öffnungen von Hallenbändern, Wellness, Kosmetik und Massage. Im Hotel haben wir damit ab Mai wieder ein gutes Angebot. Sukzessive kommen Bergbahnen, öffentlicher Verkehr und später Restaurants dazu. Parallel wird ständig beobachtet, wie sich die Fallzahlen verändern.

Sommerferien im eigenen Land ist inzwischen für den Grossteil der Schweizer Fakt. Wie schaut nun die Hotellerie, dass die Corona-Vorschriften eingehalten werden?

Die Zwei-Meter-Abstandregel führt dazu, dass nur jeder zweite Platz besetzt werden kann. Wie viele Personen an einem Tisch sitzen dürfen, klären wir derzeit mit dem Amt für Gesundheit. Die Kapazität im Restaurant bestimmt schliesslich die Auslastung im Hotel. In unserem Hotel «Schweizerhof» auf der Lenzerheide ist das beispielsweise 50 Prozent. An Auffahrt starten wir also mit etwa der Hälfte der Gäste wie üblich.

«Für die Monate Juli und August spüren wir eine starke Nachfrage.»

Erwarten Sie einen grossen Ansturm?

Wir haben die Angewöhnungsphase im Mai und Juni. Da müssen wir lernen, mit der Situation umzugehen, in der Wellnessanlage, am Frühstücksbuffett, etc. Vielleicht braucht es Zeitfenster, dass lediglich eine gewisse Anzahl Personen ins Hallenbad oder ins Restaurant darf uns so weiter. Für die Monate Juli und August spüren wir eine starke Nachfrage. Die Leute buchen nun ihre Sommerferien. Viele Leute fragen für eine Woche, zehn Tage oder gar für zwei Wochen an. Uns freut es, dass viele Schweizer die Sommerferien in der Schweiz verbringen. Früher waren das eher die Neben-, nicht die Hauptferien, die im eigenen Land gebucht wurden.

«Das liegt schlicht nicht drin.»

Kommt die Hotelbranche den Gästen in dieser Zeit preislich entgegen?

Wir haben in der Wintersaison und in den vergangen zwei Monaten viel Geld verloren. Da liegt ein Preisnachlass schlicht nicht drin. Wer länger bleibt, profitiert von interessanten Packages. Ich glaube nicht, dass es zielführen ist für die Branche, mit tieferen Preisen einzusteigen. Sonst verlieren wir noch mehr Geld.

Wie zuversichtlich sind Sie mit Blick auf die Sommersaison?

Alles wird in reduziertem Rahmen stattfinden, Bergbahnen, Restaurantangebote. Wir gehen mit den bestehenden und schwierigen Umständen dennoch von einer anständigen Sommersaison mit höheren Kosten und tieferem Umsatz aus. (phw)

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