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Kommentar

Solidarität hat eine neue Bedeutung erhalten

Südostschweiz
Samstag, 21. März 2020, 04:30 Uhr
OLIVIA AEBLI-ITEM

von Regierungspräsident Christian Rathgeb

Das Coronavirus hat das Leben in Europa und damit auch in Graubünden fest im Griff. Seit Montagmittag ist ein grosser Teil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens lahmgelegt. Menschenansammlungen und Treffen, welche nicht absolut notwendig sind, müssen unterbleiben. Jeder anderen Person sollte man so begegnen, als wenn sie – oder man selbst – angesteckt wäre. Wir müssen voneinander Abstand halten – und dennoch zusammenstehen, denn der Schutz der Risikogruppen vor einer Ansteckung kann nur gelingen, wenn wir alle mitmachen.

Die Tage der Pflegenden und der Ärzteschaft in unseren Spitälern, Pflege- und Altersheimen sind schon unter normalen Bedingungen lang. Nun machen sie sich bereit für eine grosse Anzahl Patienten, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Sie zu pflegen, damit sie die Krankheit gut überstehen, wird in den kommenden Wochen ihre wichtigste Aufgabe sein. Das Gesundheitswesen in unserem Kanton ist gut aufgestellt und dezentral ausgebaut. In allen Regionen gibt es die Akutspitäler und Pflegeeinrichtungen, welche unsere Bevölkerung braucht. Das Coronavirus wird das System und seine Mitarbeitenden für einige Zeit an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen.

Wenn der Bund und der Kanton das öffentliche Leben einschränken, verursacht dies einen wirtschaftlichen Schaden, der – im Rahmen der Möglichkeiten – möglichst tief gehalten werden muss. Unternehmen stehen plötzlich vor der Existenzfrage, Mitarbeitende bangen um ihre Jobs. Der Kanton und auch der Bund sind sich der Tragweite ihrer Entscheide bewusst und werden alles daran setzen, unbürokratisch und rasch die Hilfe bereitzustellen, welche die Betroffenen jetzt brauchen.

Geforderte, aber erfahrene Krisenorganisation

Die Coronakrise bringt Unsicherheit und Herausforderungen ins Land, wie es sie seit dem letzten Weltkrieg nicht mehr gab und mit welchen auch niemand so gerechnet hat. Aber sie trifft unsere Krisenorganisation nicht unvorbereitet: Graubünden hat drei Tage vor dem Bund die ausserordentliche Lage erklärt. Wir verfügen über ein gut ausgebautes Netzwerk der Krisenvorsorge. Lokale Naturereignisse der letzten Jahre (Bergsturz in Bondo, Waldbrände in der Mesolcina, Überschwemmungen im Unterengadin usw.) haben uns schon auf die Probe gestellt und uns Erfahrungen sammeln lassen, die heute sehr wichtig sind. Im kantonalen Führungsstab versammeln sich erfahrene Fachleute, welche die Krise aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten und alle Massnahmen ergreifen, um die Menschen in Graubünden vor unnötigem Schaden zu bewahren.

Auch in den Gemeinden arbeiten Führungsorganisationen auf Hochtouren, welche alles für ihre Einwohnerinnen und Einwohner tun. Zahllose Initiativen formieren sich in der Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen und andere Risikogruppen, die von der Virusinfektion besonders betroffen sind. Restaurants und Lebensmittelläden haben sofort gehandelt und umgehend viele kreative Angebote mit Take-aways und Zustelldiensten lanciert. Alle diese Initiativen freuen und beeindrucken mich. Sie zeigen, wie das Land nach kurzer Schockstarre wieder in Bewegung kommt und sich in neuer Solidarität formiert.

Solidarität zwischen Generationen

Wenn unser Land nun geeint zusammensteht, um gegen die Virusinfektion zu kämpfen, dann tut es das zugunsten der Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ein Volk, das normalerweise die Leistungsfähigkeit eines jeden Einzelnen als eine seiner höchsten Qualitäten ansieht, stellt sich demonstrativ hinter seine älteren und kranken Menschen, die vom Virus besonders betroffen sind.

Solidarität und Eigenverantwortung haben in unserem Land eine neue Bedeutung erhalten. Mit verantwortungsvollem und solidarischem Verhalten kann nun jeder und jede von uns helfen, Leben zu retten und Betroffene zu unterstützen.

Diese besondere Form der Solidarität zwischen den Generationen ist nur effektiv, wenn wir uns konsequent an das halten, was die Gesundheitsfachleute uns empfehlen. Die Krise beschäftigt uns im Hier und Jetzt, aber es gibt auch wieder eine gute Zeit «danach». Ich appelliere an Sie, gemeinsam mit uns alles dafür zu tun, dass unsere Massnahmen auch Erfolg haben.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre aktive Unterstützung und wünsche Ihnen allen gute Gesundheit!

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