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Auch der Kanton Glarus schützt Homo- und Bisexuelle vor Angriffen

Künftig steht es in der Schweiz unter Strafe, Homo- und Bisexuelle zu diskriminieren. Dem stimmen auch Glarnerinnen und Glarner zu, wenn auch mit einer knappen Mehrheit ohne Glarus Süd.

Fridolin
Rast
Montag, 10. Februar 2020, 04:30 Uhr Es war knapp
SCHWEIZ ABSTIMMUNGEN 9. FEBRUAR 2020
Es war knapp, doch die Vorlage wurde angenommen.
KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Schon die Umfragen deuteten auf ein schweizweites Ja zum Diskriminierungsverbot. Und die Meinungsforscher lagen richtig. Gestern hat das Volk mit 63 Prozent der Gesetzesänderung zugestimmt.

Für das Verbot hat sich auch der Kanton Glarus ausgesprochen, respektive der Drittel der Stimmberechtigten, die überhaupt abgestimmt haben. Doch weniger eindeutig als die gesamte Schweiz. Die Glarner und Glarnerinnen sind in zwei fast gleich grosse Lager aufgeteilt: Unter dem Strich haben 51,3 Prozent mit Ja gestimmt und mit 48,7 Prozent etwas weniger mit Nein.

Glarus Nord ist geteilt, Glarus Süd skeptisch

Mit 50,1 Prozent Ja-Stimmen ist in Glarus Nord die Haltung sogar fast exakt geteilt. Nur neun Personen mehr haben ein Ja eingelegt als ein Nein, dies bei einer etwas unter dem Schnitt liegenden Stimmbeteiligung.

Schon recht deutlich ja gesagt hat die Gemeinde Glarus mit 56,2 Prozent. Je fünf Ja-Stimmenden stehen hier etwa vier Nein-Stimmende gegenüber.

Nein sagt dagegen Glarus Süd, mit einem Nein-Anteil von 52,1 Prozent gegenüber nur 47,9 Prozent Ja.

Auch andere Orientierungen werden etwas Normales

«Für uns ist die Zustimmung sehr schön», sagt Michi Gebert, der mit seinem Partner Joshua im Glarnerland lebt. Es zeige einen gewissen Respekt auch für Homosexuelle: «Die Bevölkerung fängt langsam an, auch andere Orientierungen als normal zu betrachten.»

Letztlich beruhige die Zustimmung zur Vorlage einfach, so Gebert. Denn im Gegensatz zu Berichten aus städtischen Gebieten seien ihm und seinem Partner im Kanton Glarus auch keine Anfeindungen passiert, hier sei das Anderssein eher nicht Thema.

Auch dass die Zustimmung markant knapper ist als im nationalen Resultat, schreibt Gebert dem zu. Darüber hinaus sei in Glarus Süd – das den Artikel im Strafgesetzbuch knapp abgelehnt hat – offenbar eher eine skeptische oder konservative Haltung etwas verbreiteter.

In Glarus Süd ist die Stimmbeteiligung am grössten

Die Stimmbeteiligung nimmt wie schon in früheren Abstimmungen von Nord nach Süd zu, die grösste Gemeinde hat mit 30,7 Prozent die kleinste Beteiligung, die bevölkerungsmässig kleinste Gemeinde mit 36,2 Prozent die grösste.

Glarus selbst liegt nahe beim Kantonsdurchschnitt. Und wer an die Urne zum Abstimmen ging oder das per Brief im Voraus gemacht hat, hat bei beiden Vorlagen seine Stimme abgegeben, die Beteiligungen unterscheiden sich praktisch nicht.

Künftig ist es also nicht nur verboten, jemanden aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion zu diskriminieren. Das Verbot wird ausgedehnt auf die sexuelle Orientierung. Es erfasst laut dem Bundesbüechli aber nur diskriminierendes Verhalten, das öffentlich und vorsätzlich erfolgt. Und das die Menschenwürde verletzt.

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Vor allem aber auch mit einer grottenschlechten Stimmbeteiligung, und das vor allem in einem Landsgemeindekanton, in dem die Stimmberechtigten weltweit die meisten und direktesten Mitsprachemöglichkeiten haben. Ich finde das mehr als bedenklich!