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Steinmeier bekennt sich in Jerusalem zu Schuld der Deutschen

Bei einer Zeremonie zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat sich der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in Jerusalem zur Schuld der Deutschen bekannt und zu ihrer Verpflichtung zum Kampf gegen Antisemitismus.

Agentur
sda
Donnerstag, 23. Januar 2020, 17:23 Uhr Jerusalem
Bekenntnis zur deutschen Schuld am Völkermord an den Juden: Bundespräsident Steinmeier bei der Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
Bekenntnis zur deutschen Schuld am Völkermord an den Juden: Bundespräsident Steinmeier bei der Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
KEYSTONE/EPA/RZ/LA/ BJW

«Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit», warnte Steinmeier am Donnerstag in der Gedenkstätte Yad Vaschem in Jerusalem, die die Erinnerung an den Holocaust und seine Opfer wachhält.

Steinmeier ist der erste deutsche Bundespräsident, der in Yad Vaschem eine Rede hielt. Aus Respekt vor den Opfern sprach Steinmeier Englisch und nicht Deutsch, die Sprache der Täter.

«Die Täter waren Menschen. Sie waren Deutsche. Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche», betonte der Bundespräsident angesichts eines auch in Deutschland zunehmenden Antisemitismus. «Der industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das grösste Verbrechen der Menschheitsgeschichte - es wurde von meinen Landsleuten begangen.»

Steinmeier warnte davor, einen Schlussstrich unter das Erinnern zu ziehen. «Ja, wir Deutsche erinnern uns. Aber manchmal scheint es mir, als verstünden wir die Vergangenheit besser als die Gegenwart», erklärte er. «Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten (...) Das kann ich nicht sagen, wenn nur eine schwere Holztür verhindert, dass ein Rechtsterrorist an Jom Kippur in einer Synagoge in Halle ein Blutbad anrichtet.»

«Historische Verantwortung»

Deutschland müsse seiner historischen Verantwortung auch in Zukunft gerecht werden, forderte Steinmeier. «Die Flamme von Yad Vaschem erlischt nicht. Und unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht. Ihr wollen wir gerecht werden. An ihr sollt Ihr uns messen.»

Deutschland werde weiter den Antisemitismus bekämpfen, dem «Gift des Nationalismus» trotzen, jüdisches Leben schützen und an der Seite Israels stehen. «Dieses Versprechen erneuere ich hier in Yad Vashem vor den Augen der Welt», bekräftigte der Bundespräsident.

Zu der Zeremonie in Yad Vaschem waren Dutzende Staats- und Regierungschefs aus aller Welt angereist, unter ihnen der russische Präsident Wladimir Putin, sein französischer Amstkollege Emmanuel Macron und US-Vizepräsident Mike Pence.

Der Präsident von Polen, das unter deutscher Besatzung Standort des Konzentrationslagers Auschwitz war, blieb der Veranstaltung indes wegen Differenzen mit Israel und Russland fern. Das Land will am 27. Januar eine separate Gedenkveranstaltung abhalten.

Im Nazi-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau westlich von Krakau wurden mehr als eine Million Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden. Rund sechs Millionen Juden insgesamt starben im von Nazi-Deutschland industriell organisierten Völkermord an den europäischen Juden, dem Holocaust.

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Ich finde es eine Schande, dass Ukraine-Steinmeier (ebenso wie Heiko Maas und all die anderen, die längst US-protegiert wurden) nicht der um ein x-faches höheren Opferzahl der im Deutschen Angriffskrieg gegen Russland getöteten und verletzten gedenkt, jedenfalls DAVON sehe ich nichts in den Medien.
Wer die ebenfalls US-durchdrungene Mainstreammedien meidend noch die Gnade hat, zu Denkern (im Volke der Dichter und Denker) zu gelangen (noch via Youtube), dürfte sich der Suizidalität Europas klarwerden.
Albrecht Müller:
https://www.youtube.com/watch?v=G-YTrGYm3yE
Wolfgang Reuss
21.01.2020 - 12:55 Uhr
Wieso geriert sich Estland (als nördlichster baltischer Staat, angrenzend Lettland, dann Litauen) als US-Militärbasis, wenn es denen um Frieden gehen täte?
Ich finde das das maximale Gegenteil von Friedenspolitik, Friedensforschung.
Nachdem die USA Hitler als Strohmann gegen Russland losschickten (Russland etwa 20 bis 40 Millionen Todesopfer) stehen die USA heute schon wieder vor Leningrad bzw. St. Petersburg.
Umgekehrtes Beispiel: Die USA würden so etwas nie dulden:
https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2012/03/kubakrise-kalter-krieg
Aber Europa schaut (unterstützend) zu, wie die USA ihr US-Militär (Nato, dass Europa hier etwas zu sagen hätte, ist eine Tarnung wie beispielsweise, dass ein Europäer Generalsekretär ist) inklusive Raketen an der empfindlichen West-Flanke Russland installieren: von Meer zu Meer: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ukraine de facto, Rumänien, Bulgarien (der Rest von Russland inklusive Nordpolarmeer ist eh bereits umzingelt von den USA).
Ich finde das unfassbar, unmoralisch und suizidal von Europa.