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Ex-Kantonsrätin kämpft für Seeweg – und ist trotzdem stolz auf Federer

Die Einsprache bei Roger Federers Bauvorhaben von Silvia Kündig-Schlumpf kommt nicht zufällig: Seit Jahren bearbeitet sie das Thema. Der prominente Schriftsteller Gerold Späth schaltet sich ebenfalls in die Debatte ein – mit einer erstaunlichen Behauptung.

Fabio
Wyss
Donnerstag, 23. Januar 2020, 18:56 Uhr Zwist um Federers Altlastensanierung
Mehr Seezugänge: Das fordert Silvia Kündig-Schlumpf, wohnhaft an der Kempratener Bucht und langjährige Kantonsrätin.
Bild Archiv

Seit klar ist, dass gegen Roger Federers Bauvorhaben in Kempraten eine Einsprache eingeht, gehen die Wogen hoch: Online-Kommentare hüben wie drüben. Kein Verständnis für das Anliegen der Einsprecher, die einen öffentlich zugänglichen Seeweg fordern. Obwohl die meisten Kommentarschreiber vom Anliegen profitieren würden. Dahingegen werden die Einsprecher fast schon einhellig als Neider beschimpft.

Die Unterschrift von Ex-Kantonsrätin Silvia Kündig-Schlumpf verleiht der Einsprache Gültigkeit; sie wohnt in der Nähe vom Federer-Grundstück, gilt als Nachbarin. Sie wohnt in der zweiten Reihe am See. Spricht bei der Einsprache tatsächlich der Neid? «Nein, ich bin stolz auf ‘unseren’ Roger Federer. Aber bei aller Sympathie: Hier geht es nicht um die Person, sondern um die Sache.»

Gesetzlich gerechtfertigt

Die Sache – also der Schutz der Ufervegetation, das Recht der Öffentlichkeit auf ihren Zugang zum See – ist gesetzlich verankert: ZGB-Artikel 664 besagt abgekürzt, dass an öffentlichen Gewässern unter Vorbehalt anderweitiger Nachweise kein Privateigentum besteht. Weiter fordert das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz die Kantone dazu auf, Ufervegetation anzulegen oder zumindest die Voraussetzungen für das Gedeihen zu schaffen. «Alle haben ein Recht, genügend informiert zu werden», sagt Kündig dazu nur.

Sie kennt Victor Von Wartburg, Präsident vom Einsprecherverein Rives Publiques seit 2007. Seitdem habe sie sein wertvolles rechtlich fundiertes Engagement für ihr politisches Wirken im Bereich Uferschutz gewinnen können, sagt Kündig, die 15 Jahre lang für die Grünen im Kantonsrat amtete.

Dank des wachsenden Bedürfnis’ nach Freizeit in der Natur, der vielen Menschen auf dem Holzsteg nach Hurden oder in der Schlossallee sieht sie Chancen für ihr Anliegen.

Späth hegt Zweifel

Es brennt nicht nur den Online-Nutzern unter den Nägeln: Der berühmte Rapperswiler Autor Gerold Späth hat unlängst die «Linth-Zeitung» kontaktiert. Er nennt den Trampelpfad eine Utopie und meint, das könne nicht «durchgemoschtet» werden.

Ihn stört aber etwas anderes: «Kempraten ist der grösste römische Umschlagplatz am Zürichsee, eine Ziegelei wird aber nie erwähnt.» Die von den Architekten erwähnten Altlasten hätten deswegen nichts mit einer Kontamination zu tun. «Überall in Kempraten stösst man auf die Römer, wenn man bloss 80 Zentimeter gräbt», meint Späth. Der Schriftsteller kennt und beschreibt die Zürichsee-Region in seinen Romanen wie kein anderer, für Recherchen hat er des Öfteren Archäologen begleitet.

Der städtische Bauchef Thomas Furrer kann dieser Version wenig abgewinnen: «Dass im Umfeld der Bauparzelle eine Ziegelei existierte, wurde bisher nie bestritten und gilt gestützt auf die Recherchen der Architekten als gesichert.» Er betont aber auch, dass er kein Historiker sei.

Die Behauptung Späths würde der Vermutung von Kündig Auftrieb verleihen. Laut der Politikerin werde die Altlastensanierung vorgeschoben, um den Uferschutz zu umgehen, die Natur achtlos zu untergraben und schlussendlich die Behörden vor vollendete Tatsachen zu stellen: «ein von Pflanzen befreites Ufer», wie Kündig sagt.

Historiker klärt Hickhack

Basil Vollenweider, Historiker aus Rapperswil-Jona, kennt sich beim Fall aus. Auch er habe «gestutzt», als er zum ersten Mal von einer Ziegelei hörte. Er findet dennoch mehrere Quellen aus dem 19. Jahrhundert, die eine Ziegelhütte angrenzend an die Gubelwiese bestätigten. «Als einzige in der weiteren Umgebung», wie beispielsweise das «St. Galler Volksblatt» schrieb.

Mit diesen historischen Mutmassungen hat Kündig nichts zu tun. Sie versucht nur, die CO2-arme Naherholung sicherzustellen und sagt: «Wie wir die Verantwortung für unsere Gesundheit, für die kommende Generation und die Kinder wahrnehmen wollen, ist jedem von uns überlassen.»

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