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Noch immer melden sich reuige Steuersünder

Seit Herbst 2018 liefert die Schweiz Finanzdaten an andere Länder. Seither reduzieren sich die steuerlichen Selbstanzeigen zwar wieder. Diese brachten Kanton und Gemeinden aber bereits 62,4 Millionen Franken ein.

Hans Peter
Putzi
Montag, 13. Januar 2020, 04:30 Uhr Straflose Selbstanzeigen
Steuern Steuerverwaltung
Briefeinwurf für die Steuererklärung.
MARCO HARTMANN

Vor zehn Jahren wurde in der Schweiz die Möglichkeit zur einmalig straf- und bussfreien Selbstanzeige von verstecken Einkommens- und Vermögenswerten eingeführt. In den ersten Jahren danach nahmen in- und nicht zuletzt ausländische Steuersünder diese Offerte zögerlich an. Doch dann trat 2017 auch in der Schweiz der automatische Informationsaustausch (AIA) in Kraft. Zum AIA haben sich über 100 Länder zusammengeschlossen, die unter einander Finanz- und Steuerdaten ihrer Einwohner austauschen. Das Ziel dieser Übung: im Ausland deponiertes, nicht deklariertes Vermögen aufspüren.

Reduktion der Selbstanzeigen

Seit Herbst 2018 wird der AIA tatsächlich gelebt, seither werden zwischen der Schweiz und anderen Ländern entsprechende Daten ausgetauscht. Damit erklärt sich die Entwicklung der eingereichten Selbstanzeigen in Graubünden: Nach den Spitzenjahren 2017 und 2018 reduzierte sich 2019 die Zahl der reuigen Sünder wieder. Mit 465 Selbstanzeigen registrierte die kantonale Steuerverwaltung aber immer noch mehr Eingänge, als in den Jahren vor 2017. Dies teilte die Steuerverwaltung auf Anfrage mit.

Allerdings wurde 2019 mit 153,4 Millionen Franken Vermögen trotzdem der zweithöchste Vermögenswert seit 2010 nachdeklariert. Zusammen mit den ebenfalls nachträglich gemeldeten Einkommen von 2,8 Millionen Franken konnte sich die öffentliche Hand in Graubünden im letzten Jahr auf zusätzliche 7,7 Millionen Steuerfranken freuen. Knapp vier Millionen davon erhält der Kanton, die restlichen 3,7 Millionen fliessen in die Kassen verschiedener Gemeinden.

Langfristiger Profit

Total hat die Steuerverwaltung seit 2010 insgesamt 77,8 Millionen Franken Nachsteuern aus Selbstanzeigen veranlagt. 62,4 Millionen bleiben bei Kanton und Gemeinden, 15,4 Millionen wurden nach Bern in die Bundeskasse weitergeleitet. Die Steueramnestie bescherte Graubünden inklusive Bundessteuern bisher pro Einwohner 392 Franken.

Auch wenn sich die Anzahl der Selbstanzeigen im kommenden Jahr weiter reduzieren dürfte: Von den seit 2010 über 1,2 Milliarden nachdeklarierten Geldern, Wertschriften, Immobilien und sonstigen Vermögen wird der Bündner Fiskus nicht nur einmal, sondern langfristig profitieren. Diese Werte werden auch künftig in den Steuererklärungen der Eigentümerinnen und Eigentümer aufgeführt. Zumindest so lange, wie sie bestehen und beispielsweise nicht durch einen Börsencrash vernichtet werden.

Risiko für Sünder steigt

Jene oftmals ausländischen Steuersünder, die ihre hierzulande parkierten Vermögen weiterhin nicht offenlegen, laufen Gefahr, dafür bald nicht nur Nach-, sondern auch Strafsteuern und Bussen bezahlen zu müssen. Wegen der in den kommenden Jahren zu erwartenden Intensivierung der Datenlieferungen zwischen den am AIA beteiligten Staaten gehen die Fehlbaren ein inzwischen beträchtliches Risiko ein. Dies, weil Adressdaten, Finanzguthaben, Zinsen, Dividenden und weitere Erlöse automatisch und nicht erst nach Rückfrage ausgetauscht werden.

Falls die Steuerverwaltung Kenntnis von nicht deklarierten Vermögenswerten erhält, bevor eine Selbstanzeige eintrifft, ist eine solche nicht mehr ohne Straffolge möglich. In diesem Fall muss ein Strafverfahren eröffnet werden, wie Urs Hartmann, Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung, auf Nachfrage bestätigt.

GRAFIK SÜDOSTSCHWEIZ

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