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Bald gilts ernst in Haldenstein

Am 22. November stimmt Haldenstein über eine Fusion mit Chur ab. Wie sehen Vertreter des Pro- und Kontra-Lagers der Abstimmung entgegen?

Südostschweiz
Mittwoch, 13. November 2019, 04:30 Uhr Fusion oder nicht?
Bald mehr als nur Nachbarn? Über eine mögliche Fusion mit Chur werden in Haldenstein hitzige Diskussionen geführt.
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In jüngster Zeit boomen Gemeindefusionen: Seit diesem Jahr gibt es in Graubünden 106 Gemeinden, halb so viele wie noch im Jahr 2001. Wird es bald noch eine Gemeinde weniger geben? Sollen sich Haldenstein und Chur zusammenschliessen? Über diese Frage wird an der Gemeindeversammlung vom 22. November abgestimmt.

Bessere Weitsicht

Der Gemeindevorstand hat sich mit drei zu zwei Stimmen für eine Fusion ausgesprochen. In welche Richtung es letztendlich gehen wird, könne man derzeit nicht sagen, meint Gemeindepräsidentin Gerda Wissmeier im Interview mit Radio Südostschweiz. Sie zeigt sich zurückhaltend. «Im Dorf sind Stimmen zu hören, die sich für die Fusion aussprechen, und solche, die für die Eigenständigkeit plädieren. Das ist Demokratie.» Wissmeier, in Haldenstein aufgewachsen und nach längerer berufsbedingter Abwesenheit zur Gemeindepräsidentin gewählt, war lange hin- und hergerissen bezüglich der Zukunft ihres Dorfes. Bis sie sich im Detail mit dem Budget für die nächsten Jahre auseinandersetzte. «Ich bin überzeugt, dass der Zusammenschluss mit Chur in der Weitsicht und der Verantwortung besser ist.» Die Investitionen, die anstünden, seien gross und wären in der Eigenständigkeit nur dank Steuererhöhungen zu bewältigen.

Auf dörfliche Bedürfnisse eingehen

Die finanzielle Situation der Gemeinde kennt auch Tabea Ackermann-Lütscher bestens. «Die anstehenden Investitionen, die sich über die letzten Jahre angesammelt haben, sind eine grosse Aufgabe. Diese zu meistern wird in der Eigenständigkeit schwieriger, als wenn wir mit Chur fusionieren.» Dennoch hält sie an der Selbstständigkeit von Haldenstein fest. «Ich bin hier aufgewachsen und emotional stark mit dem Dorf verbunden», sagt Ackermann-Lütscher. Es brauche Mut, diesen eigenständigen Weg zu gehen. «Aber das haben andere Gemeinden, denen es finanziell schlechter geht als uns, auch geschafft.» Sie ist überzeugt, dass die Bedürfnisse einer Dorfgemeinschaft andere sind als jene einer städtischen Bevölkerung. Und nur wenn die Eigenständigkeit bewahrt werde, könne man auf diese Bedürfnisse eingehen.

Der Abstimmungsfreitag kommt bald. Doch zuvor sollen nochmals alle Fragen zur Fusion geklärt werden. An der Orientierungsversammlung und Podiumsdiskussion vom 14. November erhält die Dorfbevölkerung die Gelegenheit, Unklarheiten zu beseitigen. «Zu diesem Zeitpunkt liegt auch die Botschaft zur Gemeindeversammlung auf dem Tisch, dann können wir das in Ruhe gemeinsam anschauen und noch drüber reden», erklärt die Gemeindepräsidentin. Das entspricht ihrem Demokratieverständnis. «Denn das Wichtigste ist, dass wir lernen, mit Andersdenkenden umzugehen», so Wissmeier. «Egal wie das Resultat aussieht: Wir haben auch nach der Abstimmung immer noch dieselben Nachbarn, und der Rhein wird weiterhin abwärts fliessen.» (sz)

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