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Wird graubündenSPORT zum Sportamt?

Letzte Woche ging bei der Regierung der Vorstoss ein, dem Sport ein eigenes Amt zu geben statt es an die Volksschule anzugliedern. Die Regierung ist sich, was die Bedeutung des Sports angeht, mit den Vorstössern einig. Empfindet die Angliederung an die Volksschule aber durchaus als sinnvoll.

Südostschweiz
Montag, 04. November 2019, 04:30 Uhr Ein Vorstoss an die Regierung
Die Bedeutung des Sports für den Kanton Graubünden ist unbestritten.
SYMBOLBILD UNSPLASH

Im Vorstoss wird betont, wie gross die Bedeutung von Sport im Kanton ist. Nicht nur, dass die Hälfte der Bündner Bevölkerung mehrmals pro Woche Sport treibt, sondern auch die Tatsache, dass er ein bedeutender Wirtschatsfaktor für die Region ist.

Mit dem von der Regierung am 15. Dezember 2015 genehmigten Sportförderungskonzept wurde die Sportförderung im Kanton Graubünden weiterentwickelt und optimiert. Die Mehrheit der darin formulierten Ziele und Massnahmen wurden inzwischen umgesetzt. «Geblieben ist leider der organisatorische Stellenwert der Sportförderung innerhalb der kantonalen Verwaltung. graubündenSPORT ist einerseits hierarchisch weiterhin auf der untersten kantonalen Stufe positioniert und andererseits im Bereich Volksschule angesiedelt», wird im Vorstoss geschrieben.

Der Vergleich zu anderen Kantonen spricht für das Amt

Diese Organisation auf unterster Stufe werde der wachsenden Bedeutung des Sports in Graubünden nicht gerecht. Sie unterscheide sich denn auch frappant von der Mehrheit der anderen Kantone: In der Ostschweiz inklusive Zürich und Tessin ist die Sportförderung nur in Glarus und Appenzell Ausserrhoden nicht als Amt organisiert. Die Vorstösser finden die Einordnung des Sports in den Bereich der Volksschule sachlich unbegründet.

«Die Berührungspunkte zu anderen Bereichen, vor allem mit dem privatrechtlichen Sport beziehungsweise Vereinssport mit J+S sowie dem Sportfonds überwiegen deutlich», heisst es im Schreiben. «Vor allem aber könnten mit der Organisation als Amt die Anliegen des Sports gegenüber anderen Politikbereichen (Bildung, Raumplanung, Bau, Tourismus, Natur und Umweltschutz etc.) direkter und noch wirksamer vertreten werden.» Ebenso würde es dem Kanton ermöglichen, weiterhin aktiv, aber nach aussen noch besser sichtbar, eine führende Rolle in sportpolitischen Debatten von nationaler Tragweite zu übernehmen.

Bei den Vorstössern drängt sich eine Aufwertung von graubündenSPORT mit einer neuen hierarchischen Eingliederung als Sportamt auf. «Damit verbunden wäre eine grosse Wertschätzung des Sportes mit entsprechender Signalwirkung an die zahlreichen, mehrheitlich ehrenamtlich engagierten Akteure in der Bündner Sportwelt.»

Die Bedeutung des Sports für den Kanton ist unbestritten

Die Bündner Regierung teilt die Ansicht, dass der Sport und sportliche Aktivitäten in Graubünden von hoher Bedeutung sind. «Sport vermittelt wichtige Werte in der Gesellschaft. Sport verbindet Generationen, Kulturen und fördert Gemeinschaft. Sport spornt an, fördert Kommunikation, Solidarität und Begeisterung für eine gemeinsame Sache. Sport fördert die Gesundheit. Sport ist auch Teil unserer Kultur und hat in unserem Kanton zudem einen bedeutenden wirtschaftlichen und touristischen Aspekt», schreibt die Regierung in der Antwort.

Mit der Schaffung des Gesetzes über die Förderung von Sport und Bewegung habe die Regierung der grundsätzlichen Tatsache, dass die politische Bedeutung des Sports gestiegen ist, bereits 2015 Rechnung getragen. «Das Tätigkeitsfeld von graubündenSPORT hat sich einem modernen Sportverständnis entsprechend zunehmend um verschiedene laterale Bereiche erweitert», schriebt die Regierung. Als Beispiele werden die Zusammenarbeit mit anderen Bildungsämtern, die Sicherung von Raum für Sport und Bewegung, die Vereinbarkeit von Sport und Umwelt oder arbeitsrechtliche Themen im Zusammenhang mit Traineranstellungen genannt.

graubünden als starke Marke

Die Regierung ist aber auch der Meinung, dass sich die vor 16 Jahren definierte Organisations- und Führungsstruktur des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartements (EKUD) auch aus heutiger Sicht bewährt hat und sich die Abteilung Sport gegen aussen durch die Verwendung der Marke graubünden schon sehr eigenständig positioniert. Die 2003 erfolgte Rückstufung zur Abteilung und die Integration ins Amt für Volksschule und Sport habe die Entwicklung des Bündner Sports auch aus finanzieller Sicht nicht eingeschränkt. Der Gesamtaufwand hat sich von damals 1,7 Mio. schrittweise auf heute 2,5 Mio. Franken erhöht.

Die Abteilung Sport ist für die Talentschulen zuständig, betreut die Weiterbildung der sportunterrichtenden Lehrpersonen und sorgt zusammen mit den Turnberaterinnen sowie Turnberatern für die Durchführung der Schulsportprüfungen. Die Zuordnung zum Bildungsbereich entspricht auch der Organisation des nationalen Sports. Ebenfalls sei ausdrücklich festzuhalten, dass die Organisation der Verwaltung eine ständige Aufgabe der Regierung ist. Mit Regierungsbeschluss vom 28. Mai 2019 habe die Regierung beschlossen, eine umfassende Aufgaben- und Leistungsüberprüfung durchzuführen. «Im Rahmen dieser wird auch die Schaffung eines Sportamts geprüft», so die Antwort der Regierung.

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