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Ab Ende 2020 geben Detailhändler keine Plastiksäcke mehr gratis ab

Im Detailhandel soll es ab Ende 2020 keine Gratis-Plastiksäcke mehr geben. Die Detailhändler dehnen ihre freiwillige Branchenvereinbarung zu Einweg-Plastiksäcken auf Mehrweg-Säcke aus. Coop, Migros und Manor wollen die Vereinbarung schon Anfang 2020 umsetzen.

Agentur
sda
Mittwoch, 23. Oktober 2019, 16:35 Uhr Bern

In Coop-, Migros- und Manor-Geschäften erhalten Kunden und Kundinnen vom 1. Januar an keine Plastik-Tragetaschen mehr gratis, wie die Grossverteiler mitteilten. Gegen Bezahlung sind die Plastiktüten aber weiterhin zu haben. Grundlage ist eine freiwillige Branchenvereinbarung von Swiss Retail Federation und IG Detailhandel.

Branchenvereinbarung ausgedehnt

Die Verbände erinnerten im Communiqué vom Mittwoch auf die freiwillige Branchenvereinbarung zu den kostenpflichtigen so genannten Raschelsäckchen. Diese werden in der Regel nur ein Mal benutzt und sind für 5 Rappen zu haben. Die Vereinbarung gilt seit 2016, rund 30 Unternehmen sind beteiligt.

Der Verbrauch der Säckchen habe in den beteiligten Lebensmittelläden um 86 Prozent oder 361«212»000 Säckchen gesenkt werden können, schrieben die Verbände. Coop hält fest, selbst pro Jahr 850 Tonnen Neu-Plastik gespart zu haben, seit die Vereinbarung umgesetzt wird. Migros meldet einen Rückgang von 83 Prozent bei den Säckchen.

Die Swiss Retail Federation und die IG Detailhandel Schweiz haben die Vereinbarung nun auf mehrfach verwendbare Plastik-Tragetaschen sowie auf den Non-Food-Bereich ausgedehnt. Detailhändler, die sich anschliessen, verpflichten sich, Plastik-Tragetaschen nicht mehr gratis abzugeben.

Wo die Plastikhülle aus hygienischen Gründen nötig ist und auch für den Offenverkauf von Gemüse und Früchten dürfen die Säcke oder Säckchen weiterhin gratis abgegeben werden. Umgesetzt sein soll die Vereinbarung spätestens am 31. Dezember 2020.

Unternehmen setzen Preis fest

Was Kunden und Kundinnen für Plastiksäcke - sofern diese noch abgegeben werden - bezahlen müssen, lässt die Vereinbarung offen, wie Dagmar Jenni, Geschäftsführerin des Verbandes Swiss Retail Federation, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Das müssten die Mitglieder entscheiden.

Die Verbände gehen laut Jenni von einem Preis aus, der im Bereich der heutigen 20 bis 30 Rappen liegt. Coop hat die Gebühr für die Säcke noch nicht festgesetzt, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Der Erlös geht an den Fonds für Nachhaltigkeit - Coop unterstützt in eigenen Worten «innovative und nachhaltige Projekte».

In den Migros-Fachmärkten werden die mehrfach verwendbaren Taschen aus Recycling-Plastik je nach Grösse zwischen 5 und 50 Rappen kosten, wie Migros in einer Mitteilung schreibt. Auch in den Restaurants und Take Aways von Migros gibt es keine Gratis-Plastiktüten mehr.

Ökologische Alternativen

Coop verweist auf ökologischere Alternativen zu Plastik. Mehrweg-Beutel auch für Früchte und Gemüse hätten dazu beigetragen, den Verbrauch an Plastiksäckchen um über 10 Prozent zu senken, schreibt der Detailhändler. Für Non-Food-Läden arbeitet Coop an Alternativen, etwa Tragetaschen aus Zellulose oder Recyclingmaterial.

In den Supermärkten und Warenhäusern von Manor sind ab 1. Januar nicht nur Plastiksäcke nicht mehr gratis, sondern auch Säcke aus Papier. Manor verweist dabei auf das hauseigene Angebot an mehrfach verwendbaren Taschen und Beutel sowie Mehrwegtaschen.

Weniger Plastikabfälle ist das Ziel der Branchenvereinbarung, wie die Verbände schreiben. Ihre Medienmitteilung veröffentlichten sie genau am Tag, an dem die Umweltorganisation Greenpeace Ergebnisse einer weltweiten freiwilligen Plastikabfall-Sammelaktion in 51 Ländern auf allen Kontinenten veröffentlichte.

«Plastikabfall»-Sünder weltweit

Über 72«500 Einzelpersonen und Organisationen sammelten an einem Stichtag weltweit Plastikabfall und ordneten die Stücke - soweit möglich - einer Herstellermarke zu. Von 476»423 Plastikstücken konnten 43 Prozent einer Marke zugewiesen werden.

In den meisten Fällen war dies einer der weltweit grössten Lebensmittelkonzerne. Nestlé liegt auf dem zweiten Platz der Rangliste der «weltweit grössten Verschmutzer». Dem Schweizer Konzern ordneten die Sammler 4846 Abfallstücke aus 31 Ländern zu. «Sieger» Coca-Cola wurde in 37 Ländern 11'732 Mal gefunden.

Greenpeace rief Lebensmittelproduzenten auf, sich für wiederverwertbare, lange nutzbare und auch für Arme bezahlbare Verpackungen zu engagieren. Damit soll der Verbrauch von Einweg-Plastik reduziert werden. Am häufigsten aufgesammelt wurden Plastiktüten, Portionenbeutel und Getränkeflaschen.

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