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Bündner Regierung zu Besuch bei Cassis

Die Bündner Regierung war am Montag zu Besuch bei Ignazio Cassis in Bern. Im Zentrum des Treffens stand unter anderem die Förderung der Minderheitssprachen in der Schweiz.

Südostschweiz
Montag, 09. September 2019, 18:10 Uhr Rätoromanisch und das Rahmenabkommen
OLIVIA AEBLI-ITEM

Ignazio Cassis versprach es nach seiner Wahl zum Bundesrat, jetzt möchte er den Worten mit Taten folgen, heisst es in einer Mitteilung des Bundes: «Als Vertreter der italienischen Schweiz und den Randregionen habe ich versichert, dass ich mich für die Minderheitssprachen Italienisch und Rätoromanisch einsetzten würde», sagte Bundesrat Cassis nach dem Treffen. Im vergangenen Jahr besuchte Cassis die Val Müstair, Lostallo und Chur. In diesem Jahr war er zu Besuch in Zuoz, wo die Rumantschia das 100-Jahr-Jubiläum der Lia Rumantscha gefeiert hat. Und jetzt stand das jährliche Treffen mit der Regierung auf dem Programm.

Viersprachigkeit der Schweiz

Bundesrat Cassis verwies dabei auf die Wichtigkeit des Kapitels «gesellschaftlicher Zusammenhang» in der Kulturbotschaft 2021-2024, die derzeit in der Vernehmlassung ist. Diese will nämlich die schulischen Austauschaktivitäten zwischen den Sprachgemeinschaften verstärken und ein Austauschprogramm für Lehrpersonen einrichten. In diesem Tätigkeitsfeld sollen Mehrmittel in der Höhe von 2,5 Mio. Franken pro Jahr investiert werden. Zur Förderung des Rätoromanischen sollen zudem rätoromanische Bildungsangebote ausserhalb des Kantons Graubünden unterstützt werden. Es geht darum, die Viersprachigkeit der Schweiz zu stärken.

In diesem Zusammenhang erwähnte Bundesrat Cassis den Vorschlag, den er am 2. August in Zuoz gemacht hatte: Eine Woche der rätoromanischen Sprache in den Schweizer Vertretungen im Ausland einzuführen («Emna da la lingua rumantscha»). In seiner Rede am Jubiläumsanlass zu «100 Jahre Lia Rumantscha» hatte er betont, dass das Rätoromanische für die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz wichtig ist. Um die Stärkung der beiden Minderheitssprachen geht es auch an der Tagung «Die Schweiz ist auch Italienisch und Rätoromanisch», die das EDA Ende November 2019 gemeinsam mit dem Eidgenössischen Departement des Innern EDI organisiert.

Interesse der Regierung

Die Regierung des Kantons Graubünden war besonders an der Frage des Rahmenabkommens mit der EU interessiert. Vom Abkommen hängt auch die Zukunft des Stromabkommens mit der EU ab, was den Kanton Graubünden als Bergkanton und Standort von Wasserkraftwerken besonders betrifft. Bundesrat Cassis informierte über den Stand der Diskussion innen- und aussenpolitisch. Er erinnerte daran, dass der Bundesrat ein institutionelles Abkommen mit der EU abschliessen will. Es müssten aber zufriedenstellende Lösungen in den Bereichen Lohn- und Arbeitnehmerschutz, den staatlichen Beihilfen und der Unionsbürgerrichtlinie vorliegen.

Am Treffen nahmen neben Bundesrat Ignazio Cassis der Bündner Regierungspräsident Jon Domenic Parolini und die Regierungsräte Christian Rathgeb, Mario Cavigelli, Marcus Caduff sowie Peter Peyer teil. Sie wurden von Kanzleidirektor Daniel Spadin und dem Beauftragten für Aussenbeziehungen, Carlo Crameri, begleitet.

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